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Marburg Corona-Kritiker sehen Grundrechte in Gefahr
Marburg Corona-Kritiker sehen Grundrechte in Gefahr
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21:30 18.10.2020
Am Samstag protestierten rund 50 Menschen in Marburg gegen die Corona-Auflagen. Bei der als „Trauermarsch" angekündigten Demo trugen sie das Grundgesetz symbolisch zu Grabe. Quelle: Foto: Ina Tannert
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Marburg

Knapp 50 in Schwarz gekleidete Teilnehmer zogen am Samstag vom Hauptbahnhof aus durch Marburg und protestierten gegen die ihrer Meinung nach ungerechtfertigten Einschränkungen ihrer Grundrechte. Angekündigt war die von der Gruppierung „Weiterdenken Marburg“ organisierte Demo als „Trauermarsch“, auch der Aufruf war wie eine Traueranzeige gestaltet, als „Verstorbener“ wurde das Grundgesetz symbolisch zu Grabe getragen.

Die Gruppe fordert die Aufhebung aller Corona-Maßnahmen. Ihr Vorwurf: Die Regierung nutze das Virus, um die Bevölkerung zu unterdrücken, die Grundrechte, die ganze Demokratie abzuschaffen. Dieser „zum Gedenken“ trugen die Teilnehmer dann auch einen Sarg durch die Straßen, wanderten von der Polizei begleitet durch die Bahnhofstraße, Elisabethstraße und Deutschhausstraße bis zur Weidenhäuser Brücke und zum Elisabeth-Blochmann-Platz, wo sie ihre Grundrechte „beerdigten“.

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Um ihrem Protest öffentlich Ausdruck zu verleihen, nutzten die Teilnehmer eines davon, die Versammlungsfreiheit – Demonstrationen sind unter Auflagen auch während der Pandemie erlaubt –, sehen ihr Freiheitsgrundrecht aber in Gefahr. „Unsere Rechte werden ohne Grundlage eingeschränkt“, sagte Organisatorin Irmgard Bergmann. Gemeint ist etwa die Meinungsfreiheit oder die Menschenwürde. So würden aus sozialen Netzwerken regelmäßig Posts zum Corona-Thema gelöscht, alternative Meinungen oder Studien gezielt unterdrückt.

Ein weiterer Kritikpunkt: Alte und kranke Menschen würden durch Corona-Kontaktbeschränkungen zu Unrecht isoliert, „sie sterben alleine“, abgeschottet von Familien. Schilder mit Aufdrucken unter den Teilnehmern, wie „R.I.P. Oma und Opa“, wiesen darauf hin. Medizinische Gründe, Infektionsschutzmaßnahmen, um etwa Risikogruppen wie Senioren vor einer Ansteckung zu schützen, eine ungehemmte Ausbreitung zu verhindern, sieht die Gruppierung als nicht gerechtfertigt an.

Sie betrachtet die Auflagen als „wissenschaftlich und rechtlich auf Verordnungswege weitgehend unbegründete Grundrechtseinschränkungen“. Der Lockdown im Frühling, Maskenpflicht, Alkoholverbot – alle Vorgaben beruhten auf steigenden Ansteckungszahlen, „aber die Krankenhäuser sind leer – noch nicht einmal 10 000 sind seit März gestorben, bei der Grippewelle 2017/18 waren es 25 000“, sagt Bergmann. Die Annahme, dass Corona ansteckender als Influenca sei, glaube sie nicht, „das ist nicht bewiesen“.

Die Würde spielte auch bei der Maskenpflicht eine Rolle: Masken lehnt die Initiative ab, betrachte diese als „wirkungslos und zutiefst entwürdigend“ und zieht Parallelen zur Sklaverei: „Auch Sklaven mussten Masken tragen“, so Bergmann.

Das Ordnungsamt hatte die Demo unter Auflagen – Maskenpflicht und Mindestabstand – genehmigt, die meisten hielten sich daran, etwa eine Handvoll Teilnehmer verzichtete auf Masken.

Von Ina Tannert