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Marburg Bisher Corona-Ausbrüche in acht Heimen
Marburg Bisher Corona-Ausbrüche in acht Heimen
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07:58 11.12.2020
Im Alten- und Pflegeheim „Haus Waldblick“ in Moischt hat sich etwa die Hälfte der Bewohner mit dem Corona-Virus infiziert.
Im Alten- und Pflegeheim „Haus Waldblick“ in Moischt hat sich etwa die Hälfte der Bewohner mit dem Corona-Virus infiziert. Quelle: Foto: Thorsten Richter
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Marburg

Das Corona-Virus kann, wenn es in Altenpflegeeinrichtungen ausbricht, verheerend wirken. Ältere Menschen gelten ohnehin als besonders gefährdet für schwere Verläufe bei einer Infektion mit dem Virus und einer Covid-19-Erkrankung. Derzeit stellt sich die Situation in den heimischen Altenheimen aus Sicht der Gesundheitsbehörden des Landkreises so dar: Seit Beginn der Pandemie starben 32 Altenheim-Bewohner im Kreis an oder mit einer Corona-Infektion. Stichtag ist dabei der vergangene Mittwoch. Kreissprecher Stephan Schienbein betonte bei der Antwort auf die entsprechende OP-Anfrage, dass alle genannten Zahlen naheliegenderweise zusammenfassend gesagt nur eine Momentaufnahme sind und sich stetig verändern können.

Demnach waren am Stichtag Mittwoch außerdem 166 Bewohnerinnen und Bewohner der insgesamt 41 Altenheime im Landkreis mit dem Virus infiziert. Zu diesem Zeitpunkt gab es außerdem 57 aktive Fälle bei Mitarbeitern in Altenpflegeeinrichtungen.

Das Infektionsgeschehen mit seinen teilweise schwerwiegenden Folgen verteilt sich aktuell – immer gemessen am Stichtag Mittwoch – auf insgesamt elf Altenpflegeheime. Bei derzeit acht Altenpflegeheimen sprechen die Gesundheitsbehörden des Landkreises von einem „Ausbruchsgeschehen“, bei dreien ist von Einzelfällen die Rede. Als „Ausbruchsgeschehen“ definiert der Landkreis das Auftreten einer Corona-Infektion bei mehr als zwei Betroffenen in einer Einrichtung.

Ein aktuelles Ausbruchsgeschehen: In Moischt, im Pflegeheim „Haus Waldblick“ gibt es ebenfalls einen Corona-Ausbruch. Einrichtungsleiter Steffen Bohl bestätigte OP-Recherchen, dass von den bis zu 50 Pflegeheimbewohnern rund die Hälfte Corona-positiv getestet wurden. „Bisher gibt es bei keinem Infizierten schwere Erkrankungen, die Infizierten zeigen keine bis leichte Symptome“, sagte Bohl gestern gegenüber der OP. Die Situation sei für die verbliebenen Mitarbeiter des Hauses grenzwertig, was die Arbeitsbelastung angehe. „Aber die Pflege der Bewohner ist gewährleistet“, betont Bohl. Für alle, für Bewohner, Mitarbeiter und Angehörige, sei die Situation eine große psychische Belastung. „Die Mitarbeiter hätten gerade jetzt gerne mehr Zeit für die Menschen“, so Bohl. Es gilt ein Besuchsverbot. Es hat bereits eine Reihentestung für Bewohner und Mitarbeiter gegeben, eine weitere ist in Planung.

In den vergangenen Wochen hatten unter anderem das Haus Elisabeth in Kirchhain, das Pflegeheim St. Bonifatius in Stadtallendorf, der Elisabethenhof in Marburg und das „Haus Wiesenhof“ in Neustadt ein solches Ausbruchsgeschehen öffentlich gemacht.

Wie beurteilt das Gesundheitsamt das Infektionsgeschehen in den heimischen Altenheimen derzeit insgesamt? „Wir stellen fest, dass Einrichtungen sehr gut vorbereitet sind und die Schutzkonzepte ganz überwiegend greifen“, antwortet die Kreisverwaltung. In der Mehrheit der Einrichtungen gebe es derzeit keine aktiven Fälle. Allerdings nehme das Gesundheitsamt das Geschehen sehr ernst, hebt die Kreisverwaltung nachdrücklich hervor. Die eigens eingerichtete „Task Force Pflege und Corona“ ist personell noch einmal aufgestockt worden. Generell gibt es Reihentests bei Auftreten von Infektionen.

Bei Bedarf werden sie bis zu zweimal wiederholt, je nachdem, wie das Ergebnis ausfällt. Dabei werden bisher die bekannten PCR-Tests mit entsprechenden Abstrichen eingesetzt.

Von Michael Rindeund Björn Wisker