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Marburg Hoffnung im Kampf gegen das Virus
Marburg Hoffnung im Kampf gegen das Virus
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09:27 21.03.2020
Testsets mit Abstrichstäbchen liegen in einem Testzentrum für Corona-Verdachtsfälle. Quelle: Foto: Jens Büttner/dpa
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Marburg

Unterdessen gibt es neue Hoffnung im Kampf gegen das Corona-Virus: In seinem Podcast bei NDR berichtet Top-Virologe Christian Drosten davon, dass Menschen, die die Covid-Krankheit überstanden haben, Antikörper gegen das Virus ausbilden. Drosten bezog sich auf eine Studie bei Affen.

Ähnlich wie nach einer überstandenen Influenza sind Patienten nach ihrer Genesung damit immun gegen Covid-19. Wie lange dieser Immunschutz anhält, ist noch nicht erforscht.

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Die Marburger Allgemeinärztin Dr. Ulrike Kretschmann hält diese Erkenntnis für bahnbrechend. „Das ist eine unfassbare Dimension“, sagte sie am Freitag im Gespräch mit der OP.

Im Klartext heißt das nämlich, dass Menschen nach überstandener Covid-19-Krankheit nicht mehr fürchten müssten, andere anzustecken. Anders formuliert: Diese Menschen könnten im Gesundheitswesen, etwa in Arztpraxen oder Krankenhäusern, bedenkenlos für die Untersuchung, aber auch für die Pflege von Patienten eingesetzt werden.

Berliner Charité gab grünes Licht

Allerdings braucht es noch klinische Studien, um zu beweisen, dass Menschen genauso reagieren wie Affen. Drosten ist da aber zuversichtlich: „Rhesusaffen sind so nah mit dem Menschen verwandt, dass man da bei Krankheiten immer daran denken kann, dass eigentlich das Krankheitsbild sehr ähnlich laufen muss und dass die Immunität auch große Ähnlichkeit hat“, erklärte Drosten, der die Studie somit für relevant hält.

In der Praxis von Dr. Kretschmann arbeitet eine Kollegin, die eine Erkrankung der Atemwege hinter sich hat. Wenn man nun nachweisen könnte, dass diese Erkrankung Covid-19 gewesen ist und die Ärztin entsprechend Antikörper gebildet hat, wäre das etwa für den Corona-Test an Patienten bahnbrechend, meint Dr. Kretschmann. Für die Arbeit am Patienten, die möglicherweise an Covid-19 erkrankt sind, wäre es sehr wichtig und spannend, feststellen zu können, ob sie über neutralisierende Antikörper gegen die Erkrankung verfügt.

Die Marburger Ärztin hat deswegen bei zwei Universitätskliniken und bei der Berliner Charité nachgefragt, ab Antikörpertests möglich sind. Bei der Charité erhielt sie positiven Bescheid: Sie darf Blutseren von sich und ihren Kollegen zur Analyse einschicken.

Und sie wird dies auch tun. Bei allen Fragen, die noch offen sind, sei ein Befund zumindest ein wichtiger Fingerzeig für die Frage, ob Immunität gegen Covid-19 gegeben ist.

Von Till Conrad

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