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Marburg Blühflächen zum Mitnehmen
Marburg Blühflächen zum Mitnehmen
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20:31 17.06.2021
Mit ihrem Blühwagen vor dem Landratsamt erfreuten die heimischen Landwirte nicht nur die Landrätin (Mitte). Sie warben auch dafür, dass Menschen vorbeikommen und sich aus dem Blühwagen Samenpäckchen, wie Karin Lölkes eines hält, mitnehmen.
Mit ihrem Blühwagen vor dem Landratsamt erfreuten die heimischen Landwirte nicht nur die Landrätin (Mitte). Sie warben auch dafür, dass Menschen vorbeikommen und sich aus dem Blühwagen Samenpäckchen, wie Karin Lölkes eines hält, mitnehmen. Quelle: Fotos: Nadine Weigel
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Marburg

Was für ein Kontrast: Auf der einen Seite ein liebevoll mit Baumrinde ummantelter Wagen, auf dem ein Bienenhotel angebracht ist und gelbe und lila Blüten in der Sonne um die Wette strahlen. Auf der anderen Seite: der graue Betonklotz des Landratsamts. Doch nicht nur wegen der schönen Optik, die sich den Mitarbeitern der Kreisverwaltung nun beim Blick aus dem Fenster bietet, freute sich Landrätin Kirsten Fründt gestern.

„Das ist eine wirklich tolle Aktion unserer Landwirte“, sagte sie über die Biodiversitätsoffensive der Bauern in Form des hübschen Blühwagens. Den stellten sie am Donnerstag (17. Juni)  vor dem Landratsamt ab, um zu zeigen: „Wir sorgen für blühende Landschaften.“

600 Hektar Blühfläche

„Im Jahr 2020 wurden rund 600 Hektar Fläche im Landkreis Marburg-Biedenkopf von den ansässigen Landwirten als Blühfläche ausgesät, um den Bienen und Insekten Heimstätte und Nahrung zu geben. Das würde für jeden der 245 754 Einwohner im Landkreis rund 24,5 Quadratmeter Blühfläche bedeuten.“ So steht es in großen Lettern auf dem Plakat am Blühwagen. Landrätin Fründt kann die Wichtigkeit der heimischen Landwirte in Sachen Biodiversität nur bestätigen: „Rund zwei Prozent der heimischen Ackerflächen sind als Blühflächen ausgewiesen und sorgen dafür, dass die Biodiversität hochgehalten wird“, so Fründt. Das sorge dafür, dass in ganz Hessen der Landkreis Marburg-Biedenkopf prozentual gesehen die meisten Blühflächen habe.

Fründt ist froh, dass sehr viele heimische Landwirte bei „HALM“ mitmachten – den Hessischen Agrarumwelt- und Landschaftspflege-Maßnahmen für besonders nachhaltige Landbewirtschaftung. Der Landkreis unterstütze jeden Bauern gern bei der Antragstellung.

Besonders erfreut zeigte sich Heike Wagner, Leiterin des Fachbereichs Ländlicher Raum und Verbraucherschutz, darüber, dass es im Landkreis momentan gut doppelt so viele mehrjährige Blühflächen wie einjährige gebe. „Die mehrjährigen sind besonders wertvoll, weil sie artenreicher sind und dazu beitragen, dass Insekten und andere Kleinlebewesen Überwinterungsmöglichkeiten haben“, erklärte Wagner. Während der fünf Jahre, in denen diese Blühflächen stehen bleiben, etabliere sich abwechselnder Pflanzenbestand und somit auch ein abwechslungsreiches Nahrungsangebot für Insekten und Vögel. Davon profitiere zum Beispiel auch der Stieglitz oder das selten gewordene Braunkehlchen.

„Wir wissen um die Wichtigkeit der Insekten und würden uns freuen, wenn die Blühflächen nicht nur auf unseren Äckern, sondern auch vermehrt in den Vorgärten Einzug halten würden“, erklärte Kreislandwirt Frank Staubitz. „Da die Raps- und auch die Obstblüte weitestgehend vorbei ist, ist gerade jetzt eine wichtige Zeit, dass es auf Feld, Flur und in den Vorgärten Alternativen gibt, wo sich die Bienen wohlfühlen“, betonte Staubitz.

Genau das soll der Blühwagen fördern. Denn er sieht nicht nur schön aus, sondern hat vorne auch einen Kasten, in dem kleine Päckchen mit Blühsamen auf Abnehmer warten. Jeder Interessierte kann vorbeikommen und sich Blühpäckchen für zu Zuhause mitnehmen.

„Man kann den Samen auch in Blumenkästen auf dem Balkon aussäen, das habe ich gemacht und es sieht wirklich schön aus“, erzählte Karin Lölkes lachend. Die Vorsitzende des Kreisbauernverbandes warb dafür, den heimischen Garten insektenfreundlicher zu gestalten. Von Steingärten hält sie nichts. „Wir wissen, wie wichtig es ist, etwas für die Natur und den Umweltschutz zu tun. Jeder muss seinen Beitrag leisten, das Insektensterben zu verhindern“, so Lölkes, deren Motto „Von Generationen – für Generationen“ ist.

Das Landratsamt ist nur der erste Stopp für den Blühwagen auf seiner Reise durch den Landkreis. „Wir arbeiten gerade unseren Tourplan aus“, erklärte Junglandwirt Niklas Schäfer. Ziel des Pilotprojektes sollen später auch Schulen und Kindergärten sein.

Von Nadine Weigel

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