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Marburg UKGM: Kommt der Bonus für Pflegekräfte?
Marburg UKGM: Kommt der Bonus für Pflegekräfte?
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18:56 14.04.2020
Eine Krankenpflegerin reicht einem Patienten in einem Klinikum ein Glas Wasser. Quelle: Daniel Karmann/dpa
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Marburg

Sie sind „Corona-Helden“: Kräfte, die in Krankenhäusern ebenso wie in Altenheimen und andernorts den „Laden am Laufen“ halten. Und diese Leistung soll belohnt werden: So hat etwa Bayerns Ministerpräsident Markus Söder bereits angekündigt, allen Pflegekräften in Bayern eine steuerfreie Bonuszahlung in Höhe von 500 Euro zukommen zu lassen.

Noch weiter geht die Vereinbarung zwischen der Gewerkschaft Verdi und dem Bundesverband der Arbeitgeber in der Pflegebranche (BVAP): Wegen der Zusatzbelastungen in der Corona-Krise sollen Vollzeitbeschäftigte in der Altenpflege mit dem Juli-Gehalt eine Prämie von 1.500 Euro bekommen.

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Für Azubis ist eine Extra-Zahlung von 900 Euro geplant. Teilzeitbeschäftigte sollen eine Prämie entsprechend ihrer tatsächlich geleisteten Stunden erhalten.

Arbeitsminister: Prämie wäre steuerfrei

Der BVAP vertritt nach eigenen Angaben mehrere hundert Unternehmen und Verbände, die als Pflegeanbieter auftreten, wie den Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), die Arbeiterwohlfahrt (Awo), die Volkssolidarität und den Paritätischen Gesamtverband. Man werde beantragen, dass der Tarifvertrag für die Mitarbeiter dort für allgemeinverbindlich für die ganze Branche erklärt wird, sodass alle Arbeitgeber in der Pflege diese Prämie zahlen müssten, sagte Sylvia Bühler vom Verdi-Bundesvorstand.

Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) rief andere Arbeitgeber in der Pflege auf, dem Beispiel zu folgen. „Dies sollte Vorbild für alle Arbeitgeber in der Pflegebranche sein, damit die Leistung aller Pflegenden eine gerechte Wertschätzung erhält“, sagte Heil. „Der Einsatz der Pflegekräfte verdient unsere größte Anerkennung, gerade in diesen Zeiten“. Die Prämie sei steuer- und sozialabgabenfrei.

Gewerkschafter erwartet „Signalfunktion“

Als größter Gesundheits-Arbeitgeber in der Region hat die OP beim Uni-Klinikum nachgefragt: Plant auch das UKGM eine solche Bonuszahlung – oder eine andere Form der Wertschätzung für die Pflegekräfte? Das UKGM teilte jedoch mit, es gebe zu diesem Thema „derzeit kein Statement“.

Fabian Dzewas-Rehm, Gewerkschaftssekretär von Verdi, findet dies „sehr schade, denn ein so großer Arbeitgeber wie das Uni-Klinikum hätte natürlich eine Signalfunktion“. Verdi macht sich unter anderem in einem Flugblatt dafür stark, dass die 1.500 Euro Bonus flächendeckend an alle Beschäftigten in den Krankenhäusern,der stationären und ambulanten Altenpflege, im Rettungsdienst, im Sozial- und Erziehungsdienst sowie in der Behindertenhilfe gezahlt werden – denn alle seien derzeit nach Kräften und oft auch über ihre Kräfte hinaus tätig und alle seien systemrelevant.

Dzewas-Rehm: Die Politik ist gefordert

Entsprechend verdeutlicht Fabian Dzewas-Rehm auf Anfrage der OP, dass man diese bundesweite Verdi-Forderung auch dem UKGM mitgeteilt habe, „mit dem Hinweis, dass das auch sie betreffe und dass wir erwarten, dass sie sich dem anschließen“.

Auch die Politik habe man bereits einbezogen. Denn: „Das UKGM könnte den Bonus vielleicht noch so bezahlen. Aber andere Arbeitgeber und kleine Häuser hätten damit vielleicht ein Problem – da ist also die Politik gefordert“, so Dzewas-Rehm.

Es geht nicht nur um die Krankenhäuser

Es gehe nämlich nicht darum, dass nur Beschäftigte des Uni-Klinikums den Bonus bekämen. „Das UKGM ist zwar Schwerpunktklinikum und hat koordinierende Aufgaben in der Corona-Krise. Aber es geht genauso um Beschäftigte etwa in Frauenhäusern oder dem Rettungsdienst, die mit den Folgen der Krise konfrontiert sind.“

Das Bundesarbeitsministerium kann einen Tarifvertrag im Einvernehmen mit Vertretern der Spitzenorganisationen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern für allgemeinverbindlich erklären. Sollte das Vorhaben erfolgreich sein, könnten nach Angaben eines Verdi-Sprechers von der Prämie mehr als eine halbe Million Beschäftigte in der Pflege profitieren.

Von Andreas Schmidt

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