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Marburg Bisher keine Coronavirus-Infektionen bei heimischen Feuerwehren
Marburg Bisher keine Coronavirus-Infektionen bei heimischen Feuerwehren
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08:58 07.06.2020
Ab Mitte August können die Feuerwehren wieder mit Übungen starten. Der Landkreis hat dafür ein Rahmenkonzept mit Empfehlungen vorgelegt.
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Marburg

Allerdings gelten auch nach dem 17. August besondere Regeln, wenn Einsatzabteilungen wieder Löschangriffe oder technische Hilfeleistungen bei Verkehrsunfällen trainieren. Das wird die Feuerwehr-Führungen im gesamten Kreisgebiet vor einige Herausforderungen stellen. Bei Jugend- und Kinder-Feuerwehren wird der Übungsstopp noch länger dauern. Für sie gibt es noch keinen Starttermin.

Am 16. März hatte der Landkreis den kompletten Übungsbetrieb gestoppt, um einem Schreckensszenario vorzubeugen: dem Ausfall kompletter Einsatzabteilungen von Feuerwehren durch Infektionen mit dem Coronavirus. Das Ziel ist bisher erreicht worden. Laut Pressestelle der Kreisverwaltung gab es bisher keine Infektionen unter aktiven Feuerwehrleuten. Feuerwehrleute kommen seit Mitte März nur noch bei Alarmen zusammen. Und auch dann gelten Vorsichtsregeln. So ist die Zahl der Einsatzkräfte in den Fahrzeugen reduziert, auch im Einsatzfall müssen, wo immer möglich, Abstände eingehalten werden. Das hat Auswirkungen beim Ausrücken. Thorsten Thierbach, stellvertretender Stadtbrandinspektor von Kirchhain, bringt es auf eine einfache Formel: „Es rücken mehr Fahrzeuge aus mit weniger Einsatzkräften darin.“

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Im Ernstfall ist es schwierig, die Abstände einzuhalten

Dass das nicht immer einfach oder gar unmöglich sein kann, hat sich allerdings auch gezeigt, etwa bei einem Wohnungsbrand in der Amöneburger Kernstadt, bei dem ein Mensch ums Leben kam. Seinerzeit berichtete Amöneburgs Stadtbrandinspektor davon, dass es schwierig war, die Abstände einzuhalten.

Hat die Einsatzbereitschaft der Feuerwehren durch den Ausfall sämtlicher Übungen gelitten? Von Kreisbrandinspektor Lars Schäfer und der Brandschutzaufsicht kommt ein klares Nein.

Das sehen auch Führungskräfte in den Wehren so, etwa Marco Werner, Gemeindebrandinspektor von Dautphetal oder Thorsten Thierbach. „Diese Monate haben uns nicht aus der Bahn geworfen“, sagt etwa Marco Werner. Über einen solchen Zeitraum könne man fehlende Übungen noch kompensieren, meint auch Thierbach. So sieht es auch der Kreis, die Feuerwehren könnten ihren Aufgaben vollumfänglich nachkommen, wie das Einsatzgeschehen zeige.

Schwieriger ist die Situation für die Anwärter, die gerade erst in die Einsatzabteilungen gekommen sind, ihre Grundlehrgänge abgeschlossen haben. Da sieht Marco Werner Nachholbedarf.

Im Moment könnten diese Frauen und Männer keine neuen Fähigkeiten erlernen und trainieren. „Sie stehen aber ohnehin beim Einsatz zunächst nicht in vorderster Front“, sagt Dautphetals Gemeindebrandinspektor.

Gerade am Anfang der Einschränkungen zum Schutz vor Corona mangelte es überall an geeigneten Schutzmasken. Das traf auch die Feuerwehren, es sei denn, sie hatten vorgesorgt. Das war etwa in Dautphetal der Fall. Dort hatten Gemeinde und Wehren die schützenden FFP2-Masken bereits besorgt. Grund waren Einsätze im Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner.

Rahmenkonzept sieht

Übungen ab August vor

Auch die Kirchhainer Feuerwehren hatten und haben ausreichend Masken. Die FFP2-Masken sind medizinische Masken, die auch den Träger effektiv schützen. „Aber sie werden nur getragen, wenn wir Menschen sehr, sehr nahe kommen müssen“, betont Marco Werner. Ansonsten verfügen Wehren über Mund-Nasen-Schutz, also „Community“-Masken.

Der Kreis hat ein Rahmenkonzept mit Empfehlungen für den Mitte August wieder startenden Übungsbetrieb vorgelegt. Die Entscheidungen darüber treffen die Kommunen und ihre Wehren, allerdings wurde das umfangreiche Konzept gemeinsam mit den Leitern der Feuerwehren abgestimmt. Es dürfte schließlich auch die Richtschnur sein, wenn Feuerwehrfrauen und Feuerwehrmänner wieder außerhalb von Einsätzen zusammenkommen dürfen. Es wird viel Planung nötig werden. Denn Übungseinheiten müssen so organisiert sein, dass immer sichergestellt ist, dass im Falle von Infektionen keine Einsatzabteilungen stillgelegt werden müssen. Sprich: Übungen müssen aufgeteilt werden. In Kirchhain beschäftigt sich bereits eine Arbeitsgruppe mit den Planungen. „In den Stadtteilwehren wird es möglicherweise einfacher sein als in der großen Kernstadt-Feuerwehr“, sagt Thorsten Thierbach.

Auch in den Gerätehäusern wird es erheblichen Aufwand geben müssen. „Nach jeder Übung muss sehr viel desinfiziert werden“, so Marco Werner. Und er frage sich, ob es angesichts des Aufwands nicht sogar richtig wäre, noch einige Zeit länger zu warten, bis der Übungsbetrieb wieder aufgenommen werden solle.

Für die Jugend- und Bambini-Feuerwehren wird die Pause in jedem Falle noch länger als bis Mitte August dauern. „Hier gilt und galt es abzuschätzen, wie hoch das potenzielle Restrisiko insbesondere für Kinder und Jugendliche ist“, betont der Kreis als Aufsichtsbehörde. Es gelten besondere Vorschriften für Minderjährige und schließlich sollen auch keine Betreuer überfordert werden. Die suchen sich an vielen Orten derzeit andere Möglichkeiten, den Kontakt zu ihren Schützlingen zu halten, etwa online wie auch mit Bastelaktionen. Dennoch macht sich Thorsten Thierbach „um die Kinder und Jugendlichen die meisten Sorgen“. Denn gerade in dieser Altersgruppe könnten sich Interessen schnell verändern.

Die Wehren in Dautphetal denken bereits über eine besondere Werbeaktion zum Neustart ihrer Jugendwehren nach. Sie soll sich an alle Kinder und Jugendliche in der Gemeinde richten. Gemeindebrandinspektor Werner verbreitet deshalb Zuversicht. „Vielleicht haben wir dann sogar mehr Kinder und Jugendliche als vorher“. Auch der Landkreis lobt die zahlreichen Sonderaktionen, die sich die Jugendwarte gerade einfallen lassen. Das große Engagement der Betreuer sei jetzt unverzichtbar, um die Jugendlichen im wörtlichen Sinne bei der Stange zu halten.

Von Michael Rinde

06.06.2020
06.06.2020
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