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Marburg Landkreis ist kein Sperrgebiet mehr
Marburg Landkreis ist kein Sperrgebiet mehr
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16:00 28.06.2021
Milchkühe stehen in einem Stall. Die Blauzungenkrankheit geht in Hessen zurück.
Milchkühe stehen in einem Stall. Die Blauzungenkrankheit geht in Hessen zurück.. Quelle: Arne Dedert
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Marburg

Von der Blauzungenkrankheit (BTV) waren heimische Viehhalter seit mehr als zwei Jahren zumindest indirekt betroffen – es gab zwar keine Krankheitsfälle, dennoch galt der Landkreis Marburg-Biedenkopf so wie andere Teile Mittel- und Südhessens als Sperrgebiet. Von der durch Mücken übertragbaren Tierseuche sind besonders Wiederkäuer betroffen, auf den Menschen ist der Erreger nicht übertragbar.

Hessen gilt seit 2012 als frei von der Seuche. Nachdem im Dezember 2018 in Rheinland-Pfalz die Blauzungenkrankheit ausgebrochen war, galten auch hierzulande verschärfte Regeln beim Tiertransport: Bevor bestimmte Tiere, etwa Milchvieh, aus den betroffenen Gebieten abtransportiert werden konnten, mussten sie durch eine Impfung immunisiert werden. Nun jedoch wurden die Vorschriften beim Verbringen von Rindern, Schafen und Ziegen wieder aufgehoben, wie das hessische Umweltministerium mitteilt.

Seit Dienstag sind weite Teile in Hessen von der EU-Kommission wieder als frei von Blauzungenkrankheit anerkannt worden. „Das ist eine große Erleichterung für die Landwirtinnen und Landwirte, denn damit entfallen viele Auflagen, die bisher bei dem Transport von Tieren aus dem Sperrgebiet in eine andere Region beachtet werden mussten“, sagte Umweltministerin Priska Hinz in Wiesbaden.

Bauernverband bleibt vorsichtig

Auch heimische Landwirte atmen auf, allerdings bleibt die Sorge, dass es künftig erneut zum Sperrgebiet-Status und zur Impfpflicht kommt. „Es wäre schön, wenn wir die Impfung nicht bräuchten, aber wenn wieder irgendwo ein Fall auftaucht, dann geht es wieder los“, sagt Karin Lölkes, Vorsitzende des Kreisbauernverbands Marburg-Kirchhain-Biedenkopf.

Im eigenen Betrieb wurden die Milchkühe gerade erst wieder geimpft, „wir haben da Glück und erst mal Ruhe“, so Lölkes weiter.

Doch jeder Viehhalter müsse nun selber entscheiden, ob er die Impfungen einstellt, die Kosten spart oder auch ohne Auflagen weiterimpft und im Ernstfall bereits vorbereitet ist. „Das muss jeder für sich selber abwägen, es ist eine wirtschaftliche Entscheidung.“

Neben Marburg-Biedenkopf sind auch die hessischen Landkreise Fulda, Waldeck-Frankenberg sowie der Schwalm-Eder-Kreis und Vogelsbergkreis wieder vollständig als BTV-frei anerkannt. Der Landkreis Kassel, die Stadt Kassel, der Landkreis Hersfeld-Rotenburg sowie der Werra-Meißner-Kreis waren schon bisher von der Tierseuche nicht betroffen. Im Lahn-Dill-Kreis, dem Landkreis Gießen, dem Main-Kinzig-Kreis und im Wetteraukreis konnte ein Teil der Gemeinden aus dem Sperrgebiet ausgenommen werden.

Alle südlich von diesen Landkreisen liegenden Gebiete in Hessen befinden sich weiter im BTV-Sperrgebiet. Eine Aufhebung wird erst von der EU vorgenommen, wenn über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren keine weiteren BTV-Ausbrüche nachgewiesen werden. Zusätzlich muss gegenüber der EU-Kommission dargestellt werden, dass in dem betroffenen Gebiet keine Viruszirkulation vorhanden ist.

Weitere Informationen gibt es auf der Homepage des hessischen Umweltministeriums unter https://umwelt.hessen.de/verbraucher/tiergesundheit-tierseuchen/tierkrankheiten-tierseuchen/blauzungenkrankheit

Hintergrund

Die Blauzungenkrankheit

Die Blauzungenkrankheit ist eine nicht ansteckende Erkrankung, die vorwiegend bei Wiederkäuern auftreten kann. Sie wird durch das Blauzungenvirus (Bluetongue virus, BTV) verursacht, das von kleinen, blutsaugenden Mücken (Gnitzen) von Tier zu Tier übertragen und auf diesem Wege verbreitet wird. Bei erkrankten Tieren bilden sich unter anderem Entzündungen an verschiedenen Stellen des Körpers. Das Virus kann bis zu 60 Tage im Blut infizierter Wiederkäuer zirkulieren und mit modernen Diagnostikmethoden nachgewiesen werden. Für den Menschen ist die Tierseuche ungefährlich. Fleisch- und Milchprodukte können laut Umweltministerium ohne Bedenken verzehrt werden.

Nach dem ersten Ausbruch der Blauzungenkrankheit in Deutschland in den Jahren 2006 bis 2009, der zu zahlreichen Todesfällen vor allem bei Rindern und Schafen führte, konnte nach flächendeckender Impfung das Virus in Deutschland ausgerottet und der Status der Seuchenfreiheit im Jahr 2012 wiedererlangt werden.

Seit Dezember 2018 wurden erstmals wieder Ausbruchsfälle im südlichen Baden-Württemberg, dem Saarland und in Rheinland-Pfalz festgestellt. Da infizierte Gnitzen das Virus über weite Strecken verbreiten können, muss um jeden Ausbruchsfall ein Sperrgebiet mit einem Radius von mindestens 150 Kilometer eingerichtet werden. Davon war auch Hessen betroffen, obwohl es nach der Seuchenfreiheit ab 2012 hierzulande keinen Ausbruch mehr gab.

Von Ina Tannert

28.06.2021
28.06.2021