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Marburg Eine lebendige Geschichte von Bortshausen
Marburg Eine lebendige Geschichte von Bortshausen
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13:58 09.08.2021
Hans Menche (Arbeitskreis Dorfgeschichte) und Bernd Zieske (Ortsvorsteher) sind die Herausgeber der neuen Stadtschrift "Bortshausen: Das Dorf am Fuße des Frauenbergs".
Hans Menche (Arbeitskreis Dorfgeschichte) und Bernd Zieske (Ortsvorsteher) sind die Herausgeber der neuen Stadtschrift "Bortshausen: Das Dorf am Fuße des Frauenbergs".  Quelle: Stefan Dietrich
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Bortshausen

Sie haben Stunden, Tage, Monate und Jahre recherchiert, gelesen, übersetzt, geschrieben und korrigiert – nun haben sie die Bortshäuser Dorfchronik endlich veröffentlichen können: Die Herausgeber Hans Menche und Bernd Zieske stellten sie gemeinsam mit Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies und einigen Mitwirkenden im Bürgerhaus des 240-Einwohner-Dorfes der Öffentlichkeit vor. „Bortshausen: Ein Dorf am Fuße des Frauenbergs“ heißt das 181 Seiten starke Buch, das als Stadtschrift Nr. 114 veröffentlicht wurde – rund 20 Jahre nach Beginn der Arbeit.

„Es ist ein Querschnitt durch die Geschichte des Dorfs von den ersten schriftlichen Erwähnungen im Jahr 1226 bis in die Neuzeit“, sagte Ortsvorsteher Bernd Zieske. 1226, als die erste Urkunde über Bortshausen ausgestellt wurde, herrschte Kaiser Friedrich II. im „Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation“ und hielt sich meist im heutigen Italien auf, schilderte Hans Menche die damalige politische Situation.

Es war die Zeit der Kreuzzüge und der Heiligen Elisabeth, die wenig später – 1228 – nach Marburg kam. Vermutlich sei Bortshausen aber noch viel älter, sagte Menche mit Blick auf prähistorische Funde aus der Jungsteinzeit.

„Im Rückblick wird deutlich, welche Herausforderungen die Leute früher meistern mussten – viele Dinge, die einen staunen und den Hut ziehen lassen“, sagte Zieske. Er hoffe, dass das Buch rege genutzt werde. Man könne es am Stück lesen wie einen Roman, aber auch immer wieder darin blättern. Das Buch enthält neben Dokumenten sowie historischen und aktuellen Fotos, zum Beispiel von der alten Eisenbahn, auch Kurioses und Bortshäuser Humor.

Der Name leitet sich von der Burg ab

Ein paar Geheimnisse über Bortshausen gaben die Mitwirkenden gleich bei der Buchvorstellung preis. Zum Beispiel, dass sich der Ortsname Bortshausen, früher „Burchishusen“, von der Burg ableitet. Der Frauenberg, der in der Neuzeit zum Ausflugsziel wurde, sei auch der Grund, warum es von Bortshausen viel mehr alte Ansichtskarten gebe als vom benachbarten Ronhausen, erklärte Reinhard Forst aus Amöneburg. Er war als Flüchtling nach Bortshausen gekommen und hatte einiges zum Buch beigetragen.

Pfarrer in Ruhe Hans-Horst Althaus berichtete, dass Bortshausen einen ganz besonderen Kirchturm hat – einen von noch drei in Hessen mit Ständerfachwerk. Das sei von außen leider nicht mehr zu erkennen, weil der Turm mit Schiefer verkleidet werden musste, um ihn vor dem Verfall zu retten. Auf einem der historischen Fotos ist das Fachwerk noch zu sehen.

Die beiden Herausgeber haben Geschichte studiert – Menche nach seiner Berufstätigkeit bei der Sparkasse, Zieske ist ehemaliger Geschichtslehrer. 2001, anlässlich der 775-Jahr-Feier, hatte der Arbeitskreis Dorfgeschichte mit der Arbeit an der Dorfchronik begonnen. Ortsvorsteherin war damals Brigitte Menche, die Schwiegertochter von Hans Menche. Der Arbeitskreis konnte auf dem Festvortrag des Staatsarchiv-Mitarbeiters Armin Sieburg, der Kirchenchronik in der Bearbeitung von Pfarrer Karl Gruber sowie der von Bernd Zieske und seinem Vater Karl-Otto Zieske bearbeiteten Schulchronik aufbauen. Doch im Laufe der Jahre wurde der Arbeitskreis immer kleiner, bis Hans Menche schließlich allein war.

Menche erinnerte bei der Buchpräsentation an die ehemaligen Mitstreiter Konrad Lemmer, Ludwig Bingel, Ludwig Müller, Lothar Berger, Holger Jung, Konrad Birkenstock und Karl-Otto Zieske, die inzwischen verstorben sind. „Ich war glücklich, als der Ortsvorsteher zu mir sagte: Komm, wir führen die Arbeit zu Ende“, berichtete Menche. Ortsvorsteher Zieske ist inzwischen im Ruhestand und hatte so auch Zeit, sich der Dorfchronik zu widmen. Die Schriftleitung für die Stadtschrift lag bei Dr. Ulrich Hussong, das Layout gestaltete Tom Engel.

„Da ist ein tolles Buch entstanden“, lobte Oberbürgermeister Spies. „Es ist tatsächlich gelungen, eine lebendige Geschichte des Ortes zu erzählen, die man in zwei Nächten durchlesen und die man Neubürgern oder jungen Menschen in die Hand geben kann.“ Nur wenn man die Geschichte eines Ortes kenne, könne man die Gegenwart verstehen, fügte er hinzu.

Das Buch „Bortshausen: Ein Dorf am Fuße des Frauenbergs“ ist als Band 114 der Stadtschriften-Reihe im Rathaus-Verlag erschienen und kostet 12,90 Euro. Es ist erhältlich im Fachdienst Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt im Rathaus, Telefon 0 64 21 / 2 01 13 46, E-Mail: pressestelle@marburg-stadt.de, per Online-Formular unter digital.marburg.de, im Büro von Ortsvorsteher Bernd Zieske, bei Hans Menche sowie im Buchhandel.

Von Stefan Dietrich

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