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Marburg CSL-Führung bestätigt Stellenabbau
Marburg CSL-Führung bestätigt Stellenabbau
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09:58 18.03.2021
Der Neubau des R&D-Gebäudes am Görzhäuser Hof, wo künftig die „CSL Innovation GmbH“ untergebracht sein soll.
Der Neubau des R&D-Gebäudes am Görzhäuser Hof, wo künftig die „CSL Innovation GmbH“ untergebracht sein soll. Quelle: Tobias Hirsch
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Marburg

CSL Behring hat weitere Details dazu bekannt gegeben, wie die Neustrukturierung der IT im Unternehmen global ablaufen soll. Demnach ist man eine Partnerschaft mit Capgemini eingegangen – einem Unternehmen für Beratungs- und Technologiedienstleistungen mit rund 270.000 Mitarbeitern, wie Michael Schröder, Geschäftsführer und Standortleiter von CSL Behring Marburg, im Gespräch mit der OP erläutert. Capgemini werde zukünftig IT-bezogene Dienstleistungen und operativen Support für CSL weltweit erbringen.

Schröder: IT-Prozesse weltweit sicherzustellen

„Wir glauben, dass diese strategische Partnerschaft uns helfen wird, die Konsistenz unserer IT-Prozesse weltweit sicherzustellen und uns einen besseren Zugang zu neuen technologischen Möglichkeiten zu verschaffen“, teilt das Unternehmen mit. Doch warum ist diese Neuaufstellung überhaupt notwendig? „Zahlreiche Positionen sind innerhalb der drei Unternehmen CSL Plasma, Seqirus und CSL Behring doppelt vorhanden“, erläutert Michael Schröder.

Diese Dopplungen sollen demnach aufgelöst und die Dienstleistungen für die gesamte Unternehmensgruppe gebündelt werden. „Synergien nutzen" heißt das Stichwort, alles Teil des sogenannten „Shape“-Programms, das die Ausrichtung der CSL-Gruppe in der IT bis zum Jahr 2030 beschreibt. Doch damit werde auch der Abbau von Arbeitsplätzen in diesem Bereich einhergehen – wie die Geschäftsführung gegenüber der OP bestätigt.

Arbeitsplätze im IT-Bereich werden abgebaut

„Wir gehen aktuell davon aus, dass aufgrund dieser Veränderungen in Deutschland Arbeitsplätze im IT-Bereich abgebaut werden“, heißt es vonseiten des Unternehmens. Geschäftsführung und Betriebsrat am Standort Marburg befänden sich aktuell in Interessenausgleichs- und Sozialplan-Verhandlungen. „Da die Veränderungen Einfluss auf unsere Mitarbeitenden haben, ist es uns wichtig, baldmöglichst alle Mitarbeitenden umfassend zu informieren. Da noch zahlreiche finale Entscheidungen ausstehen, können wir uns zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu weiteren Details äußern“, heißt es.

Wie viele Stellen also in diesem Bereich abgebaut werden, ließ Michael Schröder gestern offen – „das können wir auch noch nicht genau sagen, die Zahl steht noch nicht fest“. Denn: Nicht alle Jobs würden in dieser Sparte entfallen. Vielmehr würden Stellen – so genannte Rollen – neu oder geändert global ausgeschrieben.

Capgemini beginnt noch in diesem Jahr

Laut OP-Informationen soll dies noch in diesem Monat geschehen. Mitarbeiter hätten dann die Möglichkeit, sich auf diese Rollen zu bewerben. Lediglich Mitarbeitende, deren Rolle es genau so auch weiterhin in Deutschland geben werde, müssten sich nicht neu bewerben. Insgesamt seien in dem Bereich 100 Menschen beschäftigt.

Interessant in diesem Zusammenhang: Global gibt es auch die Möglichkeit, dass sich CSL-Mitarbeiter bei Capgemini im IT-Bereich bewerben können – nicht jedoch in Deutschland, „dort werden keine Mitarbeiter zu Capgemini übergehen“, sagt Michael Schröder. Capgemini werde voraussichtlich noch in diesem Jahr mit IT-Dienstleistungen für CSL beginnen.

Transformation noch nicht abgeschlossen

Die Transformation ist damit jedoch noch nicht abgeschlossen. Denn: Auch die sogenannten „Enabling Functions“ – also der administrative Bereich mit rund 150 Mitarbeitern – wird untersucht. Auch dort „wird geschaut, wie wir die Organisation optimieren und Synergien gewinnen können“, sagt Michael Schröder. Auch dort werden Jobs verloren gehen – und auch dort steht laut Schröder noch nicht fest, wie viele es letztlich sein werden. Denn man stehe dort noch relativ am Anfang.

Geprüft werde beispielsweise, ob man auch auf den administrativen Ebenen – zum Beispiel Rechnungswesen, Personalabteilung, Einkauf und anderen Bereichen – einen externen Partner ins Boot hole, „ob wir das intern konsolidieren und so Optimierungen finden – da laufen noch Projekte“, verdeutlicht der Geschäftsführer. Und da es noch kein „finales Bild“ gebe, könne er auch noch keine valide Zahl nennen.

Schröder: Schwierige Zeiten für Mitarbeiter

Schröder betont: „Es ist uns absolut bewusst, wie schwierig diese Zeiten für unsere Mitarbeitenden sind, auch, weil die Informationsweitergabe durch die laufenden Prozesse nur sukzessive erfolgen kann.“ Dennoch werde man „alles daran setzen, die aktuellen Verhandlungen mit dem Betriebsrat über einen Interessenausgleich und Sozialplan so schnell wie möglich abzuschließen, um die nächsten Schritte im Prozess gehen zu können.

Das bedeutet, Klarheit für die Mitarbeitenden zu erhalten und diese intern und dann auch extern kommunizieren zu können.“

Wollen auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten

Klar sei für die Verhandlungspartner, dass man auf betriebsbedingte Kündigungen „so weit wie möglich“ verzichten wolle. Ob auslaufende Verträge nicht verlängert würden, es Altersteilzeit- oder ähnliche Szenarien oder auch ein Freiwilligenprogramm zum Verlassen der Firma – wie auch schon von anderen Standortfirmen in der Vergangenheit praktiziert – geben werde, stehe noch nicht fest.

Dass übrigens rund 500 Mitarbeiter aus dem Bereich R&D – also Forschung und Entwicklung – in das neue Unternehmen „CSL Innovation“ übergehen, sieht Schröder als „extrem positiv“.

Schröder: Minus an Mitarbeitern

Denn: „Oft, wenn von CSL Behring gesprochen wurde, wurde immer nur vom Produktionsstandort gesprochen. Dass wir aber auch der größte Forschungsstandort sind“, das habe so nicht im Fokus gestanden. Das solle sich durch das neue Unternehmen ändern.

Doch: Auch die Mitarbeiter, die diesen Betriebsübergang absolvieren, sind nicht auf der sicheren Seite – auch sie müssen sich „bis zu einem gewissen Zeitpunkt“ noch der Vergleichbarkeit stellen, „das wurde beim Thema Interessenausgleich so verhandelt“, verdeutlicht Schröder. Er sagt insgesamt für den Standort Marburg: „Wir werden unterm Strich leider ein Minus an Mitarbeitern haben – wie groß, das kann man jetzt noch nicht sagen.“

Von Andreas Schmidt