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Marburg CSL zum Halbjahr mit 44 Prozent Gewinn-Plus
Marburg CSL zum Halbjahr mit 44 Prozent Gewinn-Plus
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07:58 23.02.2021
CSL hat zum Halbjahr ein Rekord-Ergebnis eingefahren, doch wird sich das Geschäft aufgrund ausbleibender Plasma-Spenden nicht in dieser Form weiterentwickeln.
CSL hat zum Halbjahr ein Rekord-Ergebnis eingefahren, doch wird sich das Geschäft aufgrund ausbleibender Plasma-Spenden nicht in dieser Form weiterentwickeln. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

CSL Limited, Muttergesellschaft von CSL Behring, hat seine Halbjahresergebnisse vorgestellt – mit einer Gewinnsteigerung um 44 Prozent gegenüber dem Vorjahres-Zeitraum auf 1,8 Milliarden US-Dollar. „Ich freue mich, ein starkes Ergebnis in einer beispiellosen Zeit der Unsicherheit während der schwersten Pandemie unseres Lebens zu präsentieren“, sagte CSL Chief Executive Officer und Managing Director Paul Perreault.

Doch Perreault dämpfte gleichzeitig die Hoffnungen auf eine weitere Rekord-Gewinnsteigerung zum Ende des Geschäftsjahrs im Juni. Denn das Sammeln von Blutplasma – dem wichtigsten Rohstoff des Unternehmens für die Herstellung eines Großteils seiner Medikamente – bleibe weiterhin eine immense Herausforderung.

Spenderzahlen sinken

So sei beispielsweise alleine im Dezember die Zahl der Spender um rund 20 Prozent gesunken – geschuldet der Tatsache, dass aufgrund der Corona-Pandemie weniger Spender in die Sammelzentren kämen.

Und: Zwischen der Entnahme von Plasma und der Verteilung von Arzneimitteln liege eine Verzögerung von mehreren Monaten, sodass sich die Verlangsamung der Entnahme aus dem vergangenen Jahr jetzt erst bemerkbar mache. Perreault versicherte, CSL unternehme alles, um die Plasmasammlung zu steigern – unter anderem wolle man beispielsweise die Reichweite von Influencern und der sozialen Netzwerke nutzen, um auf die Wichtigkeit von Plasmaspenden hinzuweisen. Und: Im ersten Geschäftshalbjahr 2021 seien bereits 17 weitere Sammelzentren eröffnet worden, 12 weitere sollen folgen.

Große Unsicherheit in der Plasmabranche

Dass die Plasmaspenden einbrechen ist nicht neu – sie waren unter anderem der Hauptgrund, warum CSL im vergangenen Sommer, kurz nach dem Verkünden eines neuen Rekord-Ergebnisses, einen weltweiten Einstellungsstopp verhängt hatte – der auch für Marburg gilt (die OP berichtete). Standortleiter und Geschäftsführer Michael Schröder ordnet die Halbjahresbilanz auf Anfrage der OP wie folgt ein: „Wir haben ein gutes Halbjahresergebnis erzielt, trotz des erheblichen Einflusses der Covid-19-Pandemie auf unser Geschäft. Die Nachfrage nach plasmabasierten Therapien bleibt insgesamt hoch und wir sind mit unserem diversifizierten Portfolio aktuell gut aufgestellt, um unsere Patienten auch in diesen herausfordernden Zeiten verlässlich mit lebenswichtigen Medikamente versorgen zu können.“

Gesamte Branche betroffen

Die gesamte Plasmabranche sehe sich jedoch aufgrund der Pandemie mit erheblichen Unsicherheiten konfrontiert. Dies gelte insbesondere im Hinblick auf die Planbarkeit und Prognose zukünftiger Plasmaspenden, „wofür wir zusätzliche Anstrengungen unternehmen und Investitionen tätigen. Als Reaktion darauf haben wir unsere Einstellungsinitiativen verlangsamt, um mögliche Auswirkungen auf unser Geschäft abzuschwächen. Wir prüfen die Notwendigkeit der Einstellungspause kontinuierlich“, so Schröder. Gleiches gelte für „weitere risikominimierende Maßnahmen, um unsere Geschäftstätigkeit vorausschauend und zuverlässig“ sicherzustellen – für Patienten wie auch Mitarbeitende. „Insgesamt erwarten wir ein unsicheres Marktumfeld, in dem wir uns, wie andere Branchen auch, für die Zukunft positionieren müssen.“

Die Halbjahres-Bilanz fiel vor diesem Hintergrund überraschend positiv aus. „Das Gesamtjahresergebnis wird stark auf das erste Halbjahr verschoben“, verdeutlichte Perreault in diesem Zusammenhang in einer Analysten-Präsentation. Demnach würden die Auswirkungen von Covid-19 – positiv wie negativ – die „Komplexität und Unsicherheit unseres Ertragsprofils“ erheblich erhöhen – und zwar so lange, bis die Pandemie überwunden sei.

Nachfrage nach Grippe-Impfstoff

Wachstumstreiber im ersten Halbjahr war beispielsweise die immense Nachfrage nach Grippe-Impfstoff, für den die CSL-Tochter Seqirus verantwortlich zeichnet. Besonders stark stieg die Nachfrage mit einem Plus von 68 Prozent in Europa. So hat sich das Ergebnis vor Steuern in diesem Segment im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt – auf 693 Millionen US-Dollar.

Doch wird erwartet, dass Seqirus aufgrund des saisonalen Charakters des Grippeimpfstoffgeschäfts im zweiten Halbjahr wohl Verluste erleiden werde. Das Geschäft mit den Kernprodukten von CSL Behring legte im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent auf gut 4,2 Milliarden US-Dollar zu.

Unterm Strich blieben nach einer Umsatzsteigerung um 17 Prozent auf gut 5,5 Milliarden Dollar ein Ergebnis nach Steuern von knapp 1,8 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 44 Prozent. CSL bleibt jedoch bei seiner Prognose für das laufende Geschäftsjahr und geht von einem Endjahres-Gewinn zwischen 2,17 und 2,27 Milliarden US-Dollar aus.

Von Andreas Schmidt

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