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Marburg Ein Zeichen für Diversität
Marburg Ein Zeichen für Diversität
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17:00 05.06.2021
Schauspieler Brix Schaumburg fährt auf der Tour „Que(e)r durch’s Land“ einen Monat lang mit dem Rad durch Deutschland, hier macht er gerade Station in Köln.
Schauspieler Brix Schaumburg fährt auf der Tour „Que(e)r durch’s Land“ einen Monat lang mit dem Rad durch Deutschland, hier macht er gerade Station in Köln. Quelle: Brix Schaumburg
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Marburg

Queer durchs Leben gehen – damit kennt sich Brix Schaumburg aus. Der Musical-Darsteller aus Marburg ist Jetsetter, tourt am liebsten von einer Bühne zur nächsten durch die Welt, und er wurde als Frau geboren. In ihm steckte jedoch immer ein Mann – mal steht er als solcher, mal als Drag-Queen im Rampenlicht, mit starren Geschlechterrollen kann er nichts anfangen, und das zeigt er auch.

Schaumburg gilt als Deutschlands erster offiziell geouteter Transgender-Schauspieler. Er versteckt sich nicht, nutzt seine Reichweite in vielen Projekten der Transgender-Szene und tourt gerade „Que(e)r durch’s Land“. Im wahrsten Sinne, denn er ist bei der gleichnamigen Aktion per Rad auf dem größtes Fahrrad-Pride der Republik unterwegs.

Zwischenstopps in 21 Städten

„Das ist Pride mal anders“, erzählt der 30-Jährige lachend, der schon so einige Kilometer hinter sich gebracht hat. Am 22. Mai startete die Tour im Allgäu, die Route führte über München, Stuttgart, Frankfurt, Köln weiter nach Marburg, wo er gerade vorbeikam. Bald macht er sich wieder auf den Weg gen Norden, will über Leipzig nach Berlin, Hamburg bis nach Kiel und Flensburg radeln.

Auf der Strecke liegen Zwischenstopps in insgesamt 21 deutschen Städten. Dabei sammelt er Spenden für gemeinnützige und ehrenamtliche Organisationen der LGBTQI+ Community (lesbisch, schwul, bisexuell, trans, queer und intersexuell; das + steht für weitere Geschlechtsidentitäten). Sein Ziel: Reichweite, Sichtbarkeit für die Community zu schaffen, auf der Strecke möglichst viele Unterstützer einzubinden und öffentlich für Vielfalt, Toleranz und Achtsamkeit zu werben. Er wolle „ein Zeichen für Diversität setzen“.

Und er will Gleichgesinnte treffen, strampelt ein Stück weit gegen die Einsamkeit an: Die sei groß in der Szene, der Wunsch, in Pandemiezeiten wieder zueinander zu finden, umso stärker. So entstand praktisch auch die Idee für die Tour: In den sozialen Medien habe er im Dezember einmal „laut“ in die Welt hinaus geschrieben, dass er gerne mit dem Fahrrad que(e)r durch Deutschland fahren möchte. Was folgte, sei ein Aufschrei gewesen nach dem, was in der Pandemie verloren ging. Austausch in der Gemeinschaft, Unterstützung, Kontakt.

Stammtische wie queere Einrichtungen sind geschlossen, Therapiesitzungen fielen ebenso aus wie Operationen, auf die Menschen „ein Leben lang hingefiebert haben“. Pride-Paraden und Veranstaltungen mussten abgesagt werden, seien dabei unheimlich wichtig für queere Menschen, um „für einen einzelnen Tag ihre persönliche Geschichte einfach mal vergessen und sich fallen zu lassen“, sagt Brix Schaumburg. Mentale Probleme hätten zugenommen, „natürlich auch außerhalb der Community, aber das Miteinander, sich mit seinesgleichen zu umgeben – das ist vor allem auf einer Reise zu sich selbst unfassbar wichtig“.

Schaumburg wollte dieses Miteinander als Repräsentant seiner Community ein Stück weit wieder herstellen, während seiner Zwischenstopps etwas Zeit mit Gleichgesinnten und Unterstützern aus Politik, Medien oder Organisationen verbringen, die teils auch per Rad ein Stück mitfahren. Mit den gesammelten Geldern und einer parallel laufenden Crowdfundingkampagne will er ehrenamtliche Organisationen finanziell unterstützen, darunter Verbände wie der Verein Trans Recht, der ISD Bund/Black LGBTIQ* oder die 4Be Transsuchthilfe.

Öffentlichkeitswirksam wolle er der Community ein Gesicht geben, verbunden mit einem Wunsch: „Ich würde mir wünschen, dass die Akzeptanz zunimmt und wir Menschen uns als Menschen sehen, frei von Wertung.“

Weitere Informationen unter www.betterplace.me/queer-durchs-land

Von Ina Tannert