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Marburg Leitfaden soll Hilfestellung im Schulbetrieb sein
Marburg Leitfaden soll Hilfestellung im Schulbetrieb sein
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09:00 02.09.2020
Schüler tragen im Unterricht einen Mundschutz. Quelle: Sven Hoppe/dpa
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Marburg

Zweieinhalb Wochen ist das neue Schuljahr erst alt und wohl nie zuvor gab es dermaßen viele Diskussionen um den Schulalltag. Die Corona-Fallzahlen steigen, kritische Blicke bleiben dabei auf die Schulen gerichtet. Wie lange geht das mit dem Regelbetrieb noch gut? Eine komplette Schulschließung soll auch bei Infektionsfällen nicht die erste Antwort sein. Wenn es nicht anders geht, sollen zunächst Klassen, dann Jahrgangsstufen isoliert werden, damit für andere der Schulalltag nicht gefährdet wird. In Gießen befindet sich derzeit der gesamte Jahrgang 12 der Ostschule in Quarantäne. Was heißt das genau? Haben Schüler, die Angst haben müssen, das Virus zu bekommen, den Kopf frei für Homeschooling? Gegenfrage: Wie soll der Schulstoff von 14 Tagen mal so eben wieder aufgeholt werden? So eine Situation kann überall entstehen, also auch in unserem Kreis.

Dabei muss noch nicht einmal die Schule selbst der Ort der Ansteckung gewesen sein. Wie ein Beispiel aus einem anderen Nachbarkreis zeigt: Seit Montag darf eine Reihe von Schülerinnen und Schülern das Gymnasium Edertalschule in Frankenberg, an dem auch zahlreiche Schüler aus dem Landkreis beschult werden, temporär nicht besuchen. Der Grund ist außerhalb der Schule zu suchen, teilt die Schulleitung in ihren News auf der Homepage mit. So hatte am zurückliegenden Samstag eine Fußballmannschaft, bei der acht Schüler der Schule mitspielten, wohl nur kurzen Kontakt zu einem infizierten Spieler in der gegnerischen Mannschaft.

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In anderen Fällen hatten Familienangehörige von Schülern Kontakt zu Infizierten. Die betroffenen Schülerinnen und Schüler müssen vorsorglich bis zu 14 Tage zu Hause bleiben. Die Geschwister der Schüler, die beim Fußball einen Kontakt hatten, dürfen in die Schule kommen, sollen aber bis auf Weiteres auf dem gesamten Schulgelände und im Unterricht einen medizinischen Mund- und Nasenschutz tragen. Nachgewiesene Infektionen oder eine vom Gesundheitsamt angeordnete „echte Quarantäne“ gibt es in der Schülerschaft bislang nicht.

Keine Masken im Unterricht

Über die Lage an den Schulen sprach am Dienstag (2. September) Kultusminister Alexander Lorz (CDU) im hessischen Landtag – der Minister sprach sich dabei weiterhin gegen eine Maskenpflicht für Schüler im Unterricht aus, alle Corona-Maßnahmen müssten verhältnismäßig bleiben. Bei allen Entscheidungen habe jedoch das Wohlergehen der Schüler und Lehrer immer oberste Priorität. Die Verantwortlichen seien in der Lage, alle Maßnahmen jederzeit in die eine oder andere Richtung anzupassen.

Die Einschätzung der lokalen Gesundheitsämter sei in Absprache mit den kommunalen Entscheidungsträgern ausschlaggebend dafür, ob es eine Verschärfung der derzeitigen Corona-Regeln in den Schulen gibt. Die Gesundheitsbehörden vor Ort könnten zwar in Abhängigkeit von der Entwicklung der Corona-Fallzahlen das Tragen einer Maske auch im Unterricht zeitweise anordnen. Auf eine grundsätzliche Maskenpflicht im Unterricht wolle er jedoch aus pädagogischen und Gründen der sozialen Interaktion verzichten, betonte Lorz.

Er verwies nochmals auf den Leitfaden für die Schulen, der in Absprache mit der Kultusministerkonferenz vier Stufen je nach Infektionsgeschehen vorsieht. Die erste Stufe sei der angepasste Regelbetrieb, mit dem das Schuljahr begonnen worden sei. In der zweiten Stufe, dem eingeschränkten Regelbetrieb, gelten strengere Anforderungen an die Maskenpflicht, das Abstandsgebot und die Zusammensetzung der Lerngruppen. In der dritten Stufe greife ein Wechselmodell mit einer Kombination von Präsenz- und Distanzunterricht in geteilten Lerngruppen. Stufe vier sehe einen Verzicht auf Präsenzunterricht und schulbezogene oder regionale Schulschließungen vor.

Schulbetrieb in vier Stufen

Dem Verzicht auf Masken im Unterricht kann auch Burkhard Schuldt, Leiter des Schulamts Marburg-Biedenkopf, nur zustimmen: das sei allein aus pädagogischen Aspekten sinnvoll, „wir wollen so viel Normalität wie möglich“. Es gelte zwar stets abzuwägen, aber „es ist verantwortbar, wie wir das machen, und die Zahlen geben uns recht“. Dennoch könne man immer flexibel auf veränderte Bedingungen reagieren, das Schulamt stehe dazu im steten Austausch mit dem Gesundheitsamt, „wenn es ein verändertes Infektionsgeschehen gibt, werden wir regional reagieren“. Eben da komme der Leitfaden des Landes ins Spiel, durch den die nötige Flexibilität, aber auch eine entsprechender Handlungshilfe gewährleistet sei. Sollte es an einer Schule zu Corona-Fällen kommen, könne die Warnstufe angepasst werden und zwar je nach Lage vor Ort.

Für Stufe zwei müsste etwa mehr Platz für die dann wieder festen Lerngruppen gefunden werden – sollte das nicht möglich sein, dann greife direkt Stufe drei und man greife auf einen Mix aus Präsenz- und Heim-Unterricht zurück. „Wir haben nun einen einheitlichen Stufenplan und können schnell reagieren und so das Risiko senken“, ist Schuldt überzeugt.

Mehr zum Thema

Am Donnerstag (3. September) findet ab 19.30 Uhr der OP-Talk „Schule und Corona: Die große Herausforderung“ statt. Das Expertengespräch ist per Livestream auf dem Facebook-Kanal der Oberhessischen Presse und auf der OP-Webseite zu sehen.

von Götz Schaub, Ina Tannert und unserer Agentur