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Marburg „Es sind einfach zu viele Autos“
Marburg „Es sind einfach zu viele Autos“
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00:18 18.05.2019
In Michelbach regt sich Widerstand: Jutta Richebächer (von links), Andrea Posingies, Anne Ebert, Helke Klein, Siegfried Posingies, ­Nicole Paul und Lothar Klein sind auf dem Weg, eine Bürgerinitiative zu gründen. Am Montag haben sie am Ortseingang aus Richtung Sterzhausen zwei Puppen drapiert, um auf den Durchgangsverkehr in ihrem Ort aufmerksam zu machen. Quelle: Tobias Kunz
Michelbach

Lothar und Helke Klein sind im September 2017 nach Michelbach gezogen. Tempo 30 und eine Umgehungsstraße lockten die beiden in die Michelbacher Straße.

„Davon merken wir aber nichts“, sagt Helke Klein. Nicht jeder Pendler, der zu den Behringwerken will, fahre tatsächlich über die Umgehung. Und nicht jeder halte sich an das Tempolimit im Ort.

Gemeinsam mit anderen Michelbachern sind die Kleins deshalb jetzt „auf dem Weg zu einer Bürgerinitiative“.

Am Donnerstag, 9. Mai, hatte sich eine Gruppe von rund 30 Michelbachern das erste Mal getroffen, am Montag direkt die erste Aktion umgesetzt. Mit Plakaten und Hindernissen aus Autos, Mülltonnen und Spielgeräten machten sie auf ihre Forderung aufmerksam: „Kein Durchgangsverkehr durch unser Dorf.“ Der Vorstoß reiht sich in die monatelangen Diskussionen um den Verkehr im Marburger Westen ein (die OP berichtete hier und hier).

Vorwurf: Neubaugebiet als Abkürzung genutzt

Den Michelbachern geht es vor allem um die vielen Pendler, die auf dem Weg zu den Behringwerken den vermeintlich kürzeren und schnelleren Weg durch Michelbach nehmen. Laut Lothar Klein spare man dadurch aber keine zwei Minuten Zeit. „Das ist es doch lächerlich, die Umgehung nicht zu benutzen“, sagt Mitaktivistin Anne Ebert.

Verkehrszählung

Für Michelbach sind die Daten bei der aktuellsten städtischen Verkehrszählung noch nicht erfasst worden. Zumindest für den Bereich rund um die B62-Abfahrt bei Sterzhausen und Michelbach-Nord ­liefern allerdings Berechnungen von Hessen Mobil aus den Jahren 2010 und 2015 Hinweise auf die Auto- und Lkw-Belastung der Straßen.

Laut Hessen Mobil hat es demnach zwischen Sterzhausen und Michelbach, auf dem Behringwerke-Pendlerteilstück der K79, einen Rückgang der Verkehrsmenge gegeben: Waren es im Jahr 2010 noch 4.050 Autos (164 Lkw), sank das tägliche Jahresmittel in den Folgejahren auf 3.600 (64 Lkw).     

In den Haupt-Pendelzeiten sei zudem nicht nur die Michelbacher Straße vom Durchgangsverkehr betroffen. Auch die Straße Zum Kalkberg werde vermehrt genutzt.

Dies ist dann der Fall, wenn sich der Verkehr bereits im Kreisel vor Michelbach staut und Pendler deshalb über das Neubaugebiet abkürzen. „Es sind einfach zu viele Autos“, sagt Lothar Klein.

Zwar sei die Zahl in den vergangenen Jahren leicht zurückgegangen. In nächster Zeit aber erwarten die Michelbacher tendenziell mehr Verkehr, wenn der Standort in Görzhausen weiter ausgebaut wird. Insgesamt rund 2.000 weitere Arbeitsplätze könne es dort geben, sagen die Aktivisten.

Info-Abend am Donnerstag

Das Problem des zusätzlichen Verkehrs werde auch die Umgehungsstraße dann nicht mehr lösen können, sagt Lothar Klein. Er fordert ein Verkehrskonzept, das die Pendelei unattraktiv macht. Und das nicht nur für Michelbach, sondern den gesamten Marburger Westen. „Langfristig können wir ­allein in Michelbach nichts ­erreichen“, sagt Lothar Klein.

Wie es für die Aktivisten weitergeht, soll das nächste Treffen zeigen. Am Donnerstag, 16. Mai, um 19 Uhr laden die Michelbacher zu einer öffentlichen Sitzung in ihrem Bürgerhaus. Dort gelte es „einen gemeinsamen Nenner“ zu finden, sagt Lothar Klein. Eines ist für die Aktivisten jedoch jetzt schon klar: „Wir wollen, dass unser Dorf ein Dorf bleibt“, sagt Anwohnerin Jutta Richebächer.

von Tobias Kunz