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Marburg Blumige Ökumene
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16:00 13.04.2022
Adrianus van den Burg spendet seit 30 Jahren jeden Sonntag Blumen für die Kirche in Cappel. Von links: Pfarrer Wolf Glänzer, „Blumenholländer“ Adrianus van den Burg, Pfarrer Micha Wischnewski.
Adrianus van den Burg spendet seit 30 Jahren jeden Sonntag Blumen für die Kirche in Cappel. Von links: Pfarrer Wolf Glänzer, „Blumenholländer“ Adrianus van den Burg, Pfarrer Micha Wischnewski. Quelle: Larissa Pitzen
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Cappel

Wem die richtigen Worte fehlen, lässt Blumen sprechen. Das klappt immer. Blumen haben eben diese besondere Botschaft. Zum Muttertag, für Verliebte, als zeitloses Motiv auf jedem Sommerkleid. Gut, mit Kleidern hat es Adrianus van den Burg nicht so, mit echten Blumen schon. Seit 37 Jahren betreibt der gebürtige Niederländer ein eigenes Blumengeschäft in Cappel. Jedes Wochenende tourt er durch seine Heimat, um dort Tulpen, Rosen oder auch Orchideen für seinen kleinen Laden zu ordern. Daraus macht er dann zauberhafte Gestecke. Die haben es vor fast genau 30 Jahren auch Maria Pawlak, damalige Küsterin der Evangelischen Kirche in Cappel, angetan. „Zwei Sträuße hat sie bei mir gekauft, um den Altar in der Kirche in Cappel damit zu schmücken“, erinnert sich Adrianus van den Burg, der sich selbst als „Blumenholländer“ bezeichnet.

Adrianus van den Burg spendet seit 30 Jahren jeden Sonntag Blumen für die Kirche in Cappel. Von links: Pfarrer Wolf Glänzer, „Blumenholländer“ Adrianus van den Burg, Pfarrer Micha Wischnewski. Quelle: Larissa Pitzen

Was er damals noch nicht ahnte: Es sollte der Beginn einer blumigen Kirchenliaison werden, die es so wohl nur sehr selten gibt. „Als ich die Sträuße in die Kirche brachte und den schmucklosen Altar sah, hab ich der Küsterin spontan versprochen: Ihr bekommt jetzt jedes Wochenende zwei Gestecke von mir geschenkt“, erzählt van den Burg. Er hat Wort gehalten. Seit nunmehr 30 Jahren zieren seine Sträuße jede Andacht. Und natürlich sind die Gestecke den Anlässen angepasst. Zu Ostern gibt es farbenfrohe Frühlingssträuße, Weihnachten sind sie besonders festlich. Und auch bei Hochzeiten sorgen sie für den floralen Glanz. „Wir wissen diese Spende sehr zu schätzen. Die Gestecke von Adrianus sind nicht nur besonders schön. Die Schönheit der Schöpfung erleuchtet den Raum“, sagt Pfarrer Wischnewski.

Blumen und ihre Bedeutung

„Rosen sind rot, Veilchen sind blau …“ – welche Bedeutung hinter den einzelnen Blumen steckt, wissen dabei nur wenige. 

Das Veilchen beispielsweise steht für Zurückhaltung und Unschuld. Das hat es vor allem seinem zierlichen Äußeren zu verdanken. Eine der bekanntesten Veilchen-Arten ist das sogenannte Stiefmütterchen.

Die Tulpe gibt es in vielen verschiedenen Farben. Je nach Farbe variiert die Bedeutung. So stehen weiße Tulpen für die ewige Liebe. Die Farbe Rot symbolisiert bei der Tulpe aufflammende Liebe. Sonniges Gelb wiederum drückt Glück und Lebensfreude aus. Verschenkt man orangefarbene Tulpen, so zeigt man seinem Gegenüber, dass man ihn faszinierend findet.

Der Klassiker: Rosen. Auch Nicht-Botaniker haben schon davon gehört: Rote Rosen stehen ganz klar für Liebe und Leidenschaft. Ähnlich wie bei der Tulpe macht hier die Farbe den entscheidenden Unterschied. So steht eine rosafarbene Rose für Jugend, Weiß symbolisiert eine unausgesprochene Liebe, während die blaue Rose für eine geheimnisvolle Liebe steht.

Entsorgt werden die prächtigen Sträuße übrigens nicht. Mindestens eine Woche zieren sie den Altar, dann werden sie in der Kirche an verschiedene Plätze gestellt.

Gefragt, woher die Blumen kommen, verraten die Kirchenmänner ihren Schäflein gern mal die Quelle. Kunden, über die sich der „Blumenholländer“ natürlich freut. Aber auch die Kirche weiß die Blumenspende zu schätzen. Mehr als 1 000 Euro jährlich spart die Gemeinde für den kostenlosen Blumenschmuck. Das schont die Kirchenkasse ungemein. Und ist umso erstaunlicher, da van den Burg Katholik ist, die Gemeinde aber evangelisch. Ein Akt floraler Ökumene. Weil Blumen sprechen.

Von Larissa Pitzen, Alfred Hermsdörfer

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