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Marburg Ärzte testen nur noch an zentralen Orten
Marburg Ärzte testen nur noch an zentralen Orten
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15:32 11.03.2020
Eine Hinweistafel mit der Aufschrift "Corona Testzentrum" steht vor einem Bauzaun mit Sichtschutz. Dahinter hat die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) ein Abstrichzelt eingerichtet. In Hessen sind zehn solcher Testzentren eingerichtet worden. Quelle: Foto: Swen Pförtner/dpa
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Marburg

Der Landkreis Marburg-Biedenkopf informierte gestern Abend, dass bei einem weiteren Rückkehrer aus Südtirol das Coronavirus nachgewiesen wurde. Der 54-Jährige zeigt leichte Symptome und ist häuslich isoliert. „Kontaktpersonen hat das Gesundheitsamt identifiziert, sie befinden sich in häuslicher Quarantäne“, informierte Pressesprecher Stephan Schienbein und ergänzte noch: „Das Gesundheitsamt betreut sowohl den Patienten als auch die Kontaktpersonen.“

Quarantäne und Isolierung bedeuten, dass die Betroffenen tatsächlich im privaten Bereich bleiben müssen, um, auch zufällige, Begegnungen mit anderen Menschen zu verhindern. Spaziergänge – mit oder ohne Hund – oder auch Einkäufe müssen die Betroffenen anders organisieren. Das Gesundheitsamt empfiehlt Freunde, Bekannte, Nachbarn oder Verwandte um Hilfe zu bitten. „Sollte dies nicht möglich sein, wird das Gesundheitsamt bei der Suche nach einer Lösung unterstützen“, so Schienbein auf OP-Anfrage.

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Nur Verdachtsfälle werden getestet

Am vergangenen Freitag hatten Sozialministerium und Ärztevertreter angekündigt, dass es für Corona-Verdachtsfälle ab dieser Woche zentrale Testeinrichtungen geben solle. Seit Dienstag gibt es landesweit zehn dieser Testzentren, wie die Kassenärztliche Vereinigung (KV) in Frankfurt gestern auf Nachfrage der OP mitteilte. Sie seien so platziert, dass sie von Menschen aus allen Regionen gut zu erreichen seien, erklärte Sprecher Andreas Kowalski. Ob es im Kreis Marburg-Biedenkopf eine solche Testeinrichtung gibt, wollte die KV nicht bestätigen. Die Standorte werden bewusst nicht mitgeteilt. „Würden die Standorte öffentlich kommuniziert, würden sich mit großer Wahrscheinlichkeit lange Schlangen inklusive solcher Patienten bilden, die eigentlich nicht auf das Virus getestet werden müssen“, so Kowalski zur Begründung für die Geheimhaltung.

Getestet werden solche Patienten, bei denen ein begründeter Verdacht auf eine Corona-Infektion besteht, also Menschen, die sich in Risiko-Gebieten aufgehalten haben oder möglicherweise Kontakt mit Infizierten hatten. Wer getestet wird, entscheiden die Hausärzte, das Gesundheitsamt oder nach erster Einschätzung telefonische Mitarbeiter der zentralen Rufnummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes 116 117.

Hausärzte schicken Verdachtsfälle zu Testzentren

Nach wie vor gilt, dass Patienten, die für sich den Verdacht hegen, infiziert zu sein, sich vorher telefonisch bei Hausärzten oder Gesundheitsbehörden anmelden müssen. So wird das Ansteckungsrisiko reduziert. In aller Regel nehmen Hausärzte keine Tests mehr in eigener Regie vor. Bei einem begründeten Verdacht schicken sie die Patienten in das nächstgelegene „Testcenter“.

Auf diese Weise sollen die Hausarztpraxen entlastet werden. Zugleich verringert sich der Verbrauch an Schutzausrüstung wie Einwegkittel und Atemschutzmasken.

In der Pressemitteilung vom vergangenen Freitag hatten die Beteiligten einschließlich der Kassenärztlichen Vereinigung die Ärztlichen Bereitschaftsdienstzentralen als Standorte ins Gespräch gebracht. Der Ärztliche Bereitschaftsdienst im Kreis ist in Räumen der Uniklinik Marburg angesiedelt. UKGM-Sprecher Frank Steibli verwies gestern für Fragen an die KV und wollte sich zu dem Thema nicht äußern.

Die Arbeit in den Testzentren übernehmen niedergelassene Ärzte, die sich auf Nachfrage der Kassenärztlichen Vereinigung zu diesen Zusatzdiensten bereiterklärt haben.

Sollte sich die Lage weiter zuspitzen greift der Pandemieplan. „Ziel eines Pandemieplanes und der damit verbundenen Maßnahmen ist es, die Ausbreitung einzudämmen. Denn je langsamer sich das Virus verbreitet, desto mehr Zeit bleibt, um Schutzmaßnahmen für besonders gefährdete Gruppen vorzubereiten oder auch Behandlungskapazitäten in Kliniken zu erhöhen“, erklärt der Pressesprecher.

Pandemiepläne sind immer Bestandteil des Infektionsschutzes. In Hessen ist der Pandemieplan des Landes leitend. Dieser regelt verbindlich Strukturen, Abläufe und Verantwortlichkeiten sowie Maßnahmen für den Fall, dass ein Erreger sich von Mensch zu Mensch anhaltend überträgt und damit viele Menschen betrifft. Er regelt ferner Aspekte wie Überwachung, Monitoring von Erkrankungs- oder Verdachtsfällen, Risiko- und Krisenkommunikation, Hygiene, Infektionskontrolle, Diagnostik und Krankenversorgung im ambulanten, stationären und häuslichen Bereich. Außerdem enthält der Plan Informationen zur Selbsthilfe für die Bevölkerung.

Allerdings betont Stephan Schienbein: „Eine Pandemie kann nur von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgestellt werden. Und das ist im Moment nicht der Fall.“

Das Gesundheitsamt des Landkreises Marburg-Biedenkopf hat eine Telefon-Hotline eingerichtet, unter der Informationen, zum Beispiel für Reiserückkehrer, erfragt werden können. Sie ist werktags in der Zeit von 9 bis 16 Uhr unter der Telefonnummer 0 64 21/4 05-44 44 erreichbar. Außerhalb dieser Zeiten können sich Betroffene an den Ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116 117 oder die Hotline des Hessischen Sozialministeriums unter 08 00 / 555 4 666 wenden.

Von Michael Rinde

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