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Marburg Mosaikschule betreut Hälfte der Schüler
Marburg Mosaikschule betreut Hälfte der Schüler
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12:00 17.06.2020
Laura Wissemann beim Unterricht in der Mosaikschule. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

Vier Schüler pro Klasse werden derzeit an der Mosaikschule unterrichtet. Mehr geht nicht, mehr gibt die Raumsituation einfach nicht her. Schließlich kommen noch Lehrkräfte, Teilhabe-Assistenz oder weitere Erzieher hinzu. Wieder einmal ist es die Raumnot, die die Förderschule vor besondere Herausforderungen stellt. Statt 72 Schüler betreuen die Lehrer im Moment höchstens die Hälfte an der Großseelheimer Straße aufgrund der festgelegten Regeln.

Per Webcam zugeschaltet

In der Grundstufe vier sitzen vier Jungen mit großem Abstand im Klassenraum. Ein Schüler ist per Webcam von zu Hause zugeschaltet. Lehrerin Jana Schmidt hat nun zwei Bereiche, die sie permanent beobachten muss: zum einen die Schüler direkt vor ihr und zum anderen das kleine Fenster oben rechts auf dem Smartboard. Denn dort läuft der Schüler gerade durch die Wohnung und sucht sein Arbeitsblatt. Zurück vor der Kamera, muss er noch einmal den Raum wechseln, ehe er sich auf den Unterricht konzentrieren kann. Da sind seine Mitschüler schon mitten dabei, ihre heutigen Lernziele zu definieren. Normalerweise wäre jetzt das sogenannte Förderband dran, das heißt Deutsch- und Mathematikunterricht in Leistungsgruppen. „Das haben wir bis auf Weiteres ausgesetzt, um eine mögliche Ansteckungsgefahr zu minimieren, da bei dieser Lernmethode die Klassen durcheinander gewürfelt werden“, erklärt Lehrer Daniel Riedel. Denn weitere Hygieneregeln sind neben Abstandhalten und Händewaschen auch Pausen sowie Mahlzeiten im Klassenverband. Immer und immer wieder weisen die Lehrer ihre Schüler darauf hin, es wurden extra Piktogramme entwickelt, damit alle die Chance haben, die Regeln zu verstehen. „Wir nutzen die Bilder auch, um die Eltern zu informieren, gerade wenn sie keine Muttersprachler sind“, so Daniel Riedel weiter.

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„Es gibt keine Pflicht“

Die Eltern sind es auch, die entscheiden, ob ihr Kind in den Präsenzunterricht geht, sich per Rechner oder Pad zuschaltet oder gar nicht teilnimmt. „Es gibt keine Pflicht“, wird betont. In manchen Familien stehen für die Kinder gar keine Endgeräte oder Drucker zur Verfügung. Entweder die Eltern brauchen sie selber oder es fehlen finanzielle Mittel. Das Angebot von Leihgeräten wurde von der Schule abgelehnt, weil die Kinder besondere Apps und Programme benötigen, um von dem digital ausgelegten Unterricht zu profitieren. Daher verschicken die Lehrer auf Wunsch auch Arbeitsblätter, die die Schüler dann zu Hause bearbeiten können, wenn sie denn wollen und können.

Ergo- und Physiotherapie sowie die Logopädie fallen in der Schule derzeit auch weg. Das ist für Kinder mit großem Förderbedarf sehr einschneidend. Sie müssten jetzt in die Praxen gehen. „Auch manche Teilhabe-Assistenten können derzeit weder in der Schule noch zu Hause unterstützen“, erklärt Daniel Riedel und fügt hinzu: „Sie wiederholen viele Übungen aus den Therapien, was den Schülern sehr zugute kommt. Das fällt jetzt alles weg.“ Deswegen sind für ihn und seine Kollegen Rückschritte bei den Kindern nicht ausgeschlossen. Unterricht direkt bei den Schülern zu Hause wäre laut Kultusministerium zwar möglich, aber auch hier scheitere es an den Rahmenbedingungen und manchmal eben am Willen der Familien.

Von Katja Peters

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