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Marburg 1.500 Menschen im Kreis sind getestet
Marburg 1.500 Menschen im Kreis sind getestet
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10:48 22.05.2020
Im Corona-Testzentrum in Cappel herrschte noch Mitte März großer Andrang. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Die Lockerungen der Corona-Auflagen sorgen vielerorts für Erleichterung, zugleich rücken mit dem Wiederanstieg an sozialen Kontakten Themen wie Ansteckungs- und Infektionsrate noch stärker in den Fokus als sowieso schon. Menschen verschiedener Haushalte dürfen sich wieder vermehrt treffen, in Restaurants, Geschäfte gehen, drängen gerade bei frühlingshaftem Ausflugswetter in die Öffentlichkeit, wenn auch unter Auflagen.

Mehr Menschen, mehr Kontakte, mehr Ansteckungen? Ob die Coronazahlen nun deutlich wieder ansteigen, lässt sich angesichts einer angenommenen etwa zweiwöchigen Inkubationszeit kaum vorhersagen. Auch die vieldiskutierte Reproduktionszahl weist nicht ad hoc aus, wie sich die neuen Freiheiten auswirken. Diese liegt laut Robert-Koch-Institut (RKI) für Deutschland bei 0,91 (Stand: 19. Mai), womit ein Infizierter im Mittel weniger als eine Person ansteckt. Bundesweit liegt die Zunahme an Coronafällen auf einem niedrigen Niveau.

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Hessen zählt laut RKI im Gegensatz zu Bayern oder Baden-Württemberg weiterhin nicht als Region mit einer höheren Inzidenz-Zahl, bezogen auf die Corona-Fallzahl pro 100.000 Einwohner. Das ist die für die Politik entscheidende Zahl an Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen. Die liegt laut RKI mittlerweile in fast allen Kreisen und kreisfreien Städten unter 50.

1.500 Tests in Marburg

Neben weiteren Lockerungen der Infektionsschutz-Auflagen hat die Bundesregierung vergangene Woche zugleich eine Ausweitung auch der Coronatests beschlossen. Landesweit gibt es mittlerweile 15 Corona-Testzentren, welche die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen betreibt. Darunter auch das Marburger Testcenter, das seit rund zwei Monaten besteht. Seitdem wurden etwa 1.500 Coronatests durchgeführt, wie die KV auf OP-Nachfrage mitteilt. Wird nun die Testkapazität angepasst, werden vermehrt Tests durchgeführt, auch unter Beobachtung der Reproduktionszahl? Das kann die KV nicht sagen, möchte über den von tagesaktuellen Schwankungen betroffenen Wert lieber „nicht spekulieren“.

Wer und wann wird eigentlich getestet? Ein Coronatest, etwa mittels Erregernachweis, erfolgt in der Regel dann, wenn der Betroffene bis maximal 14 Tage vor Krankheitsbeginn Kontakt zu einem laborbestätigten Covid-19-Infizierten hatte und selbst Symptome aufweist. Das RKI empfiehlt eine Testung in dem Fall, dass Symptome einer akuten Atemwegserkrankung vorliegen, verbunden mit dem Verlust des Geruchs- oder Geschmackssinns. Nicht getestet wird meist, wenn der Betroffene keinerlei Krankheitszeichen aufweist. Aber es gibt Ausnahmen, etwa bei bekanntgewordenen Fällen in Pflege- und Seniorenheimen oder Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen. In diesen Fällen könne es laut RKI im Sinne der Prävention „sinnvoll sein, Pflegepersonal und Heimbewohner ohne Beschwerden in Abstimmung mit der lokalen Gesundheitsbehörde periodisch hinsichtlich SARS-CoV-2 zu testen“.

Klinik setzt auf Masken-Regeln

Auch im stationären klinischen Bereich sieht das Institut eine präventive Testung als sinnvoll an, etwa für Patienten vor der Aufnahme in „Risikobereiche“, etwa Onkologie oder Geriatrie. Wie die Pressestelle des Universitätsklinikums Gießen-Marburg (UKGM) mitteilt, gelte im Haus die Regel, dass sich Mitarbeiter testen lassen sollen, wenn sie symptomatisch werden; „dies ist sowohl intern im Haus – über einen Anruf bei der Corona-Hotline und in Absprache mit dem Betriebsärztlichen Dienst – als auch über das Gesundheitsamt und dessen Testzentren möglich“.

Auch für das Tragen von Masken verschiedener Schutzstufen gelten für Mitarbeiter wie Patienten Regeln: Alle Mitarbeiter sollen bei direkter Patientenbehandlung einen medizinischen Mund-Nase-Schutz tragen. „Ambulante Patienten haben ab Betreten des Klinikums mindestens eine Mund-Nase-Bedeckung zu tragen, stationäre Patienten einen medizinischen Mund-Nase-Schutz“, so das UKGM.

Und weiter: Die FFP-2-Masken mit höherer Schutzfunktion seien wiederum Pflicht bei Arbeiten an den Atemwegen von Patienten, „also bei Maßnahmen, bei denen ein erhöhtes Expositionsrisiko besteht“. Außerdem müssen diese im direkten Umgang mit begründeten Verdachtsfällen und bei nachgewiesenen Covid-19-Fällen getragen werden.

Bürgermeister fordert Zahlen

Behörden und Kommunen sind angesichts der neuen Corona-Lockerungen in Hab-Acht-Stellung, zögern teils noch, die neuen Freiheiten in vollem Maße umzusetzen. Auch Ebsdorfergrunds Bürgermeister Andreas Schulz bleibt vorsichtig: Schulz sieht die Verantwortung vom Bund an die kommunalen Akteure weitergereicht. Nun müssten Gemeinde-, Vereins- und Kirchenvorstände entscheiden, welche Lockerungen stattfinden und wie diese umgesetzt und kontrolliert werden sollen.

Quasi als Gegenleistung fordert er nun, dass Informationen „nach unten“ abgegeben werden. Schulz möchte vom Gesundheitsamt die „anonymisierte, tagtägliche Weitergabe der Infiziertenzahl“ für seine Gemeinde. Zudem wolle er künftig wissen, wie viele Coronatests pro Monat, Woche und Tag durchgeführt werden, und damit den Nachweis darüber, wie und ob die Infiziertenzahl in Ebsdorfergrund zunimmt. Nur dann könne der Gemeindevorstand überhaupt „verantwortlich Entscheidungen treffen“.

von Ina Tannert

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