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Marburg Jede neunte Frau erkrankt an Brustkrebs
Marburg Jede neunte Frau erkrankt an Brustkrebs
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18:02 12.10.2020
Dr. Christine Köhler ist die leitende Oberärztin am Brustzentrum Marburg. Sie unterstützt die Angebote im Brustkrebsmonat Oktober. Quelle: Katja Peters
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Marburg

Einmal im Monat sollte jede Frau ihre Brust abtasten – im Stehen und im Liegen. Am besten vor dem Spiegel nach dem morgendlichen Duschen und dann anschließend noch mal im Bett. Das empfehlen die Experten und auch Dr. Christine Köhler, leitende Oberärztin des Brustzentrums in Marburg.

„Es ist einfach wichtig, dass Frauen Verantwortung übernehmen und ein Körpergefühl entwickeln. Unregelmäßigkeiten kann nur diejenige erkennen, die ihre Brust kennt“, sagt sie bei einer eigens für Frauen organisierten Veranstaltung, die Anleitungen zum Thema Selbstuntersuchung der Brust gibt. Die Gynäkologin betont aber auch: „Die Selbstuntersuchung ist keine Früherkennung. Aber eine gute Früherkennung kann später mit den Therapien nicht mehr aufgeholt werden.“

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Nächster Termin am 23. Oktober

Der Oktober ist der internationale Brustkrebsmonat und der Fachdienst „Gesunde Stadt Marburg“ hat zusammen mit vielen städtischen Kooperationspartnern aus den Stadtteilen diese kostenfreien Veranstaltungen organisiert. Frauengruppen bieten ebenso Termine an wie die Verwaltung selbst. Der nächste ist am Freitag, 23. Oktober, um 17 Uhr im Sitzungssaal des Bauamtes an der Barfüßerstraße 11.

Jede neunte Frau erkrankt an Brustkrebs. Er ist mit Abstand die allerhäufigste Erkrankung bei Frauen und auch die häufigste Todesursache bei allen Krebsarten. Damit übertrifft er sogar die Zahl der Unfalltoten und die mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. „Deswegen ist die Selbstuntersuchung so wichtig. Unregelmäßigkeiten können dann zeitnah beim Arzt abgeklärt werden. Denn ab einem Alter von 40 Jahren steigt die Anzahl der Erkrankten“, stellt Christine Köhler in ihrem Vortrag dar.

Hoher Qualitätsstandard bei Mammographie

Die Oberärztin erklärt die Untersuchungsmöglichkeiten der verschiedenen Altersgruppen und verweist in diesem Zusammenhang auf das bundesweite Screening-Angebot für Frauen ab 50 Jahren. „Das ist keine Pflicht, sondern absolut freiwillig. Aber es ist ein sehr sinnvolles Programm mit einem extrem hohen Qualitätsstandard“, erklärt sie. Das Personal ist speziell geschult und im Brustzentrum in Marburg befunden beispielsweise drei Ärzte. „Aber mit diesem freiwilligen Angebot erreichen wir leider nur 50 Prozent der Frauen bundesweit“, konsterniert sie und räumt gleich mit den grassierenden Kritikpunkten auf. Die Ablagerung der Strahlen würde durch die reduzierte Zellteilung in den Wechseljahren reduziert werden. Auch wird die unpersönliche Untersuchung in den Bussen, die über Land fahren, kritisiert. Es stehe allerdings auch jeder Frau frei, sich in einer Klinik oder eben auch im Brustzentrum untersuchen zu lassen. Die Kritik an Überdiagnosen ließ sie nicht gelten – „die gibt es nämlich nicht. Diese pauschalisierte und generelle Kritik an diesem Screening-Programm ist lästig und vor allem kontraproduktiv.“

7-Punkte-Anleitung für Selbstuntersuchung

Aber wie wird denn nun abgetastet? Dafür gibt es eine 7-Punkte-Anleitung, die bei den Veranstaltungen ausliegt, aber auch jeder Frauenarzt kann sie erklären (siehe Infokasten). Es geht darum, dass Drüsengewebe abzutasten und das liegt unter dem Fettgewebe. „Das bedeutet, dass schon fest gedrückt werden muss“, erklärt Christine Köhler. Aber es geht nicht nur um das Abtasten, es geht auch um das Erkennen von Hauteinziehungen oder Rötungen, dem Austritt von Flüssigkeiten und auch um mögliche Veränderungen in der Achselhöhle.

Dabei sollte immer die linke Hand, die rechte Brust abtasten und die rechte Hand die linke Brust untersuchen. Vor allem die Finger sollten dafür genutzt werden, Christine Köhler empfiehlt, die Brust in vier Viertel aufzuteilen und dann im Uhrzeigersinn zu tasten. „Immer vom oberen äußeren Rand zur Brustwarze. Also von außen nach innen.“ Dabei warnt sie: „Wer viel an der Brustwarze rumdrückt, löst möglicherweise die Milchbildung aus. Denn durch den Druck wird ein Hormon stimuliert, das dafür verantwortlich ist – auch nach den Wechseljahren.“ Tritt eine wasserklare oder blutige Flüssigkeit aus, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Weiße, grüne oder gelbe Flüssigkeiten sind meist ungefährlich.

Brustkrebs ist kein Notfall

In der Achselhöhle können neben den Lymphknoten auch Milchdrüsen sitzen. „Das ist aber von Frau zu Frau unterschiedlich“, sagt die Oberärztin. Und noch etwas stellt sie klar: „Lymphknoten sind bohnenförmig und schwellen auch bei Mückenstichen, Zeckenbissen, Gürtelrosen oder Erkältungen an. Das gilt es zu beachten.“ Als bester Zeitpunkt gelten die Tage nach der Periode, „da ist die Brust am weichesten“. Während der Schwangerschaft ist es schwierig, dennoch werden drei Prozent der Brustkrebserkrankungen in der Schwangerschaft diagnostiziert. Und dennoch: „Brustkrebs ist kein Notfall“, betont Christine Köhler. „Frauen, die am Wochenende einen Knoten ertasten, brauchen nicht in die Notaufnahme fahren, sondern sollten am Montag einen Termin bei ihrem Frauenarzt vereinbaren.“

Von Katja Peters