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Marburg Buntes Treiben
Marburg Buntes Treiben
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10:54 24.10.2021
Das Zeltlager in Holzhausen am Hünstein, wo Anfang der 1950er Jahre die Schülermannschaften des VfL Marburg mit ihrem langjährigen Jugendleiter Rudi Sielaff ihre Jugendfreizeiten verbrachten.
Das Zeltlager in Holzhausen am Hünstein, wo Anfang der 1950er Jahre die Schülermannschaften des VfL Marburg mit ihrem langjährigen Jugendleiter Rudi Sielaff ihre Jugendfreizeiten verbrachten. Quelle: PrivatFotos
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Marburg/Buchenau

Hier herrscht ja ein buntes Treiben! Dieser bekannte Ausruf, gerne auch mal als etwas oberflächliche bildhafte Beschreibung gebraucht, lässt sich auf ganz verschiedene Situationen anwenden. Ob auf ein geschäftiges Markttreiben, eine fröhliche Vereinsfeier, ein turbulenter Schlagabtausch beim Fußballspiel oder auf die Erlebnisse eines Lehrers mit einer quirligen Schulklasse. Auf alle historischen Bilder auf dieser Seite trifft der Ausdruck in irgendeiner Art und Weise zu.

Trubel im Zeltlager

Da haben wir einmal einen Eindruck aus einem Zeltlager in Holzhausen am Hünstein aus dem Jahr 1950. Dort verbrachten Anfang der 50er-Jahre die Jugendmannschaften des VfL Marburg ihre Jugendfreizeiten. Ihr langjähriger Jugendleiter Rudi Sielaff begleitete sie. Albert Schmidt aus Cappel war damals als Junge dabei und erinnert sich noch gut an die Zeit, als sich das Zeltlager noch im Anfangsstadium befand. „Die Verpflegung war nicht gerade üppig und von sanitären Anlagen konnte keine Rede sein. Dafür war der Donnerbalken legendär“, verrät Schmidt mit einem Augenzwinkern.

Das war eben so, „unsere Kriegsgeneration war alles andere als verwöhnt – im Vordergrund stand die Kameradschaft unter uns Jungens“, erinnert er sich heute noch an viele schöne Tage im Zeltlager. Dort wurde natürlich Fußball gespielt oder im nahen Waldschwimmbad geschwommen. Abends saßen die Jungs mit ihrem Jugendleiter am Lagerfeuer und sangen Lieder, „da schmetterten wir aus voller Lunge, zum Beispiel ,Jenseits des Tales’ – das Lieblingslied von Rudi Sielaff, er war ein toller Betreuer“, freut sich Schmidt über ein „unvergessliches Jugenderlebnis“.

Markttag in Marburg um 1930. Marktfrauen in evangelischer Tracht bieten ihre Waren an, rechts außen ist Elisabeth Kaletsch zu sehen, die Großmutter von Christa Schmidt. Ihr Man Albert Schmidt hat das Foto aufbewahrt. Quelle: Privat

Harte Arbeit der Marktfrauen

Auch das Foto vom Marburger Wochenmarkt auf dem Marktplatz hat er aufbewahrt: Es zeigt eine Reihe Marktfrauen in evangelischer Tracht aus Caldern, Niederwetter und Wittelsberg um das Jahr 1930. Rechts außen ist Elisabeth Kaletsch zu sehen, die Großmutter von Albert Schmidts Frau Christa.

Zu ihrem Angebot gehörten Obst, Gemüse, Eier, Butter, Käse. Auch Hühner, Enten oder Gänse. Alle Waren wurden zu Hause in Körbe gepackt und kilometerweit nach Marburg getragen, teils auch auf dem Kopf. „Sie waren Meisterinnen im Balancieren, einige trugen am Arm noch zusätzlich einen Henkelkorb. Die eindeutige Körperhaltung der Marktfrauen spiegelt deren mühseliges Geschäft wider“, so sein Eindruck des Bildes, das eine geliebte Erinnerung darstellt.

Buchenauer und Elmshäuser Kinder der Geburtsjahrgänge 1906 und 1907 mit ihrem Lehrer Jost Barth. Die Aufnahme entstand im Jahr 1913 oder 1914. Der Verein Dorfleben Buchenau hat das historische Bild aufbewahrt. Quelle: Privat

Lange Schulwege

Auf dem Gruppenbild sieht man Kinder aus Buchenau und Elmshausen der Geburtsjahrgänge 1906 und 1907 mit ihrem Lehrer Jost Barth. Die Aufnahme ist im Jahr 1913 oder 1914 entstanden und stammt aus dem reichen Archiv des Vereins „Dorfleben Buchenau“. Die beiden Orte gehören zum Kirchspiel Buchenau/Elmshausen. Die Kinder beider Dörfer wurden in der Volksschule in Buchenau gemeinsam unterrichtet.

Hatten die Buchenauer Kinder noch einen sehr kurzen Weg zur Schule, so bedeutete dies für die Kinder aus Elmshausen eine Entfernung von etwa zwei Kilometer, die täglich bei Wind und Wetter zu Fuß zurückgelegt werden mussten. Hin und wieder ergab sich immerhin die Möglichkeit, auch mal mit dem Kuh- oder Pferdegespann mitzufahren, wenn etwa der Milchwagen vorbeikam.

Diese Aufnahme aus dem Jahr 1953 zeigt Sänger bei einem Festzug anlässlich des 90-jährigen Stiftungsfest des Männergesangvereins Cappel 1863. Namentlich bekannt sind: Konrad Elmsheuser (auf dem Kutschbock links ) , Jakob Rein (rechts daneben), Peter Gerber (links stehend) und ebenfalls stehend ganz rechts Siegfried Beck. Quelle: Privat

Fröhliches Jubiläumsfest

Und dann sehen wir noch einen feucht-fröhlichen Festumzug des Männergesangvereins Cappel, der im Jahr 1953 zum 90-jährigen Jubiläum ein Stiftungsfest veranstaltete. Die Männer auf dem Bild haben sichtlich Freude an dem Umzug, bei dem mit Sicherheit ebenfalls zahlreiche Lieder geschmettert wurden.

Von Ina Tannert