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Marburg Bündnis gegen Afföller-Verkauf
Marburg Bündnis gegen Afföller-Verkauf
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10:22 19.08.2019
Szene sorgt sich um Kulturzentrum „Café Trauma“. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Die Linken, die Grünen und der AStA der Philipps-Universität treiben eine Unterschriftensammlung gegen den Verkauf eines Teils des Afföller-Geländes an die Marburger Gesellschaft für Projektentwicklung (MPG) der Pohl-Familienstiftung voran. Dutzende haben laut Initiatoren bereits unterzeichnet.

Bei einem Gründungstreffen hat sich eine 50-köpfige Protestgruppe, ein Aktionsbündnis gegen den Verkauf der Flächen, gegen die Errichtung eines Seniorenheims gebildet.

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Mitglieder der linken Szene fürchten um den Bestand des Treffpunkts „Café Trauma“ – das von der Stadt auch finanziell geförderte soziokulturelle Zentrum ist seit Jahren vor allem im Fokus bürgerlicher Polit-Kräfte. „Die ansässigen Kulturprojekte sind durch die zu erwartenden Nachbarschaftskonflikte ernsthaft gefährdet“, heißt es vom Aktionsbündnis gegen den Verkauf des Traumaparkplatzes.

Die DVAG beziehungsweise Pohl-Stiftung agiere „außerordentlich expansiv und greift nach allem, was im Umfeld des Hauptbahnhofs zu kriegen ist“. Im Zentrum der Stadt werde „eine Kleinstadt der Vermögensberater immer größer“. Seit Wochen kritisieren Stadtverordnete von Linken und Grünen vor allem den grundsätzlichen Privatisierungskurs des Magistrats. Tenor: „Die Stadt verliert Spielraum für eine Stadtentwicklung, muss die Kontrolle über ihre Grundstücke bewahren.“

Bürgermeister: Kulturerhalt ist Verkaufsbedingung

Bürgermeister Wieland Stötzel (CDU) sagte zuletzt, das es unter Einbeziehung strenger Auflagen – Erhalt des Kulturstandorts und des Parkraums – weiter Verkaufsverhandlungen mit dem Investor gibt. „Aus städtischen Gründen brauchen wir das Gelände, dieses Provisorium nicht“, entgegnet er den Privatisierungs-Kritikern. Das Afföller-Vorhaben sorgt trotzdem für Spannungen innerhalb der ZIMT-Regierung aus SPD, BfM und CDU. So warf etwa SPD-Baupolitikerin Sonja Sell dem CDU-Bürgermeister vor, dass „man nicht Investoren überlassen darf, wie sich die Stadt entwickelt. Umgekehrt muss es laufen: Wir denken uns den Plan aus und suchen uns den Investor, der das umsetzt.“

Dass MPG seitens der Stadt grundsätzliche Unterstützung zugesagt wurde, geht aus einem internen Brief hervor, den die OP im Frühjahr veröffentlichte. Zuletzt war das Gebiet in der politischen Debatte als möglicher Startpunkt einer Behringwerke-Seilbahn. Die nun wieder aufkommende Kritik an der Pohl-Familie beziehungsweise den Firmen bezeichnen CDU-Politiker auch angesichts der ihrer Auffassung nach baulich positiven Nordstadt-Entwicklung als „schändlich“.

In den Vorjahren flackerte immer wieder Kritik am Zustand des von den Stadtwerken bewirtschafteten Parkplatzes auf. 

Termin

Bündnis-Treffen: Mittwoch um 19 Uhr im Café Trauma (Afföllerwiesen 3a).

von Björn Wisker