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Marburg Landkreis kommt noch ohne Bundeswehr-Hilfe aus
Marburg Landkreis kommt noch ohne Bundeswehr-Hilfe aus
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18:14 25.10.2020
Im Gesundheitsamt Hamburg-Elmsbüttel helfen Bundeswehr-Soldaten bei der Kontaktverfolgung von Corona-Infizierten. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf ist das noch nicht der Fall, wird aber in Erwägung gezogen. Quelle: Markus Scholz/dpa
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Marburg

Über 300 aktive Corona-Fälle und mehr als 2000 in Quarantäne lebende Menschen gibt es aktuell im Landkreis Marburg-Biedenkopf. In der Pandemie waren bisher elf Schulklassen in Quarantäne, aktuell sind es zwei. Entsprechende Zahlen hat das Gesundheitsamt auf OP-Anfrage herausgegeben. Die OP hat der Kreisverwaltung Fragen zur aktuellen Corona-Situation gestellt. Antworten auf die wichtigsten Fragen zur Pandemie:

Maskenpflicht gilt nun im Schulunterricht ab Klasse 5 – doch wie viele Positiv-Fälle hat es bisher an Schulen gegeben?

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Laut Gesundheitsamt seien Lehrer bis jetzt nur „in Einzelfällen betroffen“ gewesen. Überwiegend habe es pro betroffener Schulklasse einen positiv getesteten Schüler gegeben. Bis auf einen Ansteckungsfall habe es die Infektionen im privaten Bereich und nicht in der Schule gegeben.

Wie genau werden Menschen in Quarantäne betreut – und wie viele sind es aktuell?

Mehr als 2 000 Menschen leben derzeit in Quarantäne. In einem telefonischen Erstkontakt mit mündlicher Quarantäneanordnung wird der weitere Ablauf besprochen. Danach erfolgen regelmäßige telefonische Kontakte und ein endgültiges Festlegen des Endes der Quarantäne durch das Amt, abhängig vom Verlauf.

Spielplatz am Haus nutzen, Pizza bestellen, Müll rausbringen: Was ist Menschen, die in Quarantäne sind, erlaubt?

Dem örtlichen Gesundheitsamt obliegt es laut Pandemie-Gesetz, je nach Fall genau festzulegen, welche Regeln der Einzelne zu beachten hat. Grundsätzlich muss jeder zwei Wochen lang in Wohnung oder Haus bleiben, darf weder spazieren gehen, noch mit Haustieren Gassi gehen oder selbst Lebensmittel einkaufen. Essenslieferungen dürfen wenn nur kontaktlos – nach vorheriger Online-Bezahlung – geschehen. Auch den Garten zu betreten oder Müll in die Tonnen vor die Türe zu bringen ist meist nur in Ausnahmefällen gestattet, etwa wenn diese direkt an die Immobilie angrenzen oder Menschenkontakt fast ausgeschlossen ist; etwa nachts.

Landkreis fürchtet „Stigmatisierung“

Wie lange dauert die Kontakt-Rückverfolgung normalerweise?

Die Personen-Nachverfolgung kann derzeit in einem Zeitfenster zwischen einem und drei Tagen gewährleistet werden. Mehr als 45 Mitarbeiter sind im Gesundheitsamt mit den Themen Fallermittlung, Kontaktpersonen-Ermittlung, Datenerhebung und Datenübertragung beschäftigt. Der Erste Kreisbeigeordnete Marian Zachow (CDU) sagte im OP-Interview, dass man das Procedere bald dank weiteren Personals noch schneller hinkriegen werde.

Ist angesichts der steigenden Inzidenz die Bundeswehr zur Unterstützung vor Ort?

Nein, sie ist noch nicht eingesetzt. Der Einsatz werde „aber grundsätzlich in Erwägung gezogen, wenn es erforderlich werden sollte“. Man greife im Moment noch auf den Personal-Pool aus geschulten Verwaltungsmitarbeiten zurück. Vorteil: Diese sind schon geschult oder können schnell geschult werden. Der Einsatz der Bundeswehr könnte bei Bedarf eben in der Kontaktnachverfolgung erfolgen.

Ist – entgegen der bisherigen Praxis – angesichts der steigenden Fallzahlen eine Aufschlüsselung der Fallzahlen pro Gemeinde geplant, wie andere hessische Landkreise das tun?

Nein. Das werde aber „regelmäßig neu geprüft“. Man verfolge weiterhin die Linie, dass die Bekanntgabe der Zahlen getrennt nach Kommunen „keinen nachhaltigen Informationswert hat“, zumal sich die Zahlen sehr dynamisch ändern könnten. Die Information hätte „zudem keinerlei Wert, wenn ein Betroffener zwar in einer Kommune wohnt, wegen der Infektion aber gerade stationär im Krankenhaus behandelt wird – also gar nicht in der Kommune anwesend ist“. Zum anderen sehe man „die Gefahr, dass sich Einzelne bei vermeintlich niedrigen Fallzahlen in einer Kommune in einer trügerischen Sicherheit wähnen und die gerade jetzt dringlich gebotenen Hygiene- und Verhaltensregeln vernachlässigen“.

Was man sagen könne: Die Infektionen seien über den gesamten Landkreis verteilt. Das Risiko, sich anzustecken, bestehe grundsätzlich überall. Zudem wisse man, dass es „in unseren und anderen Landkreisen auf der Basis solcher Zahlen zu Vorverurteilungen und Stigmatisierung einzelner und ganzer Gruppen von Menschen gekommen ist“. Das wolle man verhindern. Die Landkreis-Bewohner könnten sich sicher sein: Corona-Positive befänden sich in häuslicher Isolierung, ermittelte Kontaktpersonen in Quarantäne.

Von Björn Wisker

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