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Marburg SPD will mehr Tempo beim Klimaschutz
Marburg SPD will mehr Tempo beim Klimaschutz
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17:59 31.08.2021
Jürgen Rausch (von links), Geschäftsführer der Gewobau, Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, Bundesumweltministerin Svenja Schulze sowie Bundestagsabgeordneter Sören Bartol auf dem Balkon einer neuen Wohnung mit Blick auf das Marburger Schloss.
Jürgen Rausch (von links), Geschäftsführer der Gewobau, Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies, Bundesumweltministerin Svenja Schulze sowie Bundestagsabgeordneter Sören Bartol auf dem Balkon einer neuen Wohnung mit Blick auf das Marburger Schloss. Quelle: Tobias Kunz
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Marburg

Freundliche Begrüßungen, strahlende Gesichter: Die guten Umfragewerte sind Balsam für die Seele der heimischen Sozialdemokraten, wie auch für Bundesumweltministerin Svenja Schulze, die auf Einladung ihres Parteikollegen und Direktkandidaten Sören Bartol am Montagabend nach Marburg kam, um sich ein besonderes Projekt des kommunalen Wohnungsunternehmens Gewobau anzusehen.

Und dieser Neubau am Fuße des Richtsbergs war ganz nach Schulzes Geschmack. „Wir wollen, dass mehr mit Holz gebaut wird“, sagte die Bundesumweltministerin. Und das Projekt der Gewobau erfüllt dieses Kriterium nahezu vollkommen. Es sei das erste Objekt, dass das Unternehmen in dieser Form errichtet, sagte Geschäftsführer Jürgen Rausch.

In der Friedrich-Ebert-Straße 1 in Marburg entsteht, wo früher ein Spielplatz war, ein fünfgeschossiges Wohnhaus in serieller Holz-Hybrid-Bauweise. Das heißt: Beim Bau wird zu einem Großteil Holz verwendet, nur wo es unabdingbar ist, kommt Beton zum Einsatz, beispielsweise in den Decken. Und: Das Gebäude wird in einzelnen Teilen angeliefert, die vor Ort zusammengesetzt werden. Die Wände werden vorgefertigt geliefert, wie auch die Bäder.

In dem Neubau, in dem 15 Wohnungen entstehen sollen, werden durch das Holz 100 Tonnen CO2 gebunden, erklärt Steven Hahn, Bauleiter der ausführenden B&O Service AG. Das Dach soll begrünt werden, an einer Außenwand hängt ein Häuschen für Fledermäuse. Bei der Planung habe die Gewobau genau auf die lokalen Gegebenheiten des Grundstücks, das früher der Kirche gehörte, geachtet, sagt Geschäftsführer Rausch. Der Einbau einer Zisterne sei nicht möglich gewesen, dafür habe man Wert darauf gelegt, möglichst viele Bäume an ihrem Ort zu lassen.

Pro Woche entsteht ein Geschoss

Pro Woche entsteht etwa ein Geschoss, sagt Bauleiter Hahn. Wände aufstellen, Bäder einsetzen, Decke, Beton, fertig. Die Bäder sind barrierefrei, zudem soll es einen Aufzug geben. Im November sollen die ersten Mieter einziehen. Der Quadratmeter-Preis beträgt 8,40 Euro. Man wolle Mieter ansprechen, die auf dem normalen Markt nicht mithalten können, aber zu viel verdienen, um einen Anspruch auf eine Sozialwohnung zu haben.

Um das selbst gesteckte Ziel der Stadt Marburg, bis 2030 klimaneutral zu sein, zu erreichen, brauche es Projekte wie dieses sowie energetische Sanierungen, sagte Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD). Wichtig sei es aber, dass die Kosten nicht auf dem Rücken der Mieter abgewälzt werden. Dem pflichtete der heimische Bundestagsabgeordnete Bartol bei. Andere Parteien, so Bartol, sehen das indes nicht so wie die Sozialdemokraten.

Klimaziele erreichen? Unmöglich!

Eitel Sonnenschein also? Mitnichten, wie die anschließende Diskussionsrunde mit Bauunternehmen und -genossenschaften zeigte. Vieles scheitere in Deutschland an der Bürokratie. Beispielsweise müsse man sich entscheiden, ob man Fördergelder für eine nachhaltige Bauweise oder für den Einbau erneuerbarer Energien abrufen wolle. Beides zusammen gehe jedoch nicht, berichteten Vertreter. Ob man in diesem Tempo die Klimaziele erreichen könne, wollte Bartol von der Gruppe wissen. „Unmöglich“, sagte Hans-Martin Seipp, 1. Beigeordneter der Gemeinde Münchhausen und Bauunternehmer. Für diese Einschätzung erhielt der Kreistagsabgeordnete, der sich selbst aufgrund seiner SPD-Mitgliedschaft und Selbstständigkeit als „aussterbende Spezies“ bezeichnete, Zustimmung aus den Reihen.

Was also tun? Für Bartol ist die Antwort einfach: ein Sieg der SPD bei der Bundestagswahl. Dann könne man Koalitionsverhandlungen „von vorne“ führen und das Tempo in Sachen Klimaschutz erhöhen. Schulze sagte, man müsse Geld, Hilfe und Beratung anbieten. Denn: „Wir brauchen die Kommunen, um CO2 einzusparen.“ Sie selbst könne sich gut vorstellen, Bundesumweltministerin zu bleiben. Wichtiger sind in ihren Augen aber zunächst zwei andere Punkte: dass ihr Parteikollege Olaf Scholz Bundeskanzler wird und dass die CDU/CSU aus der Regierung fliegt.

Von Tobias Kunz

31.08.2021
31.08.2021