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Marburg Bisher wenig Gegenliebe aus Wiesbaden
Marburg Bisher wenig Gegenliebe aus Wiesbaden
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13:58 23.09.2021
Der hiesige Kreisseniorenrat, hier bei einer Sitzung Anfang 2020 in Stadtallendorf, setzt sich dafür ein, dass sich in ganz Hessen Seniorenräte etablieren.
Der hiesige Kreisseniorenrat, hier bei einer Sitzung Anfang 2020 in Stadtallendorf, setzt sich dafür ein, dass sich in ganz Hessen Seniorenräte etablieren. Quelle: Foto: Noa Pötter
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Marburg

Das von der Zielgruppe gewählte Gremium ist Sprachrohr in Zusammenarbeit mit den Institutionen, Verbänden und Gruppen, die sich um die Anliegen älterer Menschen kümmern. Er hat insbesondere die Aufgabe, diese Interessen auf Kreisebene zu vertreten und an der Bearbeitung seniorenrelevanter Belange mitzuwirken. Er setzt sich für eine gute Lebensqualität Älterer ein und möchte vor allem daran mitwirken, dass die besonderen Interessen der älteren Menschen auf Selbstbestimmung und Teilhabe in der Gesellschaft gestärkt werden.

Kreisseniorenrat: Es fehltan Unterstützung

Der Kreisseniorenrat Marburg-Biedenkopf nimmt seine Arbeit sehr ernst und investiert viel Zeit. „In zahlreichen Regionalkonferenzen mit Bürgermeistern, Ortsvorstehern, örtlichen Seniorenbeiräten sowie Bürgerschafts- und Nachbarschaftshilfen haben wir deutlich gemacht, dass es zur Daseinsfürsorge der Kommunen gehört, sich auch oder mehr seniorenpolitischen Themen anzunehmen“, führt Herbert Bodenbender, Vorstandsmitglied aus der Gemeinde Fronhausen, aus.

Irritiert sei man, dass es so ein Engagement keinesfalls in ganz Hessen gibt. In den 422 Kommunen und 21 Landkreisen gibt es wohl nur 138 Senioren(bei)räte. Nach schon länger zurückliegenden Gesprächen mit dem Hessischen Städte- und Gemeindebund und der Landesseniorenvertretung Hessen führt der Kreisseniorenrat dieses schwache Ergebnis auf fehlende finanzielle Unterstützung der Kommunen durch das Land Hessen zurück.

Vor genau drei Jahren schrieb Bodenbender in Abstimmung mit den Vorstandsmitgliedern des Kreisseniorenrats die heimischen Landtagsabgeordneten an. In dem Schreiben wies er darauf hin, dass der Kreisseniorenrat eine fehlende Unterstützung zur Einrichtung von Senioren(bei)räten auf Landesebene sehe. Die damaligen Antworten der heimischen Abgeordneten, so Bodenbender, stimmten den Kreisseniorenrat erst einmal zuversichtlich.

Nun drei Jahre später stellt der Kreisseniorenrat fest, dass es weiterhin an Unterstützung aus Wiesbaden fehle. So ging er noch einmal in die Offensive und schrieb Mitte Juli 2021 die Fraktionsvorsitzenden der Landtagsparteien an und bat um Rückantwort bis Ende August 2021. „Die Resonanz ist sehr ernüchternd“, stellt Bodenbender gegenüber dieser Zeitung fest. Es habe nur zwei Rückmeldungen gegeben, von der SPD als Oppositionspartei und von Bündnis 90/Die Grünen als Teil der Koalition in Regierungsverantwortung.

Die Grünen gaben sich offenbar viel Mühe, das Schreiben fiel sehr ausführlich aus, gleichwohl musste Bodenbender feststellen, dass die Kernfrage unbeantwortet blieb. „Leider können wir der Antwort nicht entnehmen, welche Position die Hessischen Grünen zur Einrichtung flächendeckender Seniorenräte durch Änderung der Hessischen Gemeindeordnung haben“, sagt Bodenbender. Eine entsprechende Nachfrage blieb dann unbeantwortet.

Die SPD, namentlich Nancy Faeser als Fraktionsvorsitzende, stellte dar, dass sich die SPD seit Jahren für Seniorenräte in Hessen starkmache, aber dafür keine Mehrheit finden konnte. CDU und Grüne vertreten eher die Ansicht, dass es ausreichend sei, die Einrichtung von Senioren-(bei)räten durch Beschlüsse auf örtlicher Ebene zu belassen, auch wenn es nur in einem Drittel aller Hessischen Kommunen und Landkreisen Senioren(bei)räte gibt. Eine flächendeckende Einrichtung von Seniorenräten in Hessen durch Verankerung in der Hessischen Gemeindeordnung mit entsprechender finanzieller Unterstützung durch das Land Hessen wurde von der Koalition bisher abgelehnt.

Der Kreisseniorenrat hofft dennoch weiterhin auf ein Umdenken der Regierungskoalition in Wiesbaden, und dass es in überschaubarer Zeit im Interesse der älteren Mitbürger und Mitbürgerinnen zu einer parteiübergreifenden Mehrheit im Hessischen Landtag kommt.

Von Götz Schaub

23.09.2021
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