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Marburg Queere Community befürchtet Vereinsamung
Marburg Queere Community befürchtet Vereinsamung
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08:58 27.06.2020
Im vergangenen Jahr zogen am Christopher-Street-Day Mittelhessen tausende Menschen durch die Marburger Innenstadt. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Marburg

„Die Nähe fehlt uns. Wir brauchen sie als Community“, sagt Christian Kim am OP-Telefon. Am Samstag wäre eigentlich der große Christopher-Street-Day in Mittelhessen. Tausende Lesben, Schwule, Heteros, Transsexuelle, Diverse und viele andere wären auf den Straßen unterwegs und hätten auf sich aufmerksam gemacht. „Zu zeigen: Wir sind hier!, und das mit großer Aufmerksamkeit, das können wir in diesem Jahr leider nicht“, bedauert der 25-Jährige die Absage.

Stattdessen erfährt die queere Community seit Ausbruch der Pandemie einen hohen Kontaktverlust, Vereinzelung und Einsamkeit. Auch von erhöhter Diskriminierung ist die Rede. Die Schließung der Treffs hat enorme Folgen für Menschen, die auf den Rückhalt von Freunden, Gruppen und Initiativen angewiesen sind. „Viele von uns haben keinen Kontakt zu ihren Familien oder haben sich noch gar nicht geoutet. Sie wissen derzeit gar nicht, wohin sie gehen sollen, um zu reden oder Nähe zu erfahren“, sagt Christian Kim. Natürlich gebe es Chatrooms oder auch Gespräche per Videokonferenz, aber das sei nur eine kurzzeitige Hilfe. „Regelmäßige Treffen und Community-Angebote konnten in der bisherigen Form nicht stattfinden. Gerade für Neuzugänge ist derzeit schwierig, mit uns in Kontakt zu treten, die Szene kennenzulernen“, so der Student.

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„Umso mehr bedauern wir, dass wir den CSD Mittelhessen 2020 in seiner jetzigen Form absagen müssen. Trotz dessen wollen wir nicht still und unsichtbar bleiben. Wir wollen zeigen, dass wir nicht verschwunden sind, sondern existieren. Daher werden wir in den kommenden Monaten mit alternativen Aktionsformen in die Öffentlichkeit treten“, gibt sich der Organisator kämpferisch.

Die symbolische Beflaggung des Rathauses am Sonntag „begrüßen wir nachdrücklich. Denn sie zeigt, dass in der Stadt kein Platz für Diskriminierung ist“. Außerdem will die Community ab 11 Uhr mit Kreideaktionen in der Innenstadt auf sich aufmerksam machen.

Von Katja Peters

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