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Marburg Kinderärzte äußern sich zurückhaltend
Marburg Kinderärzte äußern sich zurückhaltend
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08:00 07.06.2021
Ab Montag (7. Juni) könnten auch Kinder ab dem Alter von 12 Jahren geimpft werden.
Ab Montag (7. Juni) könnten auch Kinder ab dem Alter von 12 Jahren geimpft werden. Quelle: Arne Dedert
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Marburg

Mit dem Wegfall der Priorisierung an diesem Montag (7. Juni) können sich auch Kinder ab einem Alter von zwölf Jahren um einen Impftermin bemühen.

Er gebe in seiner Praxis auch schon Listen, erklärt Dr. Stephan Heinrich Nolte, doch die Neigung unter den Kinderärzten im Landkreis, alle jungen Patienten zu impfen, scheint nach OP-Recherchen gering zu sein. Allenfalls Kindern mit gravierenden Vorerkrankungen, wie zum Beispiel Asthmatiker, werde sie eine Corona-Impfung empfehlen, sagt Dr. Doris Sasse.

Sowohl Nolte als auch Sasse gehen davon aus, dass ihre Kollegen wie sie auf eine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) warten.

Die will sich damit aber noch Zeit lassen, weil aus Sicht der Kommissionsmitglieder die vorliegenden Daten über Nebenwirkungen bei Kindern noch zu gering sind. Angedeutet wurde bisher nur die Möglichkeit einer Impfung für Kinder mit schwerwiegenden Vorerkrankungen.

Während die Eltern laut Nolte förmlich nach Impfungen schreien würden und die Politiker mit dem Ziel der Impfung aller Schüler bis zum Sommer „einen wahnsinnigen Druck aufbauen“, gebe es noch weitere Hürden. So sei nicht vorgesehen, dass die Länder vom Bund und somit die niedergelassenen Ärzte zusätzliche Impfdosen für Kinder und Jugendliche erhalten. Und bisher ist auch nur der Biontech-Impfstoff für Kinder zugelassen. Was erlaubt ist, sei aber noch lange nicht von der Stiko empfohlen, betont Nolte.

Dass genügend Impfstoff vorhanden sein wird, sei zudem illusorisch, meint der Kinderarzt und glaubt, dass die Polarisierung noch zunehmen wird, zum Beispiel, wenn in einer Klasse die Hälfte der Schüler mit und die andere Hälfte ohne Maske anwesend sein darf.

Dabei, so sein Credo, seien Kinder nicht die Gefährdetsten in dieser Pandemie, aber die am meisten Betroffenen. Nolte warnte in der OP schon vor mitunter dramatischen Folgen der Corona-Politik für Kinder und Jugendliche.

Von Gianfranco Fain