Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Karin Buder überzeugt Ministerium
Marburg Karin Buder überzeugt Ministerium
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:34 13.03.2020
Rechtsanwältin Karin Buder wurde vom Bundes-Familienministerium zu einer Anhörung wegen ihres Falls mit der Conterganstiftung eingeladen. Quelle: Thorsten Richter
Anzeige
Marburg

Karin Buder aus Marburg vertritt 25 brasilianische Conterganopfer, weil die Conterganstiftung die Rentenzahlungen an diese einstellen will (OP berichtete). Das aber ist erst der Anfang. Contergan-Betroffene in über 40 Ländern der Welt, davon etwa 2500 in Deutschland, befürchten, dass in weiteren Schritten auf ihren geplagten Schultern weitere Gelder eingespart werden sollen. Die Eltern Contergan betroffener Kinder hatten vor 60 Jahren dafür gesorgt, dass unter anderem mit 100 Millionen D-Mark aus einem Vergleich mit der Herstellerfirma Grünenthal, die Conterganstiftung ins Leben gerufen werden konnte.

Die Marburger Rechtsanwältin kämpft mit großem persönlichen Einsatz für die Betroffenen aus Brasilien. Über 400 Arbeitsstunden hat sie zusammen mit ihren Mitarbeitern schon in diesen Fall gesteckt. Er ging durch die Medien, so dass auch das zuständige Bundes-Familienministerium aufmerksam wurde. Aus dessen Haushaltsgeldern werden die Renten der Geschädigten heute weltweit bezahlt. Doch die Conterganstiftung, die mal für die Entschädigung der missgebildeten Menschen gegründet wurde, zweifelt heute an, dass Zahlungen an Betroffene in Brasilien weiter gezahlt werden müssen.

Anzeige

Karin Buder ist überzeugt, dass die ursprünglichen Zahlungsbescheide rechtmäßig waren und sind, die Conterganstiftung ist da allerdings anderer Meinung. Letztendlich geht es aber um die Frage, ob man die Zusage der Zahlung einer lebenslangen Rente nach 50 Jahren einfach einstellen kann. Ist das rechtlich zulässig? Noch mehr ist aber zu fragen, ob das moralisch vertretbar ist und ob sich der Staat das leisten will.

„Nach so vielen Jahren Rentenbezug können Bescheide nicht einfach so für ungültig erklärt werden“, erklärt Karin Buder im OP-Gespräch. Mitten in diese Prüfungen hat sich nun der Ausschuss des Familienministeriums eingeschaltet. Auf Einladung von Ursula Schulte (SPD), Berichterstatterin im Familienausschuss, fuhr Karin Buder im Februar nach Berlin. Vertreter aller Parteien, außer der AfD, waren bei der Anhörung in Berlin dabei, ebenso die Rechtsaufsicht der Conterganstiftung. Dieter Hackler, der offiziell seit Januar neuer ehrenamtlicher Vorsitzender des Vorstands der Conterganstiftung ist, blieb der Sitzung fern, trotz Einladung.

„Ich war da, um zu überzeugen“, sagt die Marburger Rechtsanwältin. Und das ist ihr offensichtlich gelungen. Denn aufgrund ihrer Ausführungen gab es noch ein Gespräch mit der Conterganstiftung selbst, wie die OP von Ursula Schulte erfuhr. „Wir wollen eine Lösung und zwar im Sinne der Contergangeschädigten. Und das schnell“, so die SPD-Vertreterin. Sieht Dieter Hackler das genauso? Gegenüber Karin Buder äußerte er in einem Gespräch in der Stiftung, dass er den Haushalt im Blick haben müsse.

Kommt die Conterganstiftung mit ihrer fragwürdigen Einschätzung durch, bedeutet das für die brasilianischen Opfer der Verlust ihrer Unterstützung. „Sie sind ratlos und verzweifelt“, berichtet Christian Hageböck aus Brasilien am OP-Telefon. Er ist der Vor-Ort-Kontakt von Karin Buder und erster Ansprechpartner für die Geschädigten. Er vermutet hinter dem Handeln der Stiftung eine Strategie. Er kennt die meisten Conterganopfer aus Brasilien persönlich. Weiß, dass sich viele von ihnen nicht alleine versorgen können. „Bei manchen scheitert es schon am Haare kämen“, so Christian Hageböck. Sie alle setzen jetzt ihre Hoffnungen in die Politik. Denn: „Die Conterganstiftung muss das tun, was die Politik sagt“, so Ursula Schulte gegenüber der OP.

Von Katja Peters