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Marburg Brand, Bauruine, Abriss: Wie geht es mit dem Richtsberg 88 weiter?
Marburg Brand, Bauruine, Abriss: Wie geht es mit dem Richtsberg 88 weiter?
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11:58 01.06.2021
Ein aktuelles Bild von "Richtsberg 88".
Ein aktuelles Bild von "Richtsberg 88". Quelle: Nadine Weigel
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Marburg

Der Neubau „Am Richtsberg 88“ wird noch lange Zeit auf sich warten lassen. Wie das Marburger Studentenwerk auf OP-Anfrage mitteilt, gebe es zwar „definitiv“ eine Bau-Entscheidung an dem Standort. Einen konkreten Zeitplan für das Projekt gebe es demnach zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht, bis zum Beginn des Bauprojekts würden noch drei bis vier Jahre vergehen.

„Wir konzentrieren uns gerade auf die Fertigstellung des neuen Wohnheims „Atlashaus“, sagt Franziska Busch, Studentenwerks-Sprecherin und verweist auf das laufende Bauprojekt im Hermann-Jacobsohn-Weg. Dort sollen ab Herbst, mit Beginn des Wintersemesters 74 Studenten einziehen können.

Wartelisten für die neueren Wohnheime

Vor dem Richtsberg-Bau würden auch „erstmal Sanierungen an bestehenden Häusern anstehen“. Den weiter „stark nachgefragten“ Bedarf an günstigem Wohnraum erkenne man schon daran, dass es speziell für die neueren Wohnheime – also in der Gutenbergstraße und Hasenherne im Studentendorf – viele Bewerbungen, für das noch nicht mal fertige Neu-Atlashaus bereits Wartelisten gebe. Trotz der Corona-Pandemie seien die Studentenwohnheime ausgelastet.

Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, wie das Haus in der Straße "Am Richtsberg 88" noch vor zwei Jahren ausgesehen hat. Und, was von dem Gebäude noch übrig ist.

Was im Vorfeld des Richtsberg-88-Baus klar ist: Ein Hochhaus wie das mittlerweile seit etwa einem Jahr komplett abgerissene, werde „nicht wieder in Betracht gezogen“. Vielmehr würden die aktuellen Pläne vorsehen, eine Einheit, bestehend aus mehreren Gebäuden mit drei bis fünf Etagen, zu errichten. Die Anzahl der Wohnplätze werde in etwa der des alten, elfstöckigen Hauses entsprechen; das waren seinerzeit 118 vor allem für Familien und ausländische Studenten.

Keine Eile für Neubau

Dass es für den Neubau keine Eile gebe, bekräftigte das Studentenwerk in der Vergangenheit mit Verweis auf die in den letzten Jahren geschehenen Wohnheim-Eröffnungen, Gutenbergstraße und Hasenherne, zudem eben in Kürze im Hermann-Jacobsohn-Weg.

Das würde, so hieß es auch von der Philipps-Universität, den 2014 entstandenen Kapazitäts-Verlust ausgleichen. Dennoch ist laut Studentenwerk ein Verkauf des Grundstücks nicht vorgesehen, das Land Hessen räumte Anfang 2019 entsprechende Befürchtungen aus der Welt und kündigte einen perspektivischen Neubau an gleicher Stelle an.

Langer Streit mit Versicherung

Im Juni 2014 brannte der Keller des Hochhauses, das Feuer und der Rauch beschädigten das Jahrzehnte alte Hochhaus so stark, dass es seitdem leer stand, nicht repariert werden konnte und dann abgerissen wurde. Seitdem klafft am Stadtteil-Eingang nahe der Sudetenstraße eine Lücke. Die Zukunft des Grundstücks beschäftigt deshalb sowohl den Richtsberger Ortsbeirat als auch den Bauausschuss des Stadtparlaments. Jahrelang gab es Unklarheiten über die Zukunft des Bauwerks und Grundstücks, vor allem wegen Streits zwischen Studentenwerk und Gebäudeversicherung um die Höhe der Schadenssumme.

Die Allianz befürchtete, dass angesichts erster Pläne „Luxussanierungen“ bevorstehen, nach Klage-Drohungen des Studentenwerks gab es dann im Jahr 2018 eine Einigung (OP berichtete). Mehr als 280 Bewohner mussten damals aus dem brennenden Haus, teilweise mit Drehleitern, aus den obersten der elf Stockwerke des Gebäudes gerettet werden. Dutzende Ex-Bewohner lebten danach bisweilen monatelang in Notunterkünften.

Von Björn Wisker

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