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Marburg Goldene Ehrennadel für Quartiersarbeit
Marburg Goldene Ehrennadel für Quartiersarbeit
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11:00 04.10.2020
Christina Hey bekam die Ehrennadel der Stadt Marburg verliehen. Quelle: Katja Peters
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Marburg

„Ich bin ein bisschen platt und ziemlich gerührt“, sagte Christina Hey, nachdem sie eine Stunde viele Lobes- und Dankesworte für ihre Gemeinwesenarbeit und ihr ehrenamtliches Engagement gehört hatte. Im großen Saal, wo sonst immer die Stadtverordneten tagen, hatte die Stadt Marburg eine kleine Feierstunde für sie organisiert und ihr die goldene Ehrennadel verliehen. „Meine Gefühle waren sehr ambivalent, als ich die Einladung las“, gab sie zu. „Das alles hier macht mich ganz schön verlegen. Ich habe doch nur meine Arbeit gemacht.“

Aber die war für den Stadtteil Waldtal und auch für die Landesarbeitsgemeinschaft sozialer Brennpunkte Hessens prägend. Letztere führte sie von 2005 bis 2011, stellvertretende Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses von Marburg ist sie seit 2011. Bis Juni diesen Jahres war Christina Hey, die von allen nur Tina genannt wird, auch Geschäftsführerin des AKSB, dem Arbeitskreis Sozialer Brennpunkte im Waldtal. Hinzu kommen noch diverse andere ehrenamtliche Verpflichtungen – Tina Hey nimmt die Gemeinwesenarbeit eben ernst, aber vor allem die Menschen, die in den Stadtteilen leben.

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„Mein Anspruch war immer auf die Menschen zu zugehen, sie nicht zu bevormunden“, betonte sie im OP-Gespräch nach der Verleihung. Dabei half ihr wohl das „vererbte“ Gerechtigkeitsempfinden, wie sie selbst analysiert. „Mit Neiddebatten kann ich nichts anfangen.“ Alle Redner lobten ihr offenes Wort, ihre Beharrlichkeit, ihren Humor. „Das Jugendamt hat sich manches Mal die Haare gerauft, nach Gesprächen mit Dir. Aber Deine Klarheit in der Fachlichkeit war maßgebend“, lobte Stefanie Lambrecht, Fachdienstleiterin Kinder, Jugend und Familie. Ein bisschen Wehmut schwang nicht nur in ihrer Stimme mit. „Anstoßen und loslassen“, so beschrieb sie die Arbeitsweise von Tina Hey, die oft von einer Neugier getrieben agierte und sich und Marburg in Hessen vernetzte. Ihre Maxime: Soziale Arbeit ist kein Selbstzweck.

Und nach dieser Maxime arbeitete sie auch mit den freien Trägern in der Stadt zusammen. „Es gab keine Gegnerschaft“, sagte Monika Stein, die heute beim BSJ arbeitet, aber mal im Stadtwald angefangen hat. Für sie ist Tina Hey ein Vorbild: „Ich habe Dich bewundert, für Deine Art, wie Du für die Chancengleichheit kämpfst. Du hast immer für alle gesprochen und für die Inhalte eingestanden.“

Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies lobte ihre Geradlinigkeit, ihre Konsequenz, ihre Deutlichkeit und vor allem ihre Herzlichkeit: „In sozialpolitischen Diskussionen für das Waldtal hat Christina Hey Maßstäbe gesetzt. Dafür hat sie sich in die Mitte von armen Menschen begeben und ist nie in die akademische Abgehobenheit abgedriftet.“ Am dankbarsten erlebte er sie, „wenn sie einen zu Ruhe rief“, berichtete er mit einem Lächeln und ergänzte noch: „Und wenn wir nicht einer Meinung waren, dann hattest Du meistens recht.“

Tina Hey musste lachen: „Meine Herkunft, die Pfalz, fördert scheinbar das offene Wort.“ Fürs Studium ist sie in die 1970er Jahren nach Marburg gekommen: Germanistik und Politik auf Lehramt. Das Referendariat hat sie noch in Frankfurt abgeleistet, dann war sie arbeitslos. „Für mich war das ein Glück, denn dadurch begann mein Engagement in der Gemeinwesenarbeit am Richtsberg.“ Jetzt will sie mehr Boule spielen, reisen, im Garten arbeiten – „und endlich Malen lernen.“

Von Katja Peters