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Marburg Cappeler Wald bekommt neue Bäume
Marburg Cappeler Wald bekommt neue Bäume
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12:57 19.04.2020
Trockenheit und Borkenkäfer haben dem Wald im Jahr 2019 zugesetzt. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

„Windwurf- und Käferholzaufarbeitung“ nennt Hessen Forst die derzeitigen Maßnahmen im Cappeler Wald auf Höhe des Parkplatzes Eselsgrund in Richtung der Straße „Zum Neuen Hieb“. Besorgte Cappeler hatten sich an das Forstamt Kirchhain gewendet und die Arbeiten infrage gestellt.

„Hat dies noch etwas mit ,ganz normaler Forstwirtschaft’ zu tun? An den Borkenkäfern kann es ja wohl nicht liegen, da die abgeholzten Stämme noch wochenlang im Wald verbleiben“, heißt es in dem Schreiben, das der OP vorliegt.

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Forstamtsleiter Bernd Wegener antwortete prompt: „Sämtliche Holzerntemaßnahmen in Cappel sind kalamitätsbedingt, sind also wegen Sturm, Trockenheit und Käferbefall notwendig geworden. Eine ,ganz normale Forstwirtschaft’ ist durch die Auswirkungen der zurückliegenden beiden Jahre derzeit gar nicht möglich.

Der Holzmarkt ist gestört

Im Moment laufen wir nur den Naturkatastrophen hinterher. Und auch wenn es für den Laien nicht so aussieht, aber wir versuchen, möglichst viel Wald zu erhalten und vor allem für die momentan hohe Anzahl an Spaziergängern und Wanderern zu sichern.“

Und auch für die vielen Stämme an den Wegrändern gibt es eine Erklärung: „Da der Holzmarkt kalamitäts- und coronabedingt gestört ist, kann es tatsächlich sein, dass die Holzabfuhr stockt. Die Auswirkungen der aktuellen Pandemie sind letztlich vielschichtig und können nicht durch uns beeinflusst werden“, so Bernd Wegener weiter.

Verkehrssicherungspflicht im Blick

Er verweist aber schon jetzt darauf, dass „tatsächliche Absterbeprozesse mit dem Laubaustrieb demnächst noch viel deutlicher werden.“ Wegen der daraus resultierenden „erhöhten Verkehrssicherungspflicht in einigen Bereichen werden weitere Fällarbeiten stattfinden, um auch in Haftungsfragen für unsere Kollegen vor Ort auf der sicheren Seite zu sein. Schließlich möchte niemand von einem herabfallenden toten Ast erwischt werden – weder Waldbesucher, noch Forstarbeiter“, betont er.

Neben den Aufräum- und Sicherungsarbeiten sind derzeit auch die Aufforstungen in vollem Gange. Wie im Revier Wolferode bei Neustadt (die OP berichtete) stehen auch im Cappeler Wald bereits neue Bäume. Eben genau auf der Fläche am Eselsgrund.

Auch Hochsitze werden aufgebaut

„Dort sind bereits mehrere tausend Eichen, Linden und Hainbuchen neu gepflanzt worden. Baumarten, welche unter aktuellem Gesichtspunkt besser an den Klimawandel und dessen Auswirkungen angepasst sind. Inwiefern sich das Klima in 50, 100 oder gar 200 Jahren auf den Wald auswirken wird, können wir jedoch nicht prognostizieren“, erklärt Bernd Wegener.

Damit einher geht auch der Aufbau von Hochsitzen. „Sie dienen der zielorientierten Bejagung von Reh- und Schwarzwild“, so der Forstamtsleiter, denn „eine aktuell viel zu hohe Rehwildpopulation verhindert die natürliche Waldentwicklung.“

Zäune schützen die kleinen Eichensetzlinge

Seltene Baumarten wie Elsbeere, Kirsche und andere Obstgehölze verjüngen sich zwar, werden jedoch nahezu vollständig aufgefressen. Daher wird die Fläche im Eselsgrund demnächst noch kostenintensiv eingezäunt.

„Dies sieht nicht schön aus, ist aber zwingend erforderlich, um die kleinen Eichensetzlinge zu schützen.“ Gleiches ist im Wolferoder Revier bereits passiert. Dass in diesem Zusammenhang auch mal Waldwege in Mitleidenschaft gezogen werden, kann nie ausgeschlossen werden. „Da bitten wir um Verständnis“, so Bernd Wegener.

Jagdzeitverlängerung

Hunderte Hektar Wald werden in diesem Jahr mit rund vier Millionen Pflanzen verschiedener Baumarten aufgeforstet. Die Knospen und frischen Triebe dieser Pflanzen stellen auf den kahlen Flächen Leckerbissen für Pflanzenfresser dar. Allerdings gehören Wildschäden zu den beeinflussbaren Risikofaktoren.

Das Land Hessen hat deshalb die Jagdzeiten von Rehböcken und Schmalrehen sowie einjährigen Tieren der Arten Rot-, Dam-, Sika- und Muffelwild verlängert. Bisher durften die Tiere ab 1. Mai bejagt werden. In diesem Jahr hat ihre Jagdzeit bereits am 1. April begonnen. Gerade jetzt ist das Wild besonders aktiv, so dass die gerade frisch gepflanzten Bäumchen besser geschützt werden können. Denn nicht überall können Wildschutzzäune aufgestellt werden.

Für eine artenreiche Wiederbewaldung muss deswegen an nicht umzäunten Verjüngungsflächen besonders intensiv gejagt werden. Rehe gelten als Feinschmecker, sie äsen Raritäten besonders gern und tragen so zur Entmischung bei.

Von Katja Peters

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