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Marburg Brexit bereitet Philipps-Uni Kopfzerbrechen
Marburg Brexit bereitet Philipps-Uni Kopfzerbrechen
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19:54 31.01.2020
Richard Corbett (hinten, Dritter von rechts), Vorsitzender der Labour-Abgeordneten im Europaparlament, hält nach einer Fraktionssitzung einen Schal mit der Aufschrift „Always United“ hoch. Der Brexit beschäftigt auch die Universitäten. Quelle: Michael Kappeler
Marburg

Seit 2013 gibt es eine offizielle Kooperation der Marburger Universität mit der britischen University of Kent, deren Campus sich größtenteils in der Stadt Canterbury befindet. Die Hochschule in Kent ist sogar einer von drei strategischen Partnern der Philipps-Universität.

Das Ziel dieser strategischen Partnerschaften ist eine Zusammenarbeit der Hochschulen auf allen Ebenen – vom Studierenden-Austausch über Studiengänge bis hin zu Forschungsverbünden.

Das bislang größte Projekt der Zusammenarbeit mit Kent ist der gemeinsame Studiengang „Peace and Conflict Studies“, der eine gemeinsame Studien- und Prüfungsordnung besitzt und der pro Jahrgang von 20 Studierenden absolviert werden kann, die je zur Hälfte aus den deutschen und den englischen Universitäten stammen und für ihr Studium je ein Jahr in Marburg und in Kent verbringen.

Eine Reihe von offenen Fragen

Mit dem Brexit – dem Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union – verknüpfen sich in Sachen des gemeinsamen Studiengangs eine Reihe von noch offenen Fragen für die Zukunft. So geht es auf Marburger Seite beispielsweise darum, ob die Förderung des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) weiter möglich sein wird, erläutert Petra Kienle, Leiterin der Abteilung „International Office and Family Service“ an der Uni Marburg im Gespräch mit der OP. Auch die ­Visafrage könnte sich für die Studierenden beider Länder dann stellen, wenn der Brexit konkret wird.

Ein Spezialproblem für den Master-Studiengang zur Friedens- und Konfliktforschung sind auch die Regelungen für die ausländischen Studierenden aus Drittstaaten beim Wechsel von Deutschland nach Großbritannien und umgekehrt.
Auch bei den insgesamt sieben gemeinsamen Forschungsprogrammen der Uni Marburg mit britischen Partner-Hochschulen sowie in Bezug auf den Studienaustausch über das EU-Förderprogramm Erasmus stellen sich einige Fragen.

Immerhin 121 Marburger „Erasmus“-Studenten sind und waren seit 2018 an britischen Universitäten, und im Gegenzug kamen seit 2018 auch 31 Studierende aus Großbritannien an die Philipps-Universität. Klar ist bisher schon, dass die Erasmus-Förderung für den Austausch mit Großbritannien ab dem Jahresende auslaufen wird.

Zukunft von Erasmus-Beziehungen unklar

Schon jetzt aber bewerben sich Marburger Studierende für einen Studienaufenthalt in Großbritannien im kommenden Wintersemester und dem darauffolgenden Sommersemester. „Wir nehmen diese Bewerbungen an und wollen das Bewerbungsverfahren nicht stoppen“, sagte Kienle. Wie die Erasmus-Beziehungen mit Großbritannien aufrecht erhalten werden können, das sei aber derzeit noch nicht klar.

Täglich gebe es zwar neue Informationen zum Thema Brexit vom DAAD oder dem hessischen Wissenschaftsministerium, betonte Kienle. Jedoch gebe es bisher wenig Konkretes. Mehr Anhaltspunkte biete da schon ein Positionspapier der Assoziation Europäischer Universitäten (EVA). Darin werde festgehalten, dass die Finanzierung von Projekten gesichert sei. Was danach passiere, sei allerdings unklar. Klar sei auf jeden Fall, dass die Europäische Union mit Großbritannien Verhandlungen über die Fortführung von Projekten führen werde.

Es gebe auch erste Signale, dass sich die britische Regierung grundsätzlich weiter daran beteiligen wolle. „Wir wissen nicht, wie künftige Abkommen zwischen der britischen Regierung und der Europäischen Union etwa im Hinblick auf den Studierendenaustausch und die Teilnahme von Forschenden an Austauschprogrammen aussehen könnten“, sagte der Frankfurter Uni-Vizepräsident Rolf van Dick.

von Manfred Hitzeroth