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Marburg Den Blitz getroffen
Marburg Den Blitz getroffen
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19:00 13.03.2022
In der Kategorie „Unsere Heimat“ belegte Jens Jesberg Platz 1 mit seinem Bild „Blitzeinschlag im Amöneburger Becken“. Foto: Jens Jesberg
In der Kategorie „Unsere Heimat“ belegte Jens Jesberg Platz 1 mit seinem Bild „Blitzeinschlag im Amöneburger Becken“. Quelle: Jens Jesberg
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Marburg

Dunkle Wolken ziehen über das Amöneburger Becken. Alles wirkt bedrohlich. Als Betrachter spürt man den aufkommenden Wind, der über die Felder fegt. Das Unwetter kommt näher. In der Ferne ist das Donnergrollen zu hören. Dies war der Moment, in dem Jens Jesberg beschließt, sein Equipment einzupacken und seine Foto-Tour abzubrechen.

Oder vielleicht doch nicht? Denn der Hobbyfotograf hatte längst vor, auch einmal ein Unwetter zu fotografieren. Also scheint es, als sei das der richtige Moment. Dann schlagen schon die ersten Blitze ein. Es ist also ein eher zufällig entstandenes Foto, das Jens Jesberg zum ersten Platz beim Blende-Fotowettbewerb 2021 in der Kategorie „Unsere Heimat“ verhalf.

„Eigentlich war ich auf Insektentour im Wald bei ­Moischt“, erzählt der Marburger, denn das Fotografieren von Insekten und Vögeln sei sein Hauptinteresse. Auf Landschaftsaufnahmen war er an diesem Tag im Juli 2021 gar nicht eingestellt. Am Ortsrand von Moischt hatte er eine gute Sicht auf das Amöneburger Becken. „Ich habe nicht lange überlegt und meine Kamera wieder aufgebaut, auch wenn ich eigentlich nicht die passende Ausrüstung dabeihatte.“ Das Naturschauspiel hielt er mit seiner Canon EOS R, einem 50-mm-Objektiv mit geschlossener Blende und niedrig eingestelltem ISO-Wert fest. Es hat einige Versuche gebraucht, bis endlich das entscheidende Foto im Kasten war. Und es war sein Arbeitskollege, der ihn motiviert hat, auch einmal ein Foto beim Fotowettbewerb einzureichen. „Gleich beim ersten Mal zu gewinnen, hat mich schon sehr überrascht.“

Blende-Gewinner Jens Jesberg.

Fotografie habe seine Faszination für die Natur, für Tiere und ihre Lebensräume geweckt, berichtet der Hobbyfotograf, der sich auch mit Problemen wie dem Artensterben von Tierarten beschäftigt. „Es ist erschreckend, wie viele Arten vom Aussterben bedroht sind oder nur noch selten vorkommen“, schildert er und weiß aber auch, wie viele wunderbare Insekten bei uns in der Region zu Hause sind. „Um eine hübsche gebänderte Prachtlibelle oder einen Dunklen Wiesenknopf Ameisenbläuling (Anm. d. Verf.: Tagfalter) vor die Linse zu bekommen, gehe ich auch schon mal früh aus dem Haus, denn in den frühen Morgenstunden sind die Chancen höher, ein ruhiges Insekt zu finden“, weiß Jens Jesberg und fügt hinzu, dass Tierfotografen die Zeit kurz nach dem Sonnenaufgang gerne nutzen. Rund um die Amöneburg sind diese Schönheiten zu sehen. Eine Rohrdommel – sie zählt zur Familie der Reiher – hält sich dagegen gerne in Schilf-Bereichen an Seen auf.

Der farbenfrohe Eisvogel ist in Marburg an der Lahn zu Hause. Jesberg hat viel Erfahrung, wenn es darum geht, den richtigen Moment für ein solches Foto zu erwischen. Manchmal wartet er sehr lange darauf in seinem Zelt, das er zur Tarnung aufstellt. Oft wird er belohnt und bekommt die Schönheiten der heimischen Vogel- und Insektenwelt dann doch noch vor die Kamera. Diese Aufnahmen – und noch vieles mehr – zeigt er auf seiner Website unter www.jensjesberg.de.

Mensch und Tier im Einklang

Neben der Fotografie setzt sich der Techniker für Automatisierungs- und Prozessleittechnik auch mit dem Thema Mensch, Tier und Natur auseinander. Immer häufiger kamen ihm moralische und ethische Bedenken beim Genuss von Fleisch. Aus diesem Grund ernährt er sich seit mehr als zehn Jahren vegetarisch. „Und um ein Zeichen gegen die Massentierhaltung und die Ausbeutung zu setzen, lebe ich seit einigen Jahren vegan.“ Durch seine Arbeit im örtlichen Naturschutz kann Jens Jesberg etwas zurückgeben und hofft mit seinen Fotos, Interesse und Begeisterung für die Grundlage unserer Existenz zu wecken.

Mit dem Foto von zwei Kegelrobben beteiligt sich Jens Jesberg an der Ausstellung „Kontakte“ der Foto-Community Marburg, die im Rahmen der Fototage Marburg der Volkshochschule stattfinden.

An diesem Wochenende werden dort auf fünf Etagen rund 200 Bilder ausgestellt. Gleichzeitig werden auch Vorträge und Führungen durch die Ausstellungen angeboten. Für Jens Jesberg sind das also gleich zwei Premieren in diesem Jahr: Die erste Ausstellung und der erste Sieg beim Blende-Fotowettbewerb. Ein guter Grund, sich weiter im Tarn-Zelt auf die Lauer zu legen.

Von Melanie Weiershäuser

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