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Marburg Bloß keine Angst vor dem Siebenschläfer-Wetter
Marburg Bloß keine Angst vor dem Siebenschläfer-Wetter
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08:59 26.06.2022
Wolkenformationen über einem Feld. Abergläubige zittern bereits jetzt vor dem Wetter am Siebenschläfer-Tag, der am Montag sein wird.
Wolkenformationen über einem Feld. Abergläubige zittern bereits jetzt vor dem Wetter am Siebenschläfer-Tag, der am Montag sein wird. Quelle: Thorsten Richter (Symbolfoto)
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So wie viele Menschen bei dem Hit „Hang on, Sloopy“ der Gruppe McCoys statt „Sloopy“ penetrant und wider besseren Wissens lieber „Snoopy“ verstehen wollen und so den Song dem süßen Peanuts-Beagle Snoopy widmen, so sehr verbindet eine klare Mehrheit mit dem Siebenschläfer-Tag den gesegneten Schlaf eines kleinen süßen Nagetieres namens Siebenschläfer.

Dabei geht es keineswegs um süße Nager, sondern um eine äußerst brutale Geschichte aus einem früheren Jahrhundert, als sieben Menschen christlichen Glaubens in einer Berghöhle nahe Ephesos von den Römern aufgrund ihres Glaubens lebendig eingemauert wurden. 195 Jahre später, genau am 27. Juni 446, wurden sie zufällig in ihrem Gefängnis entdeckt. Die Legende sagt, dass man die sieben Christen nicht tot, sondern schlafend vorfand. Und ja, sie sollen aufgewacht sein und damit einen weiteren Beweis für die Überwindung des Todes erbracht haben. Da sie aber so nicht auf der Erde bleiben konnten, sind sie dann relativ schnell gestorben. Eine genaue Zeitangabe gibt es wohl nicht.

Zur Erinnerung an diese tapferen Gläubigen wurde aus dem 27. Juni also der Siebenschläfer-Tag. Dieser fiel dann offensichtlich zufällig mit einer „Bauernregel“ zusammen, die sich mit der Entwicklung des Wetters in den darauffolgenden sieben Wochen beschäftigt. Die häufigste Bauernregel-Variante zum Siebenschläfer lautet: „Das Wetter am Siebenschläfer-Tag sieben Wochen bleiben mag.“ Es heißt aber auch: „Wenn die Siebenschläfer Regen kochen, dann regnet’s ganze sieben Wochen.“ Und damit sind dann die Nager endgültig raus, denn sie wachen nicht erst am 27. Juni auf, sondern sind da schon aktiv auf Partnersuche. Da haben die keine Zeit, Regen zu machen oder überhaupt aufs Wetter zu achten.

Mit Fantasie und der „7“ zur Verschwörungstheorie

Jetzt noch was für die Freunde von Verschwörungstheorien: Wenn sich im Laufe eines Jahres ein bestimmter Tag als große Verschwörung gegen jeden und alles eignet, dann ist es der Siebenschläfer-Tag. Denn der schickt doch so ziemlich jeden auf die eine oder andere Weise auf den Irrweg, und ausgerechnet die „7“ spielt dabei immer eine Rolle.

Zunächst einmal ist es total egal, wie das Wetter am 27. Juni ist, es hat keine Auswirkung auf die nächsten sieben Wochen. Denn die einzige ganz offiziell anerkannte Zeitreise im Jahr 1582 hat für eine Datenverschiebung der eigentlichen Wetterlage gesorgt. Die verlorenen Tage zwischen dem 4. und 15. Oktober, die tatsächlich nie stattgefunden haben, um die verschobenen Jahreszeiten wieder „gerade“ zu rücken, haben den Tag, für den die Bauernregel eigentlich gilt, auf den 7. Juli – auf die Doppel-Sieben, also 7.7. verschoben.

Das kommt nicht von ungefähr. Denn: Das Jahr 1582, das Jahr, in dem der Gregorianische Kalender Schieflagen der Jahreszeiten korrigierte, hat eine klare Geheimbotschaft, die doppelt abgesichert ist. Bildet man die Quersumme aus den Jahreszahlen, kommt zunächst vermeintlich harmlos 16 heraus. Doch bildet man die Quersumme von 16, sind wir wieder bei der 7. Und jetzt aufgepasst: Wann wurden die sieben Schläfer entdeckt? Im Jahre 446. Und als geübter Kenner bilden wir schnell die Quersumme und kommen auf 14. Eine Zahl, die durch 7 teilbar ist.

Das Tier „Siebenschläfer“

„Glis glis“ lautet der lateinische Name des Siebenschläfers, der absolut nichts mit dem geläufigen Siebenschläfer-Tag am 27. Juni zu tun hat. Die Maus gehört zur Gruppe der „Schlafmäuse“. Dabei ist sie gar nicht so klein, erinnert vom Körperbau und dem buschigen Schwanz eher an ein Eichhörnchen.

Erwachsene Tiere sind um die 25 Zentimeter groß, können aber auch die 30-Zentimeter-Marke erreichen. Tatsächlich geht der Siebenschläfer schon relativ früh in den Winterschlaf. Von Mitte September bis in den Mai hinein hält der Nager Winterschlaf in einer unterirdischen Höhle. Diese Schlafspanne gab dem putzigen Tierchen also seinen Namen.

Der Siebenschläfer kann bis zu neun Jahre alt werden und das bei einem Körpergewicht von nur 100 bis 200 Gramm. Dass man das Tierchen so selten sieht, liegt daran, dass es nachtaktiv und äußerst vorsichtig ist. Es wagt sich nur selten aus der Deckung, schließlich hat es einige Feinde, die in ihm Nahrung sehen wie etwa den Waldkauz, den Baummarder und auch Hauskatzen.

Das kann kein Zufall sein, das hat doch alles ein System, oder? Letztendlich werden wir doch tagtäglich beginnend mit den sieben Wochentagen von der „7“ infiltriert: Da gibt es die sieben Zwerge, die sieben Geißlein, die sieben Raben im Märchen, die „Glorreichen Sieben“ und „Das siebte Zeichen“ und „Das Geheimnis des siebten Weges“ in der Kinowelt, die Sieben Köstlichkeiten im Restaurant, die sieben Todsünden, die sieben Säulen der Achtsamkeit, die sieben Säulen der Resilienz, mit denen Krisen überstanden werden sollen.

Und jetzt heißt es nur noch den siebten Sinn geschärft und darüber nachgedacht, welchen Einfluss wohl der Siebenschläfer-Tag auf uns alle hat, wenn wir Folgendes noch mit in die Überlegung einbeziehen: 42 – so lautet in Douglas Adams’ Kultroman „Per Anhalter durch die Galaxis“ schlicht die Antwort auf die Frage nach dem Leben. Sollte das wirklich nur lustig sein, oder ist es nicht vielmehr so, dass 42 tatsächlich eine durch 7 teilbare Zahl ist und somit auch ein weiterer Hinweis auf das wirklich ganz Große?

Von Götz Schaub