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Marburg Blütezeit verspätet sich
Marburg Blütezeit verspätet sich
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09:58 18.05.2021
Auch die Obstbaumblüte hat sich in diesem Jahr wegen der kalten Witterung verspätet.
Auch die Obstbaumblüte hat sich in diesem Jahr wegen der kalten Witterung verspätet. Quelle: Martin Schutt
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Marburg

Dem aufmerksamen Wanderer ist es schon lange aufgefallen, die sonst so gelben Rapsfelder und die Kirschblüten sind dieses Jahr etwas im Verzug. Anfang April ist normalerweise Blütezeit für die Nutzpflanzen der Saison. „Durch den anhaltenden Nachtfrost im Frühjahr hat sich der Blühbeginn nach hinten verschoben, wobei der Spätfrost letztes Jahr stärker ausgeprägt war“, erklärt Eberhart Walter, Versuchsleiter Obstbau beim Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH). Auswirkungen habe der Verzug auch auf die Ernte, welche sich dementsprechend ebenfalls um zwei Wochen nach hinten verschieben werde. Walter ist jedoch optimistisch: „Mit guter Witterung in den nächsten Wochen und Monaten kann noch einiges an Zeit aufgeholt werden.“

Zehn Tage Verzug

In den zurückliegenden 30 Jahren könne man die Auswirkungen des Klimawandels schon deutlich erkennen. Die Pflanzen blühen seitdem etwa 20 Tage später. Aber auch unvorhergesehene Ereignisse, wie zum Beispiel Schädlingsbefall, könnten bei guter Witterung zu erheblichen Ertragseinbußen führen, erklärt der Obstbauer. „Im Kirschbau sind vor allem die Kirschessigfliegen ein großes Problem, die Weibchen legen ihre Eier in der Frucht ab, die Larven fressen sie dann von innen hohl, das ist natürlich mit wirtschaftlichen Risiken verbunden. Da bleibt den Landwirten nichts anderes übrig, als ihre Felder aufmerksam zu beobachten und gegebenenfalls einzugreifen.“

Auch Kreislandwirt und Vorsitzender des Gebietsagrarausschusses Marburg, Frank Staubitz, äußert seine Sorgen: „Wir sind mit unserer Raps-Blüte zehn Tage in Verspätung geraten, die Pflanzen waren sehr kalten Witterungen ausgesetzt. Normalerweise haben wir die Vollblüte schon zwischen dem 1. und 5. Mai.“ Der Kreislandwirt weiß zwar nicht, wie sich die Situation in den nächsten Wochen entwickeln wird, ist aber recht zuversichtlich: „Der Nachtfrost macht den Pflanzen zwar zu schaffen, Raps ist allerdings in der Lage, solche Umstände zu kompensieren. Sollte der Raps allerdings nicht gleichmäßig blühen, können Schädlinge das Problem sein, obwohl wir dieses Jahr nicht so massiv betroffen sind wie letztes Jahr.“ Die Faustregel, dass es 75 Tage von der Blüte bis zur Ernte dauert, gelte trotzdem. Das bedeute, dass die Ernte zwar später erfolgen, jedoch nicht prinzipiell schlechter ausfallen werde.

Hungriger Bestäuber

Einer der Hauptschädlinge ist der Rapsstängelrüssler. Er legt seine Larven, ähnlich wie die Kirschessigfliege, in den Stängeln der Pflanze ab, von deren Innerem sie sich ernähren. Auf der anderen Seite gibt es auch Schädlinge, die nicht per se als schlecht gelten. Bestes Beispiel ist der Rapsglanzkäfer, der zwar die Pflanzen im Knospenstadium anfrisst, jedoch ab dem Blüte-Stadium als Bestäuber fungiert.

Von Larissa Pitzen und unserer Agentur