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Marburg Botanischer Garten braucht finanzielle Unterstützung
Marburg Botanischer Garten braucht finanzielle Unterstützung
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16:19 22.09.2020
Andreas Bartsch, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Marburg-Biedenkopf, auf Fotopirsch im Schmetterlingshaus. Quelle: Fotos: Tobias Hirsch
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Marburg

Die Universität sammelt nach der erfolgreichen Kampagne bei der Sanierung des Kunstmuseums in der Biegenstraße wieder Geld im großen Stil. Dieses Mal geht es um die mittlerweile energieineffizient betriebenen und teilweise maroden Gewächshäuser des Neuen Botanischen Gartens auf den Lahnbergen, die in die Jahre gekommen und dringend sanierungsbedürftig sind (die OP berichtete).

„Für die Sanierung von acht großen Gewächshäusern und 23 kleineren Anzuchthäusern sowie das neue Eingangshaus wird die Summe von 5 Millionen Euro benötigt. Den Großteil übernimmt das Land Hessen. Wir wollen allerdings ein Viertel, also 1,25 Millionen Euro, aus Spendengeldern aufbringen“, skizzierte die Marburger Uni-Präsidentin Professorin Katharina Krause die Eckdaten der geplanten Finanzierung. So soll auch die Verbundenheit der Marburger mit „ihrem Garten“ auf den Lahnbergen dokumentiert werden und wachsen.

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Die damit verbundene Spendenkampagne ist jetzt nach dem erfolgreichen Abschluss der Museums-Sanierung sowie Corona-bedingten Verzögerungen weiter angelaufen, auch wenn der offizielle Startschuss jetzt wegen Corona erst im April kommenden Jahres erfolgen soll. Die Uni-Präsidentin präsentierte jedenfalls am Montagvormittag – eskortiert von Vize-Präsidentin Professorin Evelyn Korn sowie Botanischer-Garten-Chef Dr. Andreas Titze – den ersten Großspender: Die Sparkasse Marburg-Biedenkopf steuert die Summe von 72 000 Euro bei und erwirbt auf diese Weise Patenschaften für zwei Häuser: das Wasserpflanzenhaus, in dem unter anderem die Riesenseerose aus dem Amazonasgebiet beheimatet ist, sowie das Schmetterlingshaus.

Sparkassenchef Andreas Bartsch kam dafür zusammen mit den Uni-Offiziellen in den Genuss einer kleinen Führung durch das derzeit von einer Vielzahl von Schmetterlingen bevölkerte, sonst aber leider wegen Corona-Beschränkungen derzeit nicht besichtigbare Schmetterlingshaus. Bartsch outete sich als Parkfan und erläuterte, wieso diese finanzielle Unterstützung aus seiner Sicht ein sehr lohnenswertes Unterfangen ist: „Der Botanische Garten ist sehr schön und dient nicht nur wissenschaftlichen Zwecken. Er ist eine Oase der Erholung für Besucher aus dem Landkreis und weit darüber hinaus. Gleichzeitig unterstütze die Sparkasse mit der Spendensumme auch ein Großprojekt der Nachhaltigkeit.

Zur Unterstützung des weltweiten Artenschutzes wird vor allem in den Anzucht-Gewächshäusern das Erbgut seltener und gefährdeter Pflanzenarten gesammelt. Etwas Besonderes zum Anschauen bieten in Nicht-Corona-Zeiten zudem die derzeit wegen der Pandemie geschlossenen Schau-Gewächshäuser: Die schillernde Pflanzenwelt des tropischen Regenwalds kann man im Tropenhaus, dem Kernstück der acht Schauhäuser, erleben. Kakteen, Pflanzen des australischen Outbacks, ein Titanwurz, aber auch Kakaobohnen-Bäume oder Ananas-Stauden sind die „Stars“ in den anderen Häusern.

Landgräfin muss kurzfristig absagen

Apropos Stars: Corona machte den Uni-Verantwortlichen bei der Pressekonferenz auf der Freifläche vor dem Wasserpflanzenhaus und oberhalb des großen Teichs noch einmal einen kleinen Strich durch die Rechnung. Denn die eigentlich als „Stargast“ fest eingeplante Schirmherrin, Landgräfin Floria von Hessen, musste kurzfristig absagen, weil sie sich wegen eines Corona-Falles im Umfeld in Quarantäne begeben hatte. Uni-Präsidentin Krause machte deutlich, dass Landgräfin Floria aufgrund ihrer großen Verbundenheit mit dem Thema diese Funktion übernommen habe.

Floria ist selbst seit vielen Jahren Botschafterin für das „Fürstliche Gartenfest“ im Frühsommer auf Schloss Fasanerie bei Fulda und im Herbst im Park von Schloss Wolfsgarten bei Langen in Südhessen. Immerhin ließ die Vertreterin des Hauses Hessen eine Botschaft übermitteln: „Ein Botanischer Garten ist wie die Welt im Kleinen. Gewächshäuser sorgen dafür, dass Tausende von exotischen Gewächsen hier beste Bedingungen finden. Das muss so bleiben, und dafür will ich mich gerne einsetzen“, sagte die künftige Schirmherrin.

Jetzt werden noch weitere Spender als Paten gesucht. Dabei bleibt nicht alleine die Möglichkeit der Großspende, es kann auch pro Quadratmeter Instandsetzung jeweils eine Summe von 240 Euro gespendet werden. Zwar hofft die Präsidentin, dass zum vorgesehenen Sanierungsstart im Jahr 2022 insgesamt die Zusatzsumme von 1,25 Millionen Euro steht. Aber auch wenn das nicht der Fall sein sollte, steht für Krause eines fest: „Wir fangen auf jeden Fall an, denn es muss dringend etwas getan werden. Denn die großen Gewächshäuser sind am Ende ihrer Laufzeit“.

Von Manfred Hitzeroth

22.09.2020
22.09.2020