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Marburg Schaustellerfamilie Ahlendorf hat keine Alternative
Marburg Schaustellerfamilie Ahlendorf hat keine Alternative
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14:00 28.03.2020
Der Schaustellerbetrieb Ahlendorf musste alle Veranstaltungen wegen der Corona-Krise absagen. Quelle: Foto: Katja Peters
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Marburg

Vor drei Wochen war Toni Ahlendorf noch unbeschwerter Karnevalsprinz, jetzt hat ihn die Realität eingeholt. Auf dem Betriebshof des Schaustellerbetriebes Ahlendorf & Söhne steht alles voll – LKW, Zeltplanen, Gestelle, Zeltfußböden, Getränkewagen. „Normalerweise ist jetzt die Zeit, wo unser Geschäft nach der Winterpause richtig los geht“, sagt der Geschäftsführer. Und sein Vater, Firmengründer Adi Ahlendorf, ergänzt: „Wir sind von hundert Prozent auf Null. Das ist schon ein krasser Einschnitt.“ Durch die Corona-Pandemie und die Anordnungen der Bundesregierung sind Groß- und Kleinveranstaltungen derzeit verboten, dem Betrieb alle Aufträge weg gebrochen.

Im Familienurlaub hatte sie eine Absage nach der anderen erreicht. Bis Mai wurden alle Aufträge storniert. Marburger Frühling, Ramadanfest, Konfirmationen, Kommunionen, nichts darf mehr stattfinden. „Wir hatten schon Zelte aufgebaut, mussten diese wieder abbauen“, berichtet Adi Ahlendorf, der noch hinzufügt: „Normalerweise sind wir jetzt schon immer gut ausgebucht.“ Er hat viele E-Mails bekommen, wohl über tausend Nachrichten sind ihm auf sein Handy geschickt worden. Er ist gut vernetzt und lange Jahre im Geschäft. Andere Schausteller melden sich bei ihm, fragen um Rat. Helfen kann er nicht wirklich, aber Adi Ahlendorf hat immer ein offenes Ohr.

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Gesamtkosten reduzieren

„Wir entlassen niemanden“, betont er. Neben den Familienangehörigen hat er zwei Festangestellte und etwa 80 Saisonkräfte, die bei ihm im Nebenjob arbeiten. Letztere müssen derzeit auf die zusätzliche Einnahmequelle verzichten. „Wir versuchen die Gesamtkosten runterzufahren, sind mit Krankenkasse, Finanzamt und Versicherungen in Kontakt. Vielleicht sind Beitragssenkungen in Absprache möglich“, hofft der Firmengründer. Dem Magistrat hat er wegen der Corona-Pandemie angeboten, Zelte und Autos kostenfrei nutzen zu können. „Lediglich für den Aufbau müsste gezahlt werden, eine Miete würde wir nicht berechnen. Wir wollen am Leid anderer kein Geld verdienen“, sagt Adi Ahlendorf aus voller Überzeugung. Dabei hat er im vergangenen Jahr gerade große Investitionen getätigt, Kredite aufgenommen, die abgezahlt werden müssen.

Noch gibt er sich optimistisch, der Schaustellerbetrieb sei gut aufgestellt. „Wir haben nur 100 Tage im Jahr an denen wir „als Schausteller Geld verdienen können. Durch die Zeltvermietung haben wir uns ein zweites Standbein geschaffen, das uns aber im Moment auch nicht hilft. Wenn der Juni auch noch ausfällt, dann wird es auch für uns kritisch“, hat Adi Ahlendorf ausgerechnet.

Von Katja Peters

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