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Marburg Das Klima-Problem mit den Blumen
Marburg Das Klima-Problem mit den Blumen
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18:00 03.01.2022
Wer in Marburg geehrt wird, zum Beispiel mit dem Stadtsiegel, erhält einen Blumenstrauß. Dabei achtet die Stadt schon auf Klimaschutz, will aber in Zukunft noch mehr tun.
Wer in Marburg geehrt wird, zum Beispiel mit dem Stadtsiegel, erhält einen Blumenstrauß. Dabei achtet die Stadt schon auf Klimaschutz, will aber in Zukunft noch mehr tun. Quelle: Thorsten Richter
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Marburg

Blumen machen Freude und gehören oft einfach dazu: Bei einem Jubiläum, einer Verabschiedung oder einer Auszeichnung bekommen die Geehrten Blumensträuße. Das hält auch die Stadt Marburg so, wenn sie zum Beispiel das Stadtsiegel vergibt oder ehemalige Kommunalpolitikerinnen und -politiker als Stadtälteste auszeichnet. Doch Marburg hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesteckt: Bis 2030 will die Universitätsstadt klimaneutral sein. Sind also auch die Blumenpräsente der Stadt klimafreundlich? Nicht immer, aber immer öfter. So könnte man die Antwort des Magistrats auf eine Kleine Anfrage in der Dezember-Sitzung des Stadtparlaments zusammenfassen. Die Stadt bemüht sich demnach um klimafreundliche Blumen, doch es ist „nicht unproblematisch“.

Wer gerne Blumen verschenkt, hat die Qual der Wahl: Soll es einfach der preisgünstigste Strauß sein, mit Blumen, die wahrscheinlich außerhalb Europas unter zweifelhaften Bedingungen gewachsen sind? Oder müssen die Blumen biologisch angebaut und fair gehandelt sein, sollen sie aus heimischem Anbau stammen, vielleicht gar aus dem eigenen Garten? So ähnlich geht es auch einer Stadt. Der SPD-Stadtverordnete Matthias Simon hatte den Magistrat deshalb gefragt: „Ist es möglich, dass in Zukunft, falls es noch nicht geschieht, alle Blumengeschenke im Rahmen von Gratulationen und Jubiläen vom Magistrat der Stadt Marburg klimaneutral sind und möglichst aus regionaler und/oder Bio-Erzeugung stammen?“

DBM verzichtet auf Zellophanfolien

Bis jetzt ist das noch nicht vollständig der Fall, wie aus der Antwort von Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) hervorgeht. Demnach greift die Stadt beziehungsweise ihr Dienstleistungsbetrieb DBM aber keinesfalls einfach zum günstigsten Blumenstrauß: „Die Stadtgärtnerei des DBM ist bestrebt, Sträuße und Gestecke so umwelt- und klimafreundlich wie möglich herzustellen“, antwortete Spies auf die Anfrage. „Zellophanfolien als Geschenkverpackung werden beim DBM daher nicht verwendet.“ Auch bei der Auswahl der Blumen selbst spielt der Klimaschutz eine Rolle: „In den Sommermonaten wird auf Freilandrosen aus der Wetterau sowie die eigene kleine Anpflanzung von Schnittblumen zurückgegriffen“, erklärte der Oberbürgermeister. Es werde versucht, dem Ziel der klimafreundlichen, regionalen und biologischen Erzeugung „so weit als möglich zu entsprechen“.

Allerdings erfolgen demnach ergänzende Zukäufe nach Bedarf über den Großmarkt. Zudem, das weiß jeder Hobbygärtner, ist es in der kalten Jahreszeit eher schwierig, einen Strauß nur mit Blumen aus dem eigenen Garten oder zumindest aus heimischem Anbau zusammenzustellen: „Die ganzjährige klimafreundliche und möglichst aus regionaler/biologischer Erzeugung stammende Verarbeitung von Schnittblumen für Ehrenpräsente der Stadt stellt sich nicht unproblematisch dar“, heißt es deshalb in der schriftlichen Antwort des Magistrats. „Schnitt- und Fairtrade-Blumen in Deutschland werden ganzjährig nach Auskunft durch den Großhandel zum allergrößten Teil importiert“, erklärte Spies weiter.

Die Stadt will aber, ganz im Sinn des Fragestellers Matthias Simon, in Zukunft noch mehr dafür tun, dass die Blumengeschenke das Klima nicht belasten. Deshalb werde „der Anfrage entsprechend unter den Gesichtspunkten der Klimaneutralität und der regionalen/biologischen Erzeugung gegenwärtig über eine Ausweitung des Eigenanbaus nachgedacht“.

Von Stefan Dietrich

03.01.2022
03.01.2022