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Marburg Kasten informierte einst die Hornbläser
Marburg Kasten informierte einst die Hornbläser
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14:00 06.08.2019
Ein Relikt aus vergangener Zeit: Der rote Kasten an der Cappeler Straße, Ecke Zeppelinstraße, gehörte einst zur städtischen Brandmeldeanlage. Die wurde aber schon im Jahr 2000 außer Betrieb genommen. Quelle: Nadine Weigel
Cappel

Der rote Kasten mit dem Lautsprecher ist fast eingewachsen in der Hecke. Die Farbe ist an einigen Stellen abgeplatzt, funktionsfähig ist die ehemalige Brandmeldeanlage an der Cappeler Straße, Ecke Zeppelinstraße, schon lange nicht mehr. Bereits im Jahr 2000 wurde sie abgeschaltet.

Einstmals wurden 32 Gebäude der Universitätsstadt damit ausgestattet, beispielsweise das Rathaus, die Stadthalle und alle Schulen. Die gesamte Brandmeldeanlage war ursprünglich nur für die Stadt Marburg vorgesehen, wurde deswegen auch nur in der Kernstadt verbaut. Daneben gab es noch 47 Feuermeldestellen an verschiedenen Straßenpunkten in der Stadt verteilt. Dort konnte die Feuerwehr durch Auslösen und auch durch Sprechen mit einem Beamten verständigt werden.

1928 in Betrieb genommen

Die Brandmeldeanlage wurde 1928 in Betrieb genommen, nach einem größeren Brand im Landgrafenhaus, den die Marburger Feuerwehr noch mit Handdruckspritzen bekämpfen musste. Die einzige Motorspritze, die zum Einsatz kam, musste damals bei der Kreisgemeinde Sarnau angefordert werden.

Mit der Errichtung der städtischen Feuermeldeanlage war es nicht nur möglich, an markanten Punkten der Stadt eine Feuermeldung abzugeben. Man konnte neben den Führungskräften der Feuerwehr auch die für eine Alarmierung der Mannschaften zuständigen Hornisten erreichen. Die Hornbläser mit ihrem Signalhorn wurden damals 
sozusagen zu Sirenen und alarmierten die Feuerwehrleute.

Die Zentrale dieser Feuermeldeanlage war im Rathaus im Bereich der Telefonzentrale installiert und wurde insbesondere nachts von einem damals noch kommunalen Polizeibeamten bedient. Er konnte bei einem Meldereingang den Standort erkennen und alarmierte dann den jeweils zuständigen Löschzug.

Nicht selten kam es zu Fehlalarmierungen, weil die Polizisten nicht mit der Feuerwehr-Alarmierungssystematik vertraut waren. Technisch betreut wurde diese Anlage durch die Stadtwerke, bis sie dann nach dem Bau der Hauptfeuerwache am Erlenring 1965 in diese integriert und durch einen Feuerwehrelektriker gewartet und gepflegt wurde.

5.000 D-Mark wurden damals jährlich für die Unterhaltung der Brandmeldeanlage veranschlagt. Zur Jahrtausendwende von 1999 auf 2000 wurden alle öffentlichen Melder nochmals aktiviert, als Vorsichtsmaßnahme gegen einen möglichen Ausfall von Computern und Internet.

Handfeuermelder aktiv

Noch heute sind auf einigen Dächern der Häuser in der Altstadt Dachständer zu erkennen, die mit „toten“ Isolatoren bestückt sind – das sind die letzten Relikte der Anlage. Außerdem gibt es noch den Löschwasserbehälter mit 300.000 Liter Wasser in der Oberstadt aus dieser Zeit. Dieser befindet sich am Renthof oberhalb der Wasserscheide und wurde seitens der Stadt aufwändig renoviert.

Die Brandmeldeanlage wurde im Jahr 2000 abgeschaltet, weil sie den geltenden Vorschriften und technischen Standards nicht mehr entsprach. Daraufhin wurde sie komplett erneuert. Seitdem wird sie von der Marburger Feuerwehr in der Feuerwehreinsatzzentrale weiter rund um die Uhr betrieben.

Aus der Feuerwehreinsatzzentrale ist inzwischen eine Gefahrenmeldezentrale geworden, denn dort laufen viele Funktionen zusammen: Neben Brandmeldungen werden von der Feuerwehr mittlerweile auch Aufzugnotrufe und Objektüberwachung, wie der Jägertunnel, übernommen.

Wenn es brennt, ist es heute allen Bürgern möglich, mit der Nummernwahl 112 einen Notruf abzusetzen. Alle, die ein Smartphone besitzen, können dies prinzipiell jederzeit von überall tun, sodass die Feuermeldestellen in der Stadt nicht mehr benötigt werden. Allerdings gibt es in öffentlichen Gebäuden in unmittelbarer Nähe zum Rettungsweg weiterhin die Handfeuermelder.

Dabei handelt es sich um manuelle Brandmelder in Form von roten Kästen mit einem Brandmeldeknopf hinter einer Glasscheibe. Im Notfall wird die Scheibe eingeschlagen und der Knopf gedrückt. Dadurch wird per Draht oder Funk in der Gefahrenmeldezentrale Alarm ausgelöst, also über die Brandmeldeanlage die Feuerwehr alarmiert. Darüber hinaus gibt es noch automatische Brandmelder, die frühzeitig bei entstehenden Bränden warnen können – dazu zählen auch Rauchmelder, die in Hessen seit 2005 in Neubauten, seit 2014 in allen Wohnungen Pflicht sind.

von Katja Peters und Andreas Schmidt