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Marburg Kein Stacheldraht rund um den Park
Marburg Kein Stacheldraht rund um den Park
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13:59 20.03.2019
Auch die Gestaltung des Teichs spielt eine Rolle bei den Zukunftsplanungen für den Alten Botanischen Garten. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Das im Auftrag der Philipps-Universität von einem Büro für Landschaftsarchitektur aus Gießen entwickelte­ Park-Pflegewerk enthält neben­ einem historischen Abriss der Parkgeschichte und einer ­Bestandsanalyse auch eine Reihe von Plänen und Ideen für die zukünftige Gestaltung des Parks in der Marburger Stadtmitte. Nachdem das Parkpflegewerk im Oktober 2018 in einer öffentlichen Veranstaltung der Universität vorgestellt worden war, beschäftigte sich jetzt auch der Bauausschuss damit.

Zunächst stellte Kirsten Kilias, Technische Leiterin des Alten Botanischen Gartens, bei einer Power-Point-Präsentation die Kernpunkte des umfangreichen Parkpflegewerks vor, danach stand sie zusammen mit dem Direktor der Botanischen Gärten, Dr. An­dreas Titze, den Ausschussmitgliedern Rede und Antwort.

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„Das Parkpflegewerk ist kein genehmigungsfähiges Planungswerk, sondern eine Art Selbstverpflichtung der Universität“, machte Kilias deutlich. Es sei vor allem dem Freundeskreis Alter Botanischer Garten zu verdanken, dass der seit der Einweihung des Neuen Botanischen Gartens auf den Lahnbergen Mitte der 70er-Jahre nicht mehr von der Universität wie früher als Botanischer Garten genutzt werde. Der Park sei jetzt das Zentrum des neuen ­innerstädtischen universitären Campus Firmanei.

Lage und Größe seit 200 Jahren unverändert

Die seit der Anfangszeit vor mehr als 200 Jahren nahezu unverändert gebliebene Lage und Größe des Parks solle auch in Zukunft erhalten bleiben, betonte Kilias. Zudem bleibe der Park Gartendenkmal.

Allerdings seien innerhalb des Gartens einige Änderungen ­geplant wie beispielsweise der Rückbau des Rosengartens, der Neubau eines Wirtschaftshofs anstelle des nicht mehr benötigten Gewächshauses sowie die Erneuerung der Wassertechnik. Zudem solle der Teich erlebbarer gemacht werden.

Einige Abgeordnete äußerten die Befürchtung, dass der Park seine Aufenthalts-Funktion verliere und vor allem nach der Eröffnung der neuen Uni-Bibliothek (UB) am Rande des Botanischen Gartens immer mehr als Durchgangsstation genutzt werde. Dieser Einschätzung widersprach Andreas Titze ausdrücklich. Es seien nach der Einweihung der UB nicht die befürchteten Tausenden von Studierenden im Park beobachtet worden. Doch andererseits könne man auch keinen Stacheldrahtzaun drumherum aufbauen und sagen: „Wir ändern nichts“, gab Titze zu bedenken.

Manfred Jannasch (CDU) fragte nach, ob die Wege im Botanischen Garten künftig wirklich asphaltiert werden sollten und was das für einen Sinn habe.

Planungen für die nächsten 15 Jahre

Dazu sagte der Garten-Direktor, dass eine Planungsfirma mit den Planungen für das Wegenetz beauftragt worden sei, was rund 100 000 Euro koste. Dabei stehe noch nicht fest, welche Pläne konkret umgesetzt werden sollten.

Klar sei aber wohl, dass vor ­allem die Hauptwege eine andere Ausstattung erhalten sollten. „Bei Regenfällen steht bis jetzt das Wasser auf den Wegen in den Pfützen“, sagte Titze. Die Idee sei jetzt, die Wege mit einer Asphaltdecke zu versehen, die mit einer Sandschicht bedeckt würden. So entstehe rein optisch nicht der Eindruck von asphaltierten Wegen, aber die Wege seien dann viel pflegeleichter als bisher.
Ausschussvorsitzender Uwe Meyer (SPD) fragte nach, ob das neue Lichtkonzept für den ­Botanischen Garten wirklich eine nächtliche Beleuchtung im Park vorsehe und ob der Botanische Garten dann in Flutlicht getaucht werde. Dazu gab Titze an, dass noch keine Entscheidung gefallen sei, zumal es unterschiedliche Einschätzungen innerhalb der Universität gebe. „Es gab Überlegungen, ­bestimmte Hauptwege zu beleuchten“, bestätigte Titze aber. Diese Anregung sei vor dem Hintergrund erfolgt, nächtliche Angsträume im Park zu vermeiden. Wenn aber Lampen installiert werden sollten, dann gebe es heutzutage viele Möglichkeiten wie beispielsweise die Verwendung von Bewegungssensoren oder von insektenfreundlichem Licht, um die Natur nicht zu sehr beeinträchtigen.

Auf jeden Fall würden schon aufgrund der mangelnden Finanzen nicht sofort alle geplanten Vorhaben in die Tat umgesetzt, betonte Kirsten Kilias, sondern sukzessive in den kommenden 15 Jahren. Etwaige Änderungen wie beispielsweise der Bau eines neuen Parkzugangs auf der Südseite auf Höhe des Geländes des Sprachatlas sollten stets in Absprache mit den Gremien von Stadt und Universität sowie dem Freundeskreis Botanischer Garten erfolgen, versicherte Andreas Titze.

von Manfred Hitzeroth