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Marburg Bischöfin und Bischof im Gespräch mit Studierenden
Marburg Bischöfin und Bischof im Gespräch mit Studierenden
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21:00 24.05.2021
Bischöfin Dr. Beate Hofmann und Bischof Dr. Michael Gerber sind unterwegs in Marburg im Gespräch miteinander vertieft.
Bischöfin Dr. Beate Hofmann und Bischof Dr. Michael Gerber sind unterwegs in Marburg im Gespräch miteinander vertieft. Quelle: Stefan Weisbrod
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Marburg

Auf den Spuren der Heiligen Elisabeth und des Heiligen Bonifatius sind Dr. Beate Hofmann und Dr. Michael Gerber an Pfingstmontag (24. Mai) von Marburg nach Amöneburg gepilgert.

Die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und der römisch-katholische Bischof von Fulda waren aber nicht nur viel auf den Beinen. Sie kamen dabei auch mit Menschen ins Gespräch, informierten sich etwa am Marburger Universitätsklinikum über die regionale Bekämpfung der Corona-Pandemie und tauschten sich in Kleinseelheim mit Personen aus der Altenhilfe aus.

Erste Station nach einer ökumenischen Andacht in der Elisabethkirche war aber die katholische Kirche St. Peter und Paul, wo Bischöfin und Bischof mit Studentinnen und Studenten sowie Vertretern der Katholischen Hochschulgemeinde und der Evangelischen Studierendengemeinde sprachen.

 „Hybride“ Veranstaltungen soll es auch in Zukunft geben

Die Studierenden berichteten von ihren ganz unterschiedlichen Erfahrungen, die sie während der Pandemie machen, gemacht haben. Eine Studentin schilderte, wie sehr sich ihr Alltag verändert habe, dass sie im letzten Studienjahr ein ganz anderes Leben führe, die Gemeinschaft vermisse. Skurril seien manche Klausuren, bei denen sie vor dem Bildschirm sitze, gefragt werde, ob jemand mit im Raum sei oder sie Spickzettel platziert habe.

Bischöfin Dr. Beate Hofmann und Bischof Dr. Michael Gerber im Gespräch mit einer Studentin (nach der eigentlichen Gesprächsrunde). Quelle: Stefan Weisbrod

„Habe ich natürlich nicht.“ Eine andere Studentin beschrieb, dass sie im Wohnheim viele Kommilitonen um sich habe, darüber sehr glücklich sei – eine Freundin hingegen bei ihren Eltern lebe, kaum soziale Kontakte habe. „Sie würde da gern raus, aber durch die Pandemie ist das für sie noch schwerer.“ Studenten aus Kamerun und aus Palästina erzählten, dass sie sich durch die Pandemie-Situation noch weiter von ihren Familien entfernt fühlten, dass sie sich Sorgen um ihre Angehörigen machten.

Deutlich wurde, dass das Studium selbst, die Vermittlung von Wissen mal besser, mal schlechter laufe. Vieles, diesen Eindruck schilderte auch Bischof Gerber, hänge von der Kreativität der Lehrenden, auch von deren Affinität zur Technik ab. Eines könne dabei aber auch der beste Umgang mit den Möglichkeiten der Digitalisierung nicht ersetzen: die persönlichen Treffen. „Der Austausch, die Diskussion untereinander, egal ob im Hörsaal oder in der Kneipe, das fehlt“, sagte er. „Es gibt Studierende im dritten Semester, die ihre Universität noch nie von innen gesehen haben.“

Allerdings hätten Online-Veranstaltungen der Universität auch Vorteile, sagte eine Studentin, wurde von Kommilitonen bestätigt. Sie nannte aufgezeichnete Vorlesungen als Beispiel, bei denen Abschnitte einfach wiederholt werden können, wenn man etwas nicht sofort verstanden hat.

Für die Zukunft äußerten einige der Studierenden den Wunsch, zumindest bei manchen Lehrveranstaltungen zu ermöglichen, entweder vor Ort oder übers Internet teilzunehmen. Solche Wünsche, berichteten Bischöfin und Bischof, gebe es auch von Gläubigen. Teilhabe an Gottesdiensten funktioniere auch über Chats, erklärte Gerber, berichtete von Fürbitten, die über das Internet gesendet und dann in der Kirche verlesen werden. Hofmann erzählte von Videos aus Partnergemeinden in Afrika, die in Gottesdienste eingebunden werden. Beide sprachen von „hybriden“ Gottesdiensten, die es auch in der Zeit nach der Pandemie geben könne und solle.

Mit Autos fuhren sie am Mittag zu ihrem Gespräch am Klinikum. Von den Lahnbergen aus ging es zu Fuß weiter in Richtung Kleinseelheim und schließlich nach Amöneburg. „Gern“, sagte Bischöfin Hofmann, „hätten wir die Menschen eingeladen, mit uns zu pilgern. Leider ist das im Moment nicht möglich.“

Von Stefan Weisbrod