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Marburg Blick mitten hinein ins Finanzamt
Marburg Blick mitten hinein ins Finanzamt
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18:00 18.11.2021
Das Foto zeigt Sophia Vogel als Elfi Nanzen (von links), Solveig Krebs als Bea Mtinnen und Zenzi Huber als Nele Neuer.
Das Foto zeigt Sophia Vogel als Elfi Nanzen (von links), Solveig Krebs als Bea Mtinnen und Zenzi Huber als Nele Neuer. Quelle: Foto: Jan Bosch
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Marburg

Wie stellt sich Otto Normalbürger die Arbeit in einem deutschen Finanzamt vor? Vermutlich gruselig. Zumindest legen das die Formulare in deutschem Beamten-Kauderwelsch nahe, die jeder Berufstätige Jahr für Jahr bei seiner Steuererklärung auszufüllen hat. Viele scheuen davor zurück und nehmen die Dienste eines entsprechend entlohnten Steuerberaters in Anspruch.

In „Der Fiskus“ wirft die deutsche Dramatikerin Felicia Zeller vor dem Hintergrund der Cum-Ex- und ähnlicher Steuerskandale einen Blick hinter die Kulissen dieses Finanzungetüms, wo – man achte auf die Namen – Bea Mtinnen, Elfi Nanzen und Nele Neuer ihrer Arbeit nachgehen.

Kann man über einen derart trockenen Stoff eine Komödie machen? Offensichtlich. „Der Fiskus“ ist eine Auftragsarbeit des Staatstheaters Braunschweig, wo das Stück im Januar 2020 uraufgeführt wurde.

3G+-Regeln

Es folgten Inszenierungen unter anderem am Burgtheater in Wien, an Theatern in Ulm und in Kiel. Dies zeigt auch: Die 1970 in Stuttgart geborene Felicia Zeller ist aktuell eine der gefragtesten deutschen Gegenwartsdramatikerinnen. Bundesweit gespielt wurden und werden ihre Stücke wie „Meine Mutter war einundsiebzig und die Spätzle waren im Feuer in Haft“ (1990), „Bier für Frauen“ (2000), „Club der Enttäuschten“ (2001) oder „Kaspar Häuser Meer“ (2007), für das sie den Publikumspreis bei den Mülheimer Theatertagen erhielt. „X-Freunde“ wurde 2013 in der Kritikerumfrage der Zeitschrift „Theater heute“ zum besten deutschsprachigen Stück gewählt. Felicia Zellers Stilmittel ist das der Groteske. Sie überzeichnet, überspitzt, karikiert, arbeitet mit Satzellipsen, die der Zuschauer weiterdenken muss.

Es spielen Mechthild Grabner, Zenzi Huber, Ben Knop sowie als Gäste Solveig Krebs und Sophia Vogel. Regie führt Matthias Huber, der unter anderem von 2013 bis 2018 Dramaturg am Schauspiel Leipzig und Leiter des Schauspielstudios der Leipziger Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ war.

Bühne und Kostüme gestaltet Cleo Niemeyer, die als freie Bühnenbildnerin unter anderem am Staatstheater Cottbus, am Schauspiel Leipzig und am Maxim Gorki Theater Berlin arbeitete. Die Musik verantwortet Christian Keul, für die Choreografie zeichnet Jana Rath verantwortlich.

Aktuell gelten am Theater die 3G+-Regeln: Besucherinnen und Besucher müssen einen Impf-, Genesenen-Nachweis oder einen aktuellen PCR-Test vorlegen.

Die Premiere am Samstag, 20. November, um 19.30 Uhr im Theater am Schwanhof ist ausverkauft. Weitere Aufführungen sind am 23. November, am 4., 5., 7. und 29. Dezember.

Von Uwe Badouin

18.11.2021
22.11.2021