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Marburg Lieblingsfarbe: Regenbogen
Marburg Lieblingsfarbe: Regenbogen
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09:53 26.06.2021
Im vergangenen Jahr musste der Christopher-Street-Day Mittelhessen aufgrund der Corona-Pandemie ausfallen. Am Samstag will die queere Community wieder auf die Straße gehen – wie hier im Jahr 2019.
Im vergangenen Jahr musste der Christopher-Street-Day Mittelhessen aufgrund der Corona-Pandemie ausfallen. Am Samstag will die queere Community wieder auf die Straße gehen – wie hier im Jahr 2019. Quelle: Archivfoto: Thorsten Richter
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Marburg

Der Christopher-Street-Day (kurz CSD) ist nicht nur wegen der bunten Outfits der Teilnehmenden interessant anzuschauen, auch ein zweiter Blick lohnt sich.

Der Juni ist der sogenannte Pride-Month, der Monat, in dem die Stonewall-Aufstände 1969 stattfanden. In der Stonewall-Bar auf der Christopher Street in New York kam es zu polizeilicher Gewalt gegen eine lesbische Frau. Als sich die Feier-Gesellschaft dann wehrte, kam es zu tagelangen Unruhen. Für die Mitglieder der LGBTIQ+-Community – das heißt lesbian-, gay-, bi-, trans-,intersexed-, queer-, Community – ist dieses Ereignis ein wichtiger Meilenstein im Protest gegen Diskriminierung. Übrigens steht das Plus für alle anderen Geschlechteridentitäten und Sexualitäten.

Der Christopher-Street-Day erinnert an dieses Ereignis und findet jährlich in vielen Städten weltweit statt – auch in Marburg. Am Samstag, 26. Juni, startet die Demo ab 12 Uhr am Hauptbahnhof und zieht bis zum Erwin-Piscator-Haus, wo sie mit einer Kundgebung endet.

Das Veranstaltungskomitee freut sich auf viele bunte Farben: „Nachdem wir im vergangenen Jahr leider nur eine Kundgebung veranstalten durften, freuen wir uns, dieses Jahr wieder auf die Straße gehen zu können“, sagt Christian Kim, Mitglied der Netzwerkstelle LSBTI*Q Hessen und Mitglied des Veranstaltungskomitee des CSD Mittelhessen.

Nicht umsonst steht die Regenbogenflagge für die LGBTIQ+-Community. „Die Regenbogenfahne ist erst einmal ein Erkennungszeichen“, erklärt Katharina Völsch von der Antidiskriminierungsstelle der Uni in Marburg und ebenfalls Komiteemitglied. „Allerdings unterliegt auch die Regenbogenfahne einem stetigen Erweiterungsprozess“, sagt Völsch. In den vergangenen Jahren seien immer mehr Symbole und Farben zu der Flagge hinzugefügt worden. So beispielsweise auch die Farben Braun und Schwarz, welche die People of Color im Kampf gegen Diskriminierung bewusst einschließen sollen.

„Es geht darum, sich sichtbar und auf das Thema Ausgrenzung aufmerksam zu machen“, sagt David Lewandowski, auch Mitglied des Veranstaltungskomitees. Dabei seien die bunten Farben ein Ausdrucksmittel. „Es geht um Stolz, stolz darauf zu sein, dass man queer ist, stolz zu sein auf die Kämpfe, die wir schon für uns gewinnen konnten und das Feiern gehört da ganz klar dazu“, sagt Kim. Andererseits gebe es einen weitaus ernsteren Kontext, die Diskriminierung, die „quasi vor unserer Haustür stattfindet“, merkt Völsch an. Man müsse nicht so weit schauen, viele queere Personen aus der EU würden in ihren Ländern noch stark diskriminiert. „Mit der Demo zeigen wir, dass wir kämpferisch sind. Die ein oder andere Person verarbeitet mit dem CSD auch alltägliche Anfeindungen, die sie erleben muss“, sagt Lewandowski.

Die Teilnehmenden erwarte eine Demo mit Redebeiträgen verschiedener Art mit einer anschließenden Kundgebung inklusive Konzert am und im Erwin-Piscator-Haus. Getreu dem Motto „Queer durch die Krise“ soll gezeigt werden, dass „wir immer noch da sind, auch während der Pandemie“, sagt Kim: „An erster Stelle ist die Demo allerdings für uns da, weil viele queere Personen es während der Pandemie nicht einfach hatten.“ Das habe daran gelegen, dass viele Einrichtungen, die Betroffenen Hilfe anbieten können, durch die Corona-Krise stark eingeschränkt wurden.

Das Motto der Veranstaltung sei ein bewusst gewähltes Wortspiel. Zum einen gibt es queeren Personen die Möglichkeit, sich sichtbar zu machen, zum anderen soll es auf die Problemzonen aufmerksam machen, um Verachtung und Ausgrenzung zu bekämpfen. Erwartet werden 500 bis 1 000 Menschen.

Auch heterosexuelle Menschen sind von der Veranstaltung nicht ausgeschlossen. „Natürlich können Hetero-Personen zu unserer Demo dazukommen“, sagt Kim: „Wir freuen uns darüber, wenn auch Heterosexuelle sich für uns einsetzen.“ Die Redebeiträge würden aber prinzipiell von und für queere Personen gestaltet.

Von Larissa Pitzen