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Marburg Die Leute wollen raus ins Grüne
Marburg Die Leute wollen raus ins Grüne
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11:00 24.05.2020
Genießen die Zeit auf dem Campingplatz Lahnaue in Marburg: die große Familie Bildhäuser-Reiß (links) aus Mühlheim sowie – mit entsprechendem Abstand – Jörg und Sabine Hagner aus Niederbiel (rechts). Quelle: Thorsten Richter
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Brungershausen

Inzwischen ist es in fast allen Bundesländern wieder erlaubt, auf Campingplätzen zu übernachten. Nur in Berlin und Brandenburg öffnen die Campingplätze erst am 25. Mai und in Bayern am 30. Mai.

In Mecklenburg-Vorpommern sind die Plätze bis zum 25. Mai nur für Bewohner dieses Bundeslandes geöffnet, in Sachsen-Anhalt gilt die analoge Regelung bis Anfang Juni. So hat es der ADAC mal schnell auf den Punkt gebracht.

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Und das bedeutet, dass mit dem jetzigen langen Wochenende der Campingplatz-Tourismus in großen Teilen Deutschlands wieder anläuft, auch in Hessen und damit auch im Landkreis Marburg-Biedenkopf.

Die Anfragen touristischer Camper kamen in den letzten Tagen praktisch ungebremst rein, sagt Nicole Ekkerink, Geschäftsführerin des Campingplatzes Auenland bei Brungershausen in der Gemeinde Lahntal.

Trübsal blasen bringt nichts

Doch auch wenn die Campingplätze wieder genutzt werden dürfen, müssen dort die Corona-Sicherheitsregeln eingehalten werden. Der abseits der B 62 an der Lahn gelegene Platz verfügt auch über eine Gastwirtschaft mit Außensitzfläche. Dort sind die Tische alle nach Corona-Vorgaben aufgestellt, die Wiedereröffnung am 15. Mai gestaltete sich immerhin schon vielversprechend.

Das angesagte gute Wetter möchte jetzt wohl seinen Teil dazu beitragen, dass die drei langen Wochenenden – aktuell Himmelfahrt, dann Pfingsten und danach Fronleichnam – ein bisschen dafür entschädigen, was ab März erduldet werden musste. „Na ja, die beiden Osterwochen sind natürlich ins Wasser gefallen“, sagt Ekkerink. Schwamm drüber, das sei eh nicht mehr zu ändern. Trübsal blasen ist nicht ihr Ding. Jetzt ist sie erst einmal froh, dass es eine Perspektive gibt, dass wieder Gäste kommen können.

Am 15. Mai ging’s los

Die Hygienemaßnahmen auf jedem Campingplatz werden nach den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts getroffen und müssen natürlich auch überwacht werden. Das dürfte auf dem Areal des Auenlandes nicht so schwer sein. Zum einen achten die Gäste aus Selbstschutz schon darauf, zum anderen ist der Platz großzügig ausgelegt und von der Personenanzahl auch sehr übersichtlich.

55 Dauercamper-Plätze gibt es, der Großteil der Gäste kennt sich und weiß, wie er sich zu verhalten hat, um die neugewonnene Freiheit unbeschwert zu genießen. Der Drang, endlich wieder auf dem Platz zu sein, war bei vielen Menschen sehr ausgeprägt. Kaum war in diesem Monat das Kalenderblatt mit der 15 drauf gültig, kamen auch schon nicht nur die ersten Dauergäste zurück, sondern auch touristische Gäste, für die es auch 55 Plätze gibt.

Man kennt sich und man hilft sich

Eine, die den Campingplatz in seiner ganzen Traurigkeit erlebt hat, ist Alexandra Loritz. Ihr Familien-Camper verfügt über eine Vollausstattung mit Dusche und sanitärer Einrichtung. Der Platz war in den vergangenen Wochen wie ausgestorben, ein ganz andere Welt, berichtet sie. „Aber es war ja alles anders. Im Supermarkt wurden zum Teil die Regale leer gekauft, nur bei Spaziergängen in der Natur konnte man den Eindruck gewinnen, als sei alles normal“, sagt sie.

Nun überwiegt bei ihr auch die Freude, dass das Camper-Leben wieder an Fahrt aufnimmt. Ein untrügliches Zeichen ist für sie der Aufbau des Vorzeltes am Stellplatz. Loritz und ihre Familie wissen, das Leben auf dem Platz zu schätzen: „Man kennt sich. Wenn jemand was hat, dann hilft man sich gegenseitig, man genießt die Gemeinschaft, hat aber auch ausreichend Rückzugsmöglichkeiten.“

Zeltgruppen bleiben außen vor

Katharina Gaube, Betreiberin des Campingplatzes Lahnaue in Marburg, ist sehr zuversichtlich, dass die Saison noch viel Positives bereithält. „Wir haben einen Monat verloren, aber das hat uns jetzt nicht wirklich groß geschadet. Wichtig ist, dass es jetzt anlaufen kann“, sagt sie. Auf der Homepage des Campingplatzes werden Kurzentschlossene schon ausgebremst. Die Nachfrage war in den vergangenen Tagen so gut, dass alle zur Verfügung stehenden Plätze an diesem Wochenende ausgebucht sind.

Das gilt auch schon für den 29. Mai bis 1. Juni. Außen vor bleiben zudem Zeltgruppen. „Da halten wir uns an die Vorgaben des Landes. Wir wollen da kein Risiko eingehen“, sagt Gaube. Die Zeit während des Lockdowns haben Katharina Gaube und ihr Mann Herbert gut genutzt. „Wir haben in der Zeit ein paar Renovierungsarbeiten ausgeführt und hier und da was schön gemacht.“ Wenn es nicht zu einer zweiten Corona-Welle kommt ist Gaube guten Mutes: „Campen ist nach wie vor angesagt. Und die Leute wollen jetzt raus.“

Von Götz Schaub

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