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Marburg Belästigung ist kein Kompliment
Marburg Belästigung ist kein Kompliment
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09:00 10.06.2022
Viele Mädchen, Frauen sowie Teile der LGBT-Gemeinschaft werden häufig Opfer der verbalen sexuellen Belästigung. Gegen dieses Verhalten richtet sich der Anti-Catcall.Tag an diesem Freitag.
Viele Mädchen, Frauen sowie Teile der LGBT-Gemeinschaft werden häufig Opfer der verbalen sexuellen Belästigung. Gegen dieses Verhalten richtet sich der Anti-Catcall.Tag an diesem Freitag. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Marburg

Ein Pfeifen, ein anzüglicher Spruch, eine „einladende“ Geste auf offener Straße – es gibt viele Formen sexuell motivierter Belästigung, die nicht als Straftat oder Ordnungswidrigkeit gelten, nichtsdestotrotz zahlreiche Menschen betreffen und treffen können. Und das längst über das jahrzehntealte Klischee der Pfiffe von der Baustelle, an der eine Frau vorbei geht und angegafft wird, hinaus. Die verbale sexuelle Belästigung, anzügliches Rufen, Reden oder andere Laute, wird auch „Catcalling“ genannt – von „Katzen-Rufen“ – und kommt immer wieder im öffentlichen Raum vor. Betroffen sind vor allem Mädchen, Frauen und die LGBT-Gemeinschaft (Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender; lesbisch, schwul, bisexuell und transgender). Catcalling kann aber im Grunde jeden treffen.

Das wird am Freitag über den sogenannten Anti-Catcall-Tag öffentlich angekreidet. Im wahrsten Wortsinne: Um auf das Problem hinzuweisen, schreiben immer mehr Betroffene weltweit mit Kreide ihre Erlebnisse, sexuelle Anfeindungen, Übergriffe auf die Straße. Genau dort hin, wo sie öffentlich passiert sind.

„Es ist nicht hinnehmbar, dass Frauen und Mädchen sich nicht unbefangen im öffentlichen Raum bewegen können, ohne Belästigungen ausgesetzt zu sein“, sagt Simone Semmler, Gleichstellungsbeauftragte der niedersächsischen Stadt Salzgitter und Initiatorin des Aktionstages. „Der gutmeinende Hinweis mancher Männer ‚Nimm’s doch als Kompliment‘ führt leider nicht weiter. Catcalling und sexuelle Belästigungen sind kein Kompliment“, betont sie.

An dem Aktionstag beteiligt sich auch der Landkreis und will sexuelle Belästigung gezielt ankreiden, heißt es in einer Mitteilung. „Als meist berührungslose, aber unzumutbar aufgedrängte sexuelle Belästigung ist Catcalling derzeit kein eigener Straftatbestand und keine Ordnungswidrigkeit“, sagt Janet Miller, Leiterin des Kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbüros des Landkreises Marburg-Biedenkopf.

Hinnehmbar ist das deswegen aber nicht. Sie sieht in Catcalling ein gesamtgesellschaftliches Problem, das betroffene Personen einschränke, sich frei und unbehelligt im öffentlichen Raum zu bewegen. Auch körperliche Symptome wie Schwindel und Übelkeit könnten die Folge sein. „Die meisten Frauen erfahren Catcalling leider irgendwann mal im Leben.“

Erfahrungsberichte gesucht

Um mehr Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken, sammelt das Frauen- und Gleichstellungsbüro bis Mai 2023 Erfahrungsberichte betroffener Personen im Kreis, um sie später sichtbar zu machen. Bisher hätten sich vor allem Frauen und Transpersonen gemeldet. „Wir wollen etwas dagegen unternehmen und Catcalling im ländlichen Raum sichtbarer machen“, so Miller.

Alle Personen, die in der Region von Catcalling betroffen sind oder dies bei einer anderen Person miterlebt haben, können über die Mailadresse #keinkompliment@marburg-biedenkopf.de ihre Erfahrung in anonymisierter Form mit Angaben zur Art des Übergriffes sowie der möglichst konkreten Angabe von Ort, Datum und Uhrzeit melden. Die Meldungen werden beim Kreis gesammelt, dokumentiert, geografisch zugeordnet und für die Weiterarbeit vorbereitet.

Am nächsten Aktionstag im Juni 2023 machen regionale Aktionsgruppen diese Übergriffe mit Kreide auf Asphalt an dem Ort dann sichtbar, wo sie stattgefunden haben. So soll nicht nur für das Thema sensibilisiert, sondern auch kommunale Entscheidungsträgerinnen und -träger auf Angsträume aufmerksam gemacht werden. Für die Ankreide-Aktion sucht das kommunale Frauen- und Gleichstellungsbüro auch Menschen, die diese Aktion unterstützen und im nächsten Jahr einen Teil der Catcalls „ankreiden“ wollen.

Die Mitarbeitenden des kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbüro des Landkreises stehen für Rückfragen per Mail an frauenbuero@marburg-biedenkopf.de zur Verfügung

Von Ina Tannert

10.06.2022
09.06.2022
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