Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Marburg Ohne Helfer geht es nicht
Marburg Ohne Helfer geht es nicht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:58 13.08.2021
Eine Wahlhelferin nimmt sich nach der Kommunalwahl im März einen Stapel Stimmzettel von einem Tisch in der Sporthalle der Kaufmännischen Schulen. Bei der Bundestagswahl sind die Wahlzettel zum Glück übersichtlicher.
Eine Wahlhelferin nimmt sich nach der Kommunalwahl im März einen Stapel Stimmzettel von einem Tisch in der Sporthalle der Kaufmännischen Schulen. Bei der Bundestagswahl sind die Wahlzettel zum Glück übersichtlicher. Quelle: Tobias Hirsch
Anzeige
Marburg

Ohne sie geht bei Wahlen nichts – die zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer. Und vor jeder Wahl geht die Suche nach den Wahlhelfern von neuem los – derzeit läuft beispielsweise auch in Marburg die Suche nach der nötigen Unterstützung für die Bundestagswahl am 26. September auf Hochtouren. Doch Fachdienstleiter Dieter Finger ist ganz gelassen: „Das wird kein Problem“, ist er sich sicher. Denn von den Berufenen hätten grob geschätzt bereits rund 550 Personen zugesagt. Darüber hinaus haben sich schon 135 Freiwillige als Wahlhelferinnen und -helfer angemeldet. Also benötige man noch rund 150 Personen, wobei noch Rückmeldungen von weiteren Berufenen ausstünden. Benötigt werden neun Personen je Wahllokal.

Auch wenn Finger – anders als bei der Kommunalwahl – bei einer Bundestagswahl nicht Wahlleiter sei, so „sind wir, wie alle anderen Städte und Gemeinden in der Verantwortung, dass die Wahlen ordnungsgemäß über die Bühne gehen“. Und das sei unter Corona-Bedingungen nicht einfach, „auch, wenn wir bei der Kommunalwahl und der Oberbürgermeister-Stichwahl schon praktische Erfahrungen sammeln konnten“. Das dabei zum Einsatz gekommene Equipment, wie etwa Trennwände, „wird sowohl in den 74 Wahllokalen als auch in den 30 Briefwahlbezirken wieder zum Einsatz kommen“. Das betreffe natürlich auch die Wahlhelfer, „die sich unter diesen Bedingungen bereit erklären, uns zu unterstützen“.

21 Euro zahlt der Bund pro Person

Sollten für den Wahltag nicht genug Helfer gefunden werden, können diese auch einfach verpflichtet werden. Abgelehnt werden kann dies nur aus einem wichtigen Grund. „Aber wir freuen uns natürlich über die vielen Freiwilligen, die sich melden. Denn es nutzt ja nichts, wenn jemand aus Zwang im Wahllokal sitzt und eigentlich überhaupt nicht mitarbeiten möchte“, weiß Finger. Bisher sei es nicht vorgekommen „einfach jemanden aus dem Melderegister zu ziehen und diese Person zu verpflichten“. Sechs Wochen sind es noch, um die verbleibenden Plätze zu füllen. „Wir haben intern noch einmal einen Aufruf gestartet, das werden wir auch extern tun“, sagt Finger. Doch seien gerade noch Ferien und auch vorlesungsfreie Zeit. „Aber die Erfahrung lehrt, dass es genügend Interessenten gibt, um die Wahlhelfer zusammenzubekommen.“

Vor der Kommunalwahl im März– also der ersten Wahl unter Corona-Bedingungen – gab es daran durchaus Zweifel. „Die Wahlvorstände gerade in den Ortsteilen sind häufig eingespielte Teams, die machen das gerne zusammen“, weiß Finger. In der Innenstadt sei es durchaus schwieriger gewesen, „aber insgesamt waren wir erstaunt, dass wir die Wahlhelferinnen und Wahlhelfer schnell beisammen hatten“.

Flankiert worden sei das auch dadurch, dass man das „Erfrischungsgeld“ etwas angepasst habe. „Jetzt bei der Bundestagswahl gibt es vom Bund 21 Euro – das finden wir doch ein wenig schmal, um sich den ganzen Wahlsonntag um die Ohren zu schlagen“, sagt Finger. Daher zahle die Stadt zwischen 50 und 60 Euro, „je nach Verantwortung der Person“, ein Wahlvorsteher bekomme also geringfügig mehr. Was muss denn ein Wahlhelfer können? „Er oder sie sollte des Lesens und Schreibens mächtig sein“, sagt Finger. Denn zu den Aufgaben zählt es, die Namen mit dem Wählerverzeichnis abzugleichen, die Wahlbenachrichtigung zu kontrollieren – und später dann auch die Stimmzettel zu zählen. „Ansonsten ist es völlig unerheblich, ob es Metzger, Bäcker oder Studienräte sind“, sagt Finger. Es gibt vorab eine Einweisung – dann kann es losgehen. Außerdem können Wahlhelfer nur Menschen werden, die für die Bundestagswahl wahlberechtigt sind – in Hessen also 4,3 Millionen Menschen.

Finger weiß, dass für den Umgang mit „seinen“ Wahlhelfern schon ein gewisses Fingerspitzengefühl nötig sei. „Denn viele machen das schon seit vielen Jahren mit ganz viel Herzblut. Und dann kann es zur Situation kommen, dass jemand vielleicht ein gewisses Alter erreicht hat, wo es schwierig wird, dass er das Amt noch gut begleiten kann.“ Das sei jedoch eine „informelle Ebene, denn wahlberechtigt ist man auch mit 100 noch“.

Wie können die Helfenden denn selbst wählen? „Beispielsweise per Briefwahl“, sagt Dieter Finger. „Oder eben nach oder vor ihrer Schicht, denn die Helfer sind in der Regel erst einmal nur fünf Stunden im Einsatz.“ Erst ab 18 Uhr seien dann wieder bei der Auszählung alle an Bord, „denn dann wird jede Hand gebraucht“.

Wenn in einem Wahllokal die Wahl äußerst knapp ausfällt – wird dann automatisch noch einmal ausgezählt? „In der Regel nicht, denn dazu gibt es keine Veranlassung. Grundsätzlich gilt: Was in den Wahlbezirken gezählt und von den Wahlvorständen übermittelt wurde, ist erst einmal korrekt. Denn dafür ist der Vorstand verantwortlich.“ Grundsätzlich werde die Wahlniederschrift von allen neun Wahlhelfern unterschrieben.

Und wie werde ich Wahlhelfer? „Indem Sie eine mail an wahlen@marburg-stadt.de schreiben, etwas zu sich erklären und vielleicht auch einen Wunsch angeben, in welchem Wahllokal Sie gerne eingesetzt werden möchten“, sagt Finger. „Und dann schauen wir, ob wir in den Bereichen oder ganz generell noch Bedarf haben – und wenn ja, dann bekommen Sie ein Berufungsschreiben.“ Muss ich denn in Marburg wohnen, um in Marburg Wahlhelfer zu sein? „Nein, bei der Bundestagswahl nicht“, sagt Finger. Doch würden sich die Leute in der Regel dort bewerben, wo sie auch wohnen.

Für Finger steht fest: „Als Wahlhelfer kann ich direkt dazu beitragen, dass Wahlen und damit das Wesen der Demokratie vor Ort umgesetzt werden“ – das sei für viele Helfenden eine große Motivation.

Von Andreas Schmidt