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Marburg Afföller-Verkauf: Bündnis schlägt Kita vor
Marburg Afföller-Verkauf: Bündnis schlägt Kita vor
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15:00 25.08.2019
Kulturbetrieb mit Café Trauma und „Theater neben dem Turm“ oder Seniorenwohnheim als Teil der Pohl-Firmenfamilie? Passt beides zusammen? Um die Zukunft des Afföller-Areals gibt es seit Monaten Diskussionen. Quelle: Björn Wisker
Marburg

„Dieser Platz ist anders nutzbar – und das wollen wir mit verschiedenen Aktionen zeigen“, sagt eine der 60 Aktivistinnen, die sich nun getroffen und konkrete Protestaktionen gegen den möglichen Verkauf des Afföllerparkplatzes geplant haben.

„Das Gelände muss in öffentlicher Hand bleiben, die Stadt hat das zu gestalten, es gehört uns allen und darf kein Exklusiv-Eigentum werden“, sagte ein anderes Bündnis-Mitglied. „Was aus dem Biegeneck geworden ist, dient als ein abschreckendes Beispiel. Wir wollen nicht, dass am Afföller dasselbe passiert“, sagt der Aktivist in Anlehnung an die Diskussion samt Umgestaltung des Gebiets rund um den alten Schlachthof in den 1990er-Jahren.

Eine Gruppe, die jetzt „Aktionsbündnis Afföller retten“ heißt. Die Namensgebung zu klären, war den Organisatoren wichtig: Denn ob man denn nun den Afföller oder das Trauma-Areal retten, behalten – oder doch lieber gestalten? – solle, sorgte für eine einstündige Grundsatzdebatte in den Mauern des Szeneladens auf dem Ex-Gaswerkgelände.

Das Aktionsbündnis sieht vor allem die Kulturbetriebe – neben dem Trauma auch das Theater neben dem Turm – „massiv in ihrer Existenz gefährdet“. MPG versicherte zuletzt, dass es im Falle einer Bebauung keine Beeinträchtigung für die Bestandsbetriebe geben solle (OP berichtete). 

Hintergrund

MPG, Teil der Pohl-Firmenfamilien befindet sich – das belegten Anfang dieses Jahres OP-Recherchen – seit Ende 2018 in Gesprächen und Verhandlungen mit dem Magistrat über den Kauf des Geländes am alten Gaswerk. Das Verfahren, auch die Rolle der Familie Pohl in der Nordstadt-Entwicklung als solcher sorgt innerhalb der ZIMT-Regierung aus SPD, BfM und CDU für Unstimmigkeiten.

Trotzdem: „Für uns geht es zwar direkt um den Fortbestand des Kulturbetriebs, aber letztlich geht es um die gesamte Stadtgestaltung“, sagte ein Trauma-Mitarbeiter. Kritiker wie er formulieren daher erste Bebauungs-Alternativen: Statt eines Seniorenwohnheims, wie MPG das vorhat, schlägt das Bündnis den Bau eines Kindergartens vor – und will das Nordstadt-Thema ins Zentrum der Stadt tragen, mit einer Demonstration.

Geplant ist der Protestzug – vorbei am DVAG-Sitz in der Bahnhofstraße – am Samstag, den 21. September. Daneben soll es regelmäßige Info-Stände etwa auf dem Weidenhäuser Höfefest geben, ein Bürger-Brunch in der Nordstadt ist ebenso geplant wie privatisierungskritische Vorträge, Workshops und Kulturveranstaltungen im Trauma.

„Es braucht jetzt, da Pläne fertig sind und die Verkaufsgespräche schon laufen, dringend sichtbare Zeichen gegen die Pläne, den Druck der Straße. Die Zeit drängt“, sagte Renate Bastian, Linken-Fraktionschefin und Mit-Initiatorin einer laufenden Protestunterschriften-Aktion, die mehr als 500 Unterzeichner zählt. Einer Teilnehmerin gingen die Pläne bei dem Treffen der zumeist jungen Leute im Saal nicht weit genug.

„Das ist zu viel Gerede bei zu wenigen Fakten“: Die 83-jährige Renate Brechlin, direkte Nachbarin des Afföller-Parkplatzes warnte vor den Folgen der möglichen Bauarbeiten. Konkret: Baumsterben zwischen Lahn und Kleingartenanlage sowie Schäden an benachbarten Gebäuden – wie ihrem eigenen Haus, dessen Wände bei dem Rosenpark-Bau gerissen seien. „Schildchen malen wird die Expansionspläne nicht aufhalten“, sagte sie mit Hinweis auf die Konflikte, die sie mit den Pohl-Vertretern in der Vergangenheit bereits hatte (OP berichtete).

von Björn Wisker