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Marburg In Marburg geht’s gegen den Trend
Marburg In Marburg geht’s gegen den Trend
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16:58 30.07.2022
Das Baugebiet in Michelbach-Nord.
Das Baugebiet in Michelbach-Nord. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Jahrelang kannten die Preise für Immobilien nur eine Richtung – nach oben. Die Preise für Häuser und Eigentumswohnungen stiegen jährlich um bis zu zehn Prozent, in angesagten Lagen noch mehr.

Steigende Zinsen und höhere Baukosten führen jetzt zu einer Wende auf dem Immobilienmarkt. Bundesweit sinkt die Nachfrage an Kaufobjekten vor allen in den deutschen Metropolen. Wie eine aktuelle Analyse des Immobilienportals Immonet zeigt, stagnieren in sieben der größten deutschen Städte die Kaufpreise, in manchen Städten sinken sie sogar leicht.

Anders hingegen die Situation in Marburg. Gegen den bundesweiten Trend sind die Preis in der Unistadt für Häuser und Wohnungen nach wie vor stabil. Gleichzeitig aber steigt auch in Marburg die Nachfrage nach Mietwohnungen.

„Baupreise nicht mehr kalkulierbar“

Berthold Wiora, Inhaber von Wiora-Immobilien, sagt zur aktuellen Lage auf dem Marburger Immobilienmarkt: „Für klassische Wohnungen und Einfamilienhäuser sind die Zahlen in Marburg stabil geblieben. Wir erwarten laut Prognose einen Zuzug von 10.000 Menschen in den nächsten Jahren. Somit gehen wir nicht davon aus, dass die Preise fallen werden.“ Dies sei auch der Grund, warum die Leerstände in Marburg wohl nicht zunehmen werden.

Allerdings seien die stark steigenden Baukosten der Grund dafür, dass sich weniger Menschen den Traum vom selbstgebauten Eigenheim erfüllen können. „Wir können sehen, dass es tendenziell weniger Neubauten geben wird. Wir haben bereits Interessenten, die ihre Baugrundstücke zurückgeben wollen, weil ihr Bau bei den momentanen Bau- und Rohstoffpreisen nicht mehr kalkulierbar ist“, so der Immobilienexperte.

Manuel Krämer, Vertriebsleiter der Immobilien bei der Deutschen Bank und der Postbank, geht lediglich von einer überschaubaren Trendumkehr aus. „In den vergangenen Jahren in der Vorkriegszeit sind die Immobilienpreise praktisch explodiert.

Mehr Auswahl für Käufer, weniger für Mieter

So haben wir beispielsweise in Wehrda vor zirka elf Jahren eine Eigentumswohnung für 125.000 Euro verkauft, die dann zu Spitzenzeiten für 235.000 Euro wieder verkauft wurde. Die Zinsen sind von Januar bis jetzt um das Dreifache gestiegen, sodass wir eine leichte Trendumkehr auch in Marburg und Umgebung verzeichnen.“

Und was erwarten die Immobilien-Experten für die Zukunft? Wiora sieht künftig keine weiteren Preissprünge. Er sagt: „Wir werden nicht zum Beispiel an die Hamburger Preisverhältnisse herankommen.“ So lägen die Preise in Marburg zwischen 4.500 und 5.000 Euro pro Quadratmeter, in der Hafen-Metropole Hamburg stehen diese bei 6.000 bis 7.000 Euro pro Quadratmeter. In manchen Lagen sogar deutlich höher.

Vorsichtig umschreibt Manuel Krämer seine Sicht in die Zukunft: „Wir gehen davon aus, dass sich zunehmend Unsicherheit breit macht, sodass die Zinsen weiter steigen. Menschen, die zu Top-Zinssätzen gekauft haben, werden künftig mehr zahlen müssen, sodass das Angebot in der Stadt steigen wird“, sagt er. Im Klartext: Wer künftig kaufen will, hat wahrscheinlich eine größere Auswahl an Objekten, wer mieten muss oder möchte, für den wird das Angebot sehr überschaubar bleiben. Dafür aber teurer …

Von Larissa Pitzen