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Marburg Zweitstimmenergebnisse in Marburg-Biedenkopf
Marburg Zweitstimmenergebnisse in Marburg-Biedenkopf
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00:06 27.09.2021
Auszählung in der Adolf-Reichwein-Schule.
Auszählung in der Adolf-Reichwein-Schule. Quelle: Nadine Weigel
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Marburg-Biedenkopf

Ganz knapp hatte vor vier Jahren bei der CDU in Marburg-Biedenkopf eine Drei an erster Stelle des Zweitstimmenergebnisses gestanden. Davon waren die Christdemokraten am Sonntagabend (26. September) weit entfernt: Nur gut 22 Prozent konnte Dr. Stefan Hecks Partei im Wahlkreis einsammeln – ein ähnlich schmerzhafter Absturz wie auf Bundesebene. Stefan Heck sagte am Rande seiner Partei in der Dammühle in Wehrshausen: „Wenn wir zusammenkommen, haben wir immer einen Grund zum Feiern. Heute sieht es nicht danach aus.“ Der CDU-Direktkandidat wirkte sichtlich bedrückt und zeigte sich sehr unzufrieden mit den ersten Hochrechnungen – nicht nur über sein persönliches Wahlergebnis: „Das ist eine dramatische Stunde für die CDU/CSU in Deutschland. Wir sind weit entfernt von unserem Anspruch. Da sollten 30 Prozent stehen, nicht weniger.“

Ein wenig mehr Grund zum Feiern hatten die Grünen in Marburg-Biedenkopf im KFZ, auch wenn die Zahlen aus Berlin den Jubel über das Wahlkreisergebnis trübten und die Stimmung leicht verhalten war: Geklatscht wurde zwar, dennoch blieb der große Jubel aus. 9,3 Prozent hatte die Umweltpartei vor vier Jahren im Wahlkreis eingesammelt, jetzt landete sie bei knapp 16 Prozent der Zweitstimmen. „Das Ergebnis ist wie erwartet, allerdings hätten wir uns mehr erhofft“, sagte am Wahl-Abend die heimische Direktkandidatin der Grünen, Stephanie Theiss, auf der Wahlparty ihrer Partei im KFZ. Dort war auch die hessische Wissenschaftsministerin Angela Dorn. Sie sagte: „Es war eine Wahl, bei der wir alle nervös waren, dennoch haben wir ein historisches Ergebnis erzielt, sind allerdings unter unserem Potenzial geblieben.“ Sie nehme die Zustimmung der Wählerinnen und Wähler ernst: „Es war ein klares Votum dafür, dass die Grünen mitregieren sollen“, sagte Dorn. Auf die Frage, welches Regierungsbündnis sie persönlich favorisiert, sagte Dorn: „Programmatisch ist uns die SPD am nächsten. Aber wir müssen aufpassen, dass wir von ihr nicht überrollt werden.“

SPD legte stark zu

Die SPD legte stark zu und verbesserte ihr Ergebnis von 2017 (26,42 %) auf ein Resultat von rund 30 Prozent. Da kam in der Waggonhalle schon Stimmung auf, zumal nicht nur Direktkandidat Sören Bartol gefeiert wurde, sondern auch Kanzlerkandidat Olaf Scholz. Schon nach den ersten Hochrechnungen, die über die Leinwand flimmerten, brachen manche Genossinnen und Genossen in Jubel aus. Bartol sagte, ihn freue besonders, dass die SPD bei den Zweitstimmen so klar vor der CDU lag. Aber er prognostizierte auch: „Es werden harte Koalitionsverhandlungen.“

Für die Linken wurde der Abend in ganz Deutschland zur Zitterpartie, lange lautete die bange Frage, ob nach der Auszählung aller Stimmen eine Fünf vor dem Komma stehen würde. Im Wahlkreis Marburg-Biedenkopf war das am Ende der Fall – alles andere als ein Grund zur Freude, denn 2017 hatte die Linke noch gut zehn Prozent der Zweitstimmenwählerinnen und -wähler von ihrer Politik überzeugen können.

Zitterpartie für die Linke

Der hessische Linken-Landesvorsitzende Jan Schalauske räumte früh eine Niederlage ein. Die Hochrechnungen seien „sehr ernüchternd“ und ein „herber Rückschlag“. Er hoffe, dass seine Partei in der Endabrechnung über der Fünf-Prozent-Hürde für den Einzug in den Bundestag als Fraktion liegen werde.

Zwei andere Parteien ließen die Linke auch in Marburg-Biedenkopf hinter sich: die FDP und die AfD. Den Liberalen gelang ein Ergebnis von gut 10 Prozent, die „Alternative“ pendelte sich bei knapp 9 Prozent ein.

Ein letzter Blick auf Zweitstimmenergebnisse der Parteien, die in Marburg-Biedenkopf ebenfalls eine Direktkandidatin oder einen Direktkandidaten ins Rennen geschickt hatten: Das Ergebnis der „Basis“ lag bei etwa 1,3 Prozent. Die Freien Wähler erreichten knapp 1,3 Prozent. Das „Internationalistische Bündnis“ und die „Marburger Pogo-Anarchisten“ standen zwar mit Direktkandidaten, nicht aber mit einer Liste auf dem Wahlzettel.

Von unseren Redakteurinnen und Redakteuren