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Marburg Christdemokraten und Die Linke verlieren enorm
Marburg Christdemokraten und Die Linke verlieren enorm
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20:00 27.09.2021
Zwei Stimmen gab es zur Bundestagswahl abzugeben. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf erhielten gleich vier Direktkandidaten mehr Stimmen als ihre Partei.
Zwei Stimmen gab es zur Bundestagswahl abzugeben. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf erhielten gleich vier Direktkandidaten mehr Stimmen als ihre Partei. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Marburg

War das die große Klima-Wahl? War es eine von Spitzenkandidatinnen und -kandidaten für das Kanzleramt beeinflusste Wahl? Haben Stimmungsmacher obsiegt oder haben sich einige Parteien selbst ins Abseits gekegelt? Das sind Fragen, die übergeordnet sicher von Experten klug beantwortet werden.

Jedenfalls schaffen Zahlen Fakten, und die sind unumstößlich. Im Landkreis Marburg-Biedenkopf hat die SPD die CDU wieder als beste Partei abgelöst. Dabei hätte die SPD noch nicht einmal zulegen müssen. Tatsächlich hätte das Ergebnis von 2017, also 26,4 Prozent ausgereicht, um die CDU mit fast vier Prozent hinter sich zu lassen.

Die SPD legte aber zu und kam nun auf 30 Prozent, was den Abstand zur CDU noch dramatischer macht. Die Christdemokraten verloren gegenüber 2017 acht Prozent an Zustimmung im Landkreis. Dreimal blieb die CDU unter 20 Prozent, in Marburg, in Steffenberg und in Cölbe. Und auf dem Berg gab es ein Beben: In Amöneburg verlor die CDU satte zehn Prozent an Zustimmung, was aber immer noch für das beste Einzelergebnis von 36,9 Prozent ausreichte. Das zweitbeste Ergebnis gab es in Neustadt mit 30,3 Prozent. Und das sind auch schon die einzigen zwei Kommunen im Kreis, wo die CDU vor der SPD landen konnte. Nicht in einer Kommune konnte das Ergebnis von vor vier Jahren gehalten werden.

Die Linke befindet sich im freien Fall

Ähnlich steil bergab ging es mit der Partei, vor der die CDU immer gewarnt hat, dass sie auf keinen Fall auf die Regierungsbank kommen möge: Die Linke. Man muss sich fragen, was Die Linke gemacht hat beziehungsweise nicht gemacht hat, um derart einzuknicken. Feierte die Partei 2017 im Landkreis sensationelle 10,2 Prozent, kam sie dieses Mal nur noch auf 5,8. Gerade in Wetter, wo die Linke auch im Stadtparlament sitzt, gab es statt 9,6 Prozent nur noch 4,8. Die dritte Partei, die nicht überzeugen konnte, ist die AfD, sie fiel im Kreis von 11,5 auf ein einstelliges Ergebnis (8,9) zurück. Im Gegensatz zur Kreistagswahl im März dieses Jahres ist das aber schon wieder ein Zugewinn von zwei Prozent.

Interessanterweise gibt es nur eine Partei, die jetzt wenige Monate später zur Bundestagswahl ein besseres Ergebnis als zur Kreistagswahl einfahren konnte. Nein, nicht die SPD. Die blieb mit 0,5 Prozent knapp darunter. Auch nicht die Grünen. Sie verloren aber nur minimal und rutschten von 16,02 auf 15,9. Die einzige Partei ist die FDP. Sie bekam im März nur 4,5 Prozent Zustimmung, was immerhin für vier Plätze im Kreistag reichte, aber zur Bundestagswahl entschieden sich 10,6 Prozent für die Liberalen. Dabei legten sie ausschließlich im Umland zu, in Marburg erzielten sie mit 9,1 Prozent exakt das Ergebnis von vor vier Jahren.

Direktkandidaten erhalten mehr Stimmen als ihre Partei

Auch wenn es nur zwei Stimmen zu verteilen gab, blieben einige Wähler ihrer Partei nicht treu. Nutznießer war vor allen anderen Sören Bartol, der noch einmal das SPD-Ergebnis um sieben Prozent toppte, aber auch CDU-Mann Dr. Stefan Heck erhielt vier Prozent mehr Zuspruch als seine Partei. Gökhan Özdemir holte immerhin noch 0,4 Prozent mehr Stimmen als die Freien Wähler, 0,1 Prozent mehr Zuspruch erhielt AfD-Direktkandidat Julian Schmidt. Persönliche Einbußen mussten Stephanie Theiss (Grüne, 13,4 gegenüber 15,9), Niklas Hannott (FDP, 6,8 gegenüber 10,6) und Maximilian Peter (Die Linke, 4,7 gegenüber 5,8) hinnehmen.

Noch ein paar Zahlen am Rande. Hochburg der Freien Wähler bleibt Dautphetal mit 3 Prozent. In Gladenbach-Rachelshausen und in Rauschenberg-Albshausen reichten jeweils vier Wählerinnen und Wähler, um den Freien Wählern ein 4-Prozent-Ergebnis zu sichern. Und im Hinterland, in Steffenberg, gibt es mit 18,2 Prozent „prozentual“ die meisten AfD-Wählerinnen und -wähler. Das sind 411 Personen. In Marburg sind es nur 4,6 Prozent, aber 2 064 Personen.

Noch ein Wort zur Wahlbeteiligung: Die fiel um 0,4 Prozent besser aus als 2017 und lag nun bei 78, 1 Prozent. Die höchste Wahlbeteiligung erreichte die Gemeinde Weimar mit 84,4 Prozent.

Von Götz Schaub

27.09.2021
27.09.2021