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Marburg Kräftige Steigerung in Marburg
Marburg Kräftige Steigerung in Marburg
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08:58 19.01.2020
Sonnige Aussichten für den Marburger Carsharing-Anbieter Scouter: Die Zahl der Nutzer ist im vergangenen Jahr um gut 21 Prozent gestiegen, entsprechend hat der Anbieter die Zahl der Fahrzeuge und Stationen ausgebaut.  Quelle: Anja Köhne
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Marburg

In Marburg bietet „Scouter“ Carsharing an. Das Unternehmen mit Sitz in der Universitätsstadt, das auch in Gießen, Kassel, Bonn, Würzburg und der Region Nürnberg/Fürth Carsharing anbietet, ist in Marburg weiter auf Expansionskurs.

So habe man die Zahl der Fahrzeuge binnen Jahresfrist in Marburg von 43 auf 52 erhöht. Und: Auch die Zahl der Stationen ist gestiegen – von 24 auf 30. „Das ist eine äußerst positive Entwicklung, die wir weiter vorantreiben wollen“, sagt Geschäftsführer Thomas Großnann im Gespräch mit der OP.

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Die Statistik schlägt sich auch im Städteranking des Bundesverbands Carsharing nieder: Dort kommt das Angebot in Marburg auf Platz neun im Bundesvergleich (mehr Infos dazu im Kasten). Von der Platzierung ist Großnann sehr angetan: „Wir freuen uns natürlich sehr über die Entwicklung in unserer Heimatstadt, aber auch, dass alle unsere Städte, in denen wir mit Autos und einem Vertriebspunkt vor Ort sind, unter den Top 50 sind, ist ein tolles Ergebnis.“ Großnann betont jedoch, dass der Erfolg vor allem dem Mitarbeiterteam zu verdanken sei, das alle Städte von der Zentrale an der Weidenhäuser Brücke aus steuere.

Gedanken um den Klimawandel

Hat es einen Einfluss auf das Scouter-Wachstum, dass sich derzeit viele Menschen Gedanken um den Klimawandel und somit auch über ihr Mobilitätsverhalten machen? „Das hat bestimmt einen Einfluss, führt aber nicht zu einem sprunghaften Anstieg bei uns“, sagt Großnann. Denn: „Der Entschluss zum Carsharing ist nichts für eine schnelle Entscheidung – sondern eine lang angelegte Sache.“

Gleichwohl sei es positiv, dass Carsharing durchaus als Mobilitätsform etabliert sei, „wir müssen da keine Überzeugungsarbeit mehr leisten“. So habe es auch bei den Städten ein Umdenken gegeben, „wir werden nicht mehr auf das Thema Stellplätze reduziert, von denen es sowieso immer zu wenige gibt. Da sind wir zum Glück viele Schritte weiter.“

Als positiv sei auch zu werten, dass Marburg den Klimanotstand ausgerufen habe. Denn für Großnann steht fest: „Ein ,weiter so‘ mit kleinen Dingen, die keinem wehtun, ist ja keine Lösung – dafür ist das Thema Klimawandel global zu groß.“

Scouter will daher auch weiterhin expandieren. Denn Car‑
sharing sei in der Mitte der Gesellschaft angekommen, „es gibt viele Menschen, für die Car‑
sharing genau der richtige Weg ist, um mit wenig Geldeinsatz die eigenen Mobilitätsziele zu erreichen“.

Fahrzeugdichte soll erhöht werden

Der Erfolgsfaktor führe dabei immer über das Netz – also die Abdeckung mit Fahrzeugen. Nach und nach will Scouter auch die „an Marburg angewachsenen Stadtteile“ erschließen – eine Expansion auf die Dörfer im ländlichen Raum sei jedoch eher schwierig, denn: „Das ist leider nicht kostendeckend möglich – es geht entweder über private und ehrenamtliche Initiativen oder mit Förderung, was schade ist“.

Großnann verdeutlicht: Im Gegensatz zu solchen Projekten „müssen wir als Unternehmen jeden Handgriff wie etwa die Fahrzeugpflege bezahlen“. Um die Akzeptanz für Carsha
ring zu steigern, will Scouter die Fahrzeugdichte erhöhen und das Gebiet ausweiten – und eventuell auch weitere Städte erschließen. „Die Dienstleistung ist mit guten Lösungen fertig entwickelt, die man gut auf andere Städte übertragen kann“, ist sich der Geschäftsführer sicher.

Für Marburg sieht Großnann etwa am Ortenberg noch Potenzial, „da könnten wir besser aufgestellt sein“. Insgesamt gehe es um Verdichtung mit weiteren Stationen. Dazu gehören aber dann doch zusätzliche Stellplätze. „Wir sind zum Glück hier tief verwurzelt – Stellplätze finden geht auch ganz oft über Netzwerke“, weiß Thomas Großnann. Leicht sei es dennoch nicht immer, „es ist weiterhin eine anspruchsvolle Aufgabe“. Denn im Idealfall sollten die Stellplätze auch sichtbar sein – so steige die Nachfrage dann auch. Darüber hinaus setze man bei Scouter auf „nachhaltiges Wachstum“.

Hintergrund

Der Bundesverband Carsha-
ring untersucht alle zwei Jahre das Carsharing-Angebot in deutschen Städten und Gemeinden und errechnet die Zahl der Carsharing-Fahrzeuge pro Einwohner. In Marburg fahren 52 Carsharing-Autos, also kommt ein Fahrzeug auf knapp 1 500 Einwohner. Damit liegt die Universitätsstadt auf Platz 9 in Deutschland – von 151 untersuchten Städten mit mehr als 50 000 Einwohnern. Marburg ist die kleinste Stadt in den Top Ten – Deutschlands Carsharing-Hauptstadt ist, wie schon 2017, Karlsruhe mit 3,23 Fahrzeugen pro 1 000 Einwohner.

Auf den Plätzen zwei bis vier folgen die Millionenstädte München (2,13), Hamburg (1,61) und Berlin (1,60). Gießen (0,27) landet auf Rang 40.
Insgesamt gibt es in Deutschland über 740 Städte und Kommunen mit einem Carsharing-Angebot. Eine privat und ehrenamtlich organisierte, sehr erfolgreiche Initiative im Landkreis ist beispielsweise das Carsharing-Projekt in Cölbe, das seit Jahren gut läuft.     

von Andreas Schmidt