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Marburg Heike Ossanna bietet Hilfe für Schüler an
Marburg Heike Ossanna bietet Hilfe für Schüler an
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08:00 25.01.2021
Heike Ossanna vor dem Bild der Marburger Künstlerin Uli Krappen in ihrer Praxis.
Heike Ossanna vor dem Bild der Marburger Künstlerin Uli Krappen in ihrer Praxis. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Ihre Klienten sieht Heike Ossanna derzeit nur vor dem Bildschirm. Die Diplom-Pädagogin aus dem Südviertel hilft Schülern bei Lernproblemen. Aufgrund der Corona-Pandemie hat Ossanna ihr Angebot erweitert und bietet Hilfe bei Lernrückständen an, die durch das Homeschooling entstehen.

Aber nicht nur für die Schüler, die ihren Unterricht nicht mehr in Schulen verfolgen können, ist die Situation eine andere. „Es ist eine große Herausforderung, für die Kinder die Lerntherapie lebendig zu gestalten. Skype-Termine sind viel anstrengender als der Face-to-Face-Kontakt“, sagt die Beraterin.

Rituale durch eigene Erfahrungen

Immer mit dabei – ob beim persönlichen oder digitalen Gespräch – ist ein Stofftier namens „Günter“. Günter soll den inneren Schweinehund darstellen. Er sagt einem, dass noch Zeit ist zum Lernen – und dann steht die Arbeit vor der Tür. „Dadurch entsteht ein wahnsinniger Druck. Weil die Klienten denken, dass sie das nicht mehr schaffen. Dadurch wird die Blockade nur noch stärker“, erklärt die Beraterin. In den Gesprächen soll dann die eigene Horrorversion durch eine Zuversicht ersetzt werden.

Nicht nur Schüler brauchen Hilfe während der Corona-Pandemie – auch Erwachsene. „Erwachsene müssen die aktuelle Lage als eine vorübergehende Situation akzeptieren. Dann sehen sie auch ein Licht am Ende des Tunnels. Mit einem positiven Mindset kann ich mich mithilfe der Kraft meiner Gedanken besser fühlen“, sagt Ossanna.

Diese Hoffnung können auch Coaching-Karten geben. Diese werden den Klienten gegeben oder – aktuell – geschickt. Auf den Karten stehen Sprüche wie: „Ich darf jemanden um Hilfe bitten.“ Diese Karten nutzt die Diplom-Pädagogin als Input für die nächste Sitzung. Genauso wie Bilder und Gegenstände, die in der Praxis zu finden sind. Darunter ist ein Bild der Marburger Künstlerin Uli Krappen, auf dem sich jeweils links und rechts ein Junge und ein Mädchen an ein Tier anschmiegen. „Der Mensch braucht eine gewisse Geborgenheit und Kinder müssen sich anlehnen können“, merkt Ossanna mit Blick auf das Kunstwerk an.

Um den Kindern diese Geborgenheit zu geben, empfiehlt die Lerntherapeutin ihren Klienten auch Rituale, die sie selbst bei ihren Kindern David und Eva angewandt hat. „Die Einführung von ‚Gute Nachricht und schlechte Nachricht‘ soll dazu führen, dass alle Familienmitglieder voneinander mitkriegen, was diese tagesaktuell bewegt“, erklärt Ossanna. Der Punkt ist dabei, dass es in der Familie erzählt, aber nicht bewertet wird.

Nicht nur Schüler und deren Familien wenden sich an die Beraterin, sondern auch Studenten sowie die „Best-Ager“, also Personen über 50 Jahren. „Meine Erfahrung ist, die meisten Themen bewegen Menschen aller Altersgruppen und Frauen genauso wie Männer. Frauen schauen erfahrungsgemäß oft frühzeitiger hin, wenn irgendwas in ihrem Leben nicht rund läuft. Sie sind dann oft mutiger und veränderungsbereiter“, sagt Ossanna.

Heike Ossanna in ihrer Praxis für Lerntherapie. Quelle: Thorsten Richter

Ein weiterer Aspekt in der Arbeit der Lerntherapeutin ist die Persönlichkeitsentwicklung bei ihren Klienten. „Mich interessiert es, wie Menschen – vor allem in schwierigen Lebenssituationen oder Grenzsituationen – ticken“, erklärt die Marburgerin. Auch im Hinblick auf die Themen Prüfungsangst, Hausaufgabenschwierigkeiten und Auseinandersetzungen mit den Eltern. „Ich sehe den Menschen. Ich nehme ihn wahr und erkenne seine Schätze und seine Defizite. Und beides zusammen macht ihn aus“, erklärt die Marburgerin.

Das erkannte die Diplom-Pädagogin bereits früh in ihrem Leben – mithilfe ihrer Lieblingsblume. „An der Mohnblume hat mich fasziniert, dass sie sich zwar pflücken lässt, aber dann die schönen roten Blätter abwirft. Daran habe ich gemerkt, dass sie wohl doch nicht gepflückt werden wollte. Die Blume hat sozusagen Respekt verlangt“, sagt die Beraterin.

von Leonie Rink